Videospiel-Genres: Warum "Open World" kein Genre ist und "EA Sports FC" (FIFA) ein Platformer

Shooter, Rollenspiel, Open World – Videospiel-Genres sind die Sprache, mit der die gesamte Branche kommuniziert. Sie stehen auf jedem Store-Eintrag, in jeder Review, auf jedem Backcover. Aber diese Sprache ist kaputt. Denn während Literatur und Film nach Inhalt sortieren, Krimi, Horror, Sci-Fi, ordnen wir Spiele fast ausschließlich nach Mechanik. The Last of Us ist kein Zombie-Horrorspiel, sondern ein Third-Person-Action-Adventure. Das wäre, als würde man Schindlers Liste als „Steadicam-Schwarzweiß-Film" bezeichnen. In dieser Folge analysieren wir, warum das so ist, was die Wissenschaft dazu sagt, unter anderem mit Positionen von Philipp Bojer (Uni Köln) und Claus Pias' Klassifikationsmodell, und wo das System an seine Grenzen stößt: beim Action Adventure als Auffangbecken, bei Open World als Genre-Etikettenschwindel und bei der Frage, warum Göttersimulationen, Flipper und U-Boot-Sims aus dem Mainstream verschwunden sind. Außerdem: Warum die Community mit Begriffen wie Soulslike und Metroidvania bessere Genrearbeit leistet als die Industrie. Und eine steile These zum Schluss: FIFA ist mechanisch betrachtet kein Sportspiel, sondern ein Geschicklichkeitsspiel mit denselben Anforderungen an Spielende wie Super Mario. Hinweis: Bei dem Tetris-Like aus der Folge handelt es sich um „Tricky Towers". Damit ihr nicht googlen müsst. ;-)