Wirtschaftsforum Morning Brief
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Podcast

Der Morning Brief von Wirtschaftsforum bringt werktags um 6 Uhr die drei Themen auf den Punkt, die Geschäftsführerinnen und Geschäftsführer im Mittelstand wirklich betreffen: Recht und Steuern, Finanzierung, Energie und Einkauf, Personal und Förderung sowie KI und Digitalisierung. Kein klassischer Nachrichtenüberblick, sondern eine klare Einordnung: Was ist passiert? Warum ist es für Ihr Unternehmen relevant? Und müssen Sie heute handeln? Dazu gibt es die Zahl des Tages, einen kompakten Nachrichtenüberblick und eine konkrete Aufgabe, die Sie direkt nach dem ersten Kaffee erledigen können. Alle Quellen, Hintergründe und weiterführenden Informationen finden Sie in den Shownotes der jeweiligen Folge. Täglich redaktionell kuratiert und mit KI-Unterstützung produziert. Die Sprachausgabe erfolgt über eine synthetische Stimme. In weniger als sechs Minuten auf dem aktuellen Stand. Montag bis Freitag, jeweils um 6:00 Uhr. Ein Angebot der Wirtschaftsforum.

Alle Folgen

  • Zoll ist ein Preis. Zulassung ist eine Mauer.

    Vor 2 Tagen5:23

    Herkunftsregeln als Aussperrung | Mechanik der stillen Mauer | Kundenanalyse und Kanada-Option Worum es geht Während alle auf Trumps neue Zolldrohungen gegen die EU starren, läuft die stille Aussperrung des deutschen Mittelstands aus dem amerikanischen Markt bereits über Herkunfts- und Zulassungsregeln. Ein Zoll ist ein Preis und lässt sich einkalkulieren. Eine Zulassungsregel ist eine Mauer: Sie sorgt dafür, dass ein Angebot ungelesen weggelegt wird. Die Destatis-Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 zeigen, wie weit diese Aussperrung schon reicht. Akt 1: Was passiert ist Ursula von der Leyen schlug in ihrer Rede zur Lage der Union in Straßburg vor, Kanada zum ersten assoziierten Mitglied der EU zu machen. Kanadas Premier Mark Carney war anwesend und begrüßte den Vorschlag vor dem Europäischen Parlament. Trump reagierte wenige Stunden später in Charlotte, North Carolina: Er nannte das Vorhaben lachhaft, Kanada einen schrecklichen Handelspartner, und drohte mit sehr hohen Zöllen, falls er das Vorhaben als feindseligen Akt werte. Eine Zahl nannte er nicht. Er musste auch nicht: Auf den meisten Einfuhren aus Europa liegt seit dem 1. Juli 2026 ohnehin ein Satz von 15 Prozent, festgelegt im EU-US-Handelsdeal vom Sommer 2025. Akt 2: Wie es wirklich funktioniert Hinter der Zoll-Debatte läuft seit Frühjahr 2026 eine zweite, leisere Aussperrung. Im März 2026 unterzeichnete Trump ein Dekret, das die Federal Trade Commission anweist, Verstöße gegen Made-in-USA-Angaben vorrangig zu verfolgen. Wer den amerikanischen Wertanteil falsch angibt, fliegt aus der Bundesbeschaffung und wird an das Justizministerium verwiesen. Im Mai 2026 folgte eine öffentliche Erklärung, die Behörden anwies, Ausnahmegenehmigungen (Waivers) für den Kauf ausländischer Waren zu beenden: bisher durften Ämter im Ausland kaufen, wenn heimische Ware unangemessen teurer war, oft 20 bis 30 Prozent. Das US-Innenministerium richtete im März 2026 einen Industrietag für heimische Textilfirmen aus, um die Beschaffung von rund 11 Millionen Dollar jährlicher Uniformen (National Park Service, Bureau of Land Management) auf US-Fertigung umzustellen. Akt 3: Was es im Betrieb bedeutet Die Destatis-Zahlen zum ersten Halbjahr 2026 zeigen das Ergebnis: Deutsche Gesamtausfuhren stiegen um 3,9 Prozent auf 817,8 Milliarden Euro. Die Ausfuhren in die USA brachen dagegen um 6,1 Prozent auf 73,1 Milliarden Euro ein. Bei Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeugteilen beträgt der Rückgang im US-Geschäft 17,2 Prozent. Amerika ist trotzdem Hauptabnehmer. Drei Handlungsfelder: Kundenanalyse bis zum Endabnehmer: Landen die eigenen Teile über Zwischenhändler in US-Infrastrukturprojekten, bei Behörden oder Streitkräften, steht dieses Geschäft existenziell zur Disposition. Das private Geschäft wird dagegen nur teurer, um die 15 Prozent Zoll. Werbecheck: Wer in den USA ein eigenes Werk betreibt und mit amerikanischer Qualität wirbt, trägt seit dem Frühjahr 2026 selbst die Beweislast für die Made-in-USA-Angabe. Fehler werden an das Justizministerium verwiesen. Kanada als Hintereingang: Das EU-Kanada-Handelsabkommen CETA ist seit 2017 provisorisch in Kraft. Der Weg dauert Jahre. Die Zölle wirken sofort. Zahlen und Details Deutsche Gesamtausfuhren 1. Halbjahr 2026: 817,8 Mrd. Euro (+3,9 % zum Vorjahreszeitraum) Ausfuhren in die USA: 73,1 Mrd. Euro (-6,1 %) Kraftfahrzeuge und Teile in die USA: -17,2 % EU-US-Zollsatz seit 1. Juli 2026: 15 % (Deckel, alle Einfuhren aus der EU) Jährliches Uniformbudget US-Innenministerium: ca. 11 Mio. Dollar Made-in-America Executive Order: unterzeichnet 13. März 2026 FTC-Verfolgungsprioritäten und False Claims Act: bei Verstoß gegen Buy American Act droht Ausschluss aus Bundesbeschaffung und Verweisung ans Justizministerium

  • Netz ohne Knoten

    Vor 3 Tagen6:04

    Großinsolvenzen in der Autobranche, Magdeburger Milliarden, Lieferkette als Hebel Worum es geht Dreiunddreißig Großinsolvenzen von Unternehmen mit mindestens fünfzig Millionen Euro Jahresumsatz in den ersten sechs Monaten 2026, zehn Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Autobranche führt mit sieben Fällen, dahinter Einzelhandel, Maschinenbau und Dienstleistungen. Im Vorjahr hatte es bereits neunundfünfzig Insolvenzen größerer Zulieferer gegeben. Während diese Betriebe wegbrachen, standen für die nie gebaute Intel-Chipfabrik in Magdeburg fast zehn Milliarden Euro an öffentlichen Zuschüssen bereit. Akt 1: Was die Halbjahresbilanz zeigt Der Kreditversicherer Allianz Trade hat im September 2026 seine Halbjahresauswertung veröffentlicht. Gezählt werden Unternehmen mit mindestens 50 Millionen Euro Jahresumsatz. Ergebnis: 33 Großinsolvenzen von Januar bis Juni 2026, zehn Prozent mehr als im gleichen Zeitraum 2025. Die Branchenverteilung: Autobranche 7 Fälle, Einzelhandel 5, Maschinenbau 4, Dienstleistungen 4. Milo Bogaerts von Allianz Trade: „Fällt ein Marktteilnehmer dieser Größenordnung aus, geraten oftmals auch Zulieferer, Dienstleister und andere Geschäftspartner unter Druck." Die vollständigen Zahlen stehen in den Shownotes. Hintergrund Zuliefererinsolvenzen 2025: Nach Auswertung der Beratungsgesellschaft Falkensteg meldeten 59 Automobilzulieferer mit mehr als zehn Millionen Euro Jahresumsatz im Jahr 2025 Insolvenz an, nach 56 Fällen im Jahr 2024. Seit 2020 summieren sich damit 257 Großinsolvenzen in der Zulieferindustrie. Akt 2: Der Mechanismus hinter der Nachricht Für die geplante Chipfabrik von Intel in Magdeburg hatte die Bundesregierung 9,9 Milliarden Euro an öffentlichen Zuschüssen zugesagt, bei einer Gesamtinvestition von rund 30 Milliarden Euro. Es wäre die größte Einzelansiedlung der deutschen Nachkriegsgeschichte geworden. Ende 2024 wurde das Vorhaben eingefroren, im Juli 2025 endgültig abgesagt. Die Begründung des Konzerns: zu früh zu viel investiert, ohne ausreichende Nachfrage. Das Geld wurde nie ausgezahlt, ist also nicht verloren. Was verloren ist: die Jahre, in denen eine Region auf eine einzige Karte gesetzt wurde. Das rund 400 Hektar große Gelände (ehemalige Ackerfläche) hat das Land Sachsen-Anhalt inzwischen von Intel zurückgekauft. Die Stadt Magdeburg hätte dafür einen Kredit über 184 Millionen Euro benötigt, den die Aufsichtsbehörde verweigerte. Über einen Nachfolger wird verhandelt; der Finanzminister des Landes hat erklärt, dass mit Ansiedlungen erst in Jahren zu rechnen ist. Strom und Wasserversorgung müssen erst noch errichtet werden. Akt 3: Was es im Betrieb bedeutet Die operative Konsequenz hat nichts mit Industriepolitik zu tun. Drei Frühwarnsignale, die sich prüfen lassen: (1) Zahlungsmoral von Kunden und Lieferanten, die sich langsam verschlechtert. (2) Bestellungen, die kleiner und kurzfristiger werden. (3) Eine Warenkreditversicherung, die plötzlich das Limit senkt. Das dritte Signal ist das ehrlichste, weil dort jemand mitrechnet, der Geld verliert, wenn er sich irrt. Die andere Seite: Wer ein Teil liefert, für das der Kunde keine zweite Quelle hat, sitzt in einem Markt sterbender Zulieferer am längeren Hebel. Das Gespräch, das daraus folgt: längere Abnahmezusagen, eine Preisgleitklausel für Material und Energie, Werkzeugkosten, die nicht länger vorfinanziert werden. Zahlen und Details 33 Großinsolvenzen (ab 50 Mio. Euro Jahresumsatz) in Deutschland, Januar bis Juni 2026; +10 % gegenüber Vorjahreszeitraum (Allianz Trade, September 2026) Branchenverteilung H1 2026: Autobranche 7, Einzelhandel 5, Maschinenbau 4, Dienstleistungen 4 Kumulierter Jahresumsatz der insolventen Großunternehmen H1 2026: rund 4,5 Milliarden Euro (+3 % ggü. Vorjahreszeitraum) Durchschnittlicher Umsatz insolventer Großunternehmen H1 2026: rund 137 Millionen Euro (ca. -7 % ggü. Vorjahr) 59 Insolvenzen größerer Automobilzulieferer im Jahr 2025 (Falkensteg/Oliver Wyman; Schwelle: ab 10 Mio. Euro Jahresumsatz) Intel Magdeburg: 9,9 Milliarden Euro zugesagte öffentliche Zuschüsse, Gesamtinvestitionsvolumen rund 30 Milliarden Euro; nie ausgezahlt Gelände: rund 400 Hektar, vom Land Sachsen-Anhalt zurückgekauft (Abschluss Mai 2026) Verweigerte Kreditgenehmigung für die Stadt Magdeburg: 184 Millionen Euro

  • Energie und Kredit: ein Schock, zwei Rechnungen

    Vor 4 Tagen4:31

    EZB erhöht Leitzins / Hormus-Blockade treibt Energie / Investitionsrechnung dreht sich Darum geht es heute Seit dem 16. September 2026 gelten die neuen EZB-Leitzinsen: der Einlagensatz liegt bei 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz bei 2,65 Prozent. Es ist die zweite Erhöhung des Jahres, ausgelöst durch eine Inflation, die im August auf 3,3 Prozent gestiegen ist. Treiber ist fast ausschließlich die Energie. Und genau darin liegt die Pointe dieser Ausgabe: Energierechnung und Kreditrechnung haben dieselbe Ursache. Ein Schock, der zweimal an der Kasse erscheint. Akt 1: Was passiert ist Der EZB-Rat hat am 10. September 2026 alle drei Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte angehoben. Der Einlagensatz steigt von 2,25 auf 2,50 Prozent, der Hauptrefinanzierungssatz auf 2,65 Prozent. Die neuen Sätze gelten seit heute, dem 16. September 2026. Es ist die zweite Erhöhung in diesem Jahr; die erste war am 11. Juni 2026, zugleich die erste Anhebung seit September 2023. Nächste EZB-Sitzung: 29. Oktober 2026. Auslöser ist die Inflation im Euroraum: Der HVPI lag im August 2026 bei 3,3 Prozent (Juli: 2,9 Prozent, Schnellschätzung Eurostat). Haupttreiber ist Energie mit plus 14,3 Prozent (Juli: plus 10,3 Prozent). Dienstleistungen dagegen verlangsamten sich auf 3,0 Prozent (Juli: 3,3 Prozent). Die enge Kernrate (ohne Nahrungsmittel, Energie, Alkohol und Tabak) sank leicht von 2,5 auf 2,4 Prozent und lag damit unter den Markterwartungen von 2,5 Prozent. Die genauen Aufschlüsselungen nach Komponenten finden sich in den Eurostat-Daten (Link unten). Akt 2: Der Mechanismus Der Energiepreissprung geht auf die Sperrungen der Straße von Hormus zurück, die seit Ende Februar 2026 in Folge der Militärschläge der USA und Israels gegen den Iran und iranischer Gegenangriffe auf Energieinfrastruktur am Golf anhält. Durch die Meerenge laufen normalerweise rund ein Viertel bis ein Drittel des globalen Ölhandels und rund ein Fünftel des weltweiten LNG. Gas ist seit Beginn der Blockade um rund 70 Prozent teurer geworden, Öl um rund 50 Prozent (EU-Schätzung, Euronews). Die Kernrate der Inflation bewegt sich dagegen kaum: Der hausgemachte Inflationsdruck kühlt ab, während der importierte Energiepreis die Gesamtrate treibt. Die operative Konsequenz: Energierechnung und Kreditrechnung reagieren auf denselben Schock. Wer beide Posten separat plant, unterschätzt systematisch, wie stark sie sich zusammen bewegen. Akt 3: Was das im Betrieb bedeutet Vorhaben zur Senkung des Energieverbrauchs (Abwärme, Dämmung, eigene Erzeugung, effizientere Prozesse) finanzieren sich seit heute teurer. Gleichzeitig ist die Einsparung pro Kilowattstunde erheblich größer als noch 2023. Ein Projekt, das damals an den Energiepreisen scheiterte, lohnt sich heute unter Umständen neu gerechnet, weil die Ersparnis gewachsen ist, auch wenn der Kredit etwas mehr kostet. Das gilt ausdrücklich nur dort, wo das Vorhaben die Abhängigkeit von genau dem Preis senkt, der den Zinsschritt ausgelöst hat. Reine Kapazitätsinvestitionen ohne Energiebezug sind durch den höheren Zins schlicht teurer geworden. Zwei Jahre sinkender Leitzinsen sind vorbei. Zwei Erhöhungen hintereinander sind eine Richtung, kein Ausreißer. Abwarten bedeutet ab heute: im Zins zahlen und in der laufenden Energierechnung. Zahl des Tages Neunundzwanzig Oktober: Das ist das Datum der nächsten EZB-Sitzung. Ob ein dritter Schritt folgt, hängt weniger an der deutschen Konjunktur als an der Lage an der Straße von Hormus. Wer bis dahin Finanzierungsgespräche führt, sollte beide Szenarien auf dem Tisch haben. Für die Fachabteilung Zinssätze seit 16.09.2026: Einlagefazilität 2,50 %; Hauptrefinanzierungssatz 2,65 %; Spitzenrefinanzierungssatz 2,90 %. Referenzwert Unternehmenskredite bis 250.000 Euro: durchschnittlich 3,67 % (November 2025, Deutsche Bundesbank, Quelle: heropay.eu), gegenüber über 5 % auf dem Höchststand 2023. HVPI August 2026 Komponenten: Energie +14,3 %, Dienstleistungen +3,0 %, nichtenergetische Industriegüter +1,2 %, Nahrungsmittel/Alkohol/Tabak +1,2 %; Kernrate (ohne Energie, Nahrungsmittel, Alkohol, Tabak) 2,4 %. Kernwert ohne Energie stabil bei 2,2 %. Quelle: Eurostat Schnellschätzung, 1. September 2026.

  • Volles Auftragsbuch, leere Kasse

    Vor 5 Tagen5:18

    Stimmungseinbruch im GaLaBau, Preisschere als Mechanik, Kalkulationsprüfung als Konsequenz Eine Branche mit vollen Auftragsbüchern und sinkenden Erträgen, zur Leitmesse GaLaBau 2026 in Nürnberg. Was der Garten- und Landschaftsbau gerade zeigt, gilt für jeden Mittelständler, dessen Preise langsamer gestiegen sind als seine Kosten. Was passiert ist Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau (BGL) hat im Frühjahr 2026 seine Mitgliedsbetriebe befragt. Ergebnis: 51,8 Prozent beurteilen ihre Geschäftslage als gut (Vorjahr: 65,0 Prozent). Die Auftragsreichweite liegt unverändert bei achtzehn Wochen im Neubau und achtzehn Wochen in der Pflege. Die Ertragslage dagegen hat sich deutlich verschlechtert: 65,2 Prozent der Betriebe nennen sie unbefriedigend oder verbesserungsfähig (Vorjahr: 54,5 Prozent). Der Anteil der Betriebe, die ihre Lage als schlecht bezeichnen, ist von 2,8 auf 8,2 Prozent gestiegen, hat sich also fast verdreifacht. An der Umfrage haben sich 699 Betriebe aus elf Landesverbänden beteiligt; die Umfrage läuft seit 2005. Wie es wirklich funktioniert Das Muster ist strukturell: Kosten steigen sofort, Preise erst beim nächsten Angebot. Wer viereinhalb Monate ausgebucht ist, arbeitet die im Frühjahr kalkulierten Aufträge ab, ohne neue Preise durchsetzen zu können. Hinzu kommen angespannte Kommunalhaushalte als größter Auftraggeber sowie Konsumzurückhaltung im Privatbereich. Ein Auftrag, der wegen zu hoher Preise nicht stattfindet, taucht in keiner Statistik als Verlust auf. Der Ausblick der Betriebe auf die nächsten sechs Monate: 84,2 Prozent vergeben die Schulnoten eins bis drei (Vorjahr: 89,5 Prozent), die Erwartungen sinken, aber deutlich weniger dramatisch als die aktuelle Stimmung. Was es im Betrieb bedeutet Die Prufffrage lautet: Welcher Auftrag aus diesem Jahr würde heute, mit den heutigen Kosten, noch einmal zum selben Preis angeboten? Lautet die Antwort „die wenigsten", ist das Auftragsbuch keine Vermögensposition, sondern eine Hypothek mit Liefertermin. Wer auf der Auftraggeberseite sitzt und den Preis drücken will, liest dieselben Zahlen besser andersherum: Eine Branche mit vollen Büchern und schwacher Rendite hat keinen Anlass, billiger zu werden, aber jeden Anlass, sich auszusuchen, für wen sie arbeitet. Zahl des Tages Acht- bis zehntausend Stellen sind im Garten- und Landschaftsbau unbesetzt, auch wenn die Zahl der offenen Stellen und Arbeitsuchenden leicht zurückgeht. Wer nicht mehr Stunden verkaufen kann, muss in derselben Stunde mehr fertig bekommen. Das ist der Grund, warum die Leitmesse in Nürnberg heute mit einem neuen Schwerpunkt für Digitalisierung und Automatisierung startet. Eine Sache noch Die meisten anderen Branchen haben nicht einmal eine Messe, auf der sich das Problem besichtigen ließe. Dass die GaLaBau 2026 ausgerechnet einen neuen Zukunftsraum zu Digitalisierung und KI eröffnet, ist die Antwort der Branche auf fehlende Hände: Wer nicht mehr Stunden verkaufen kann, muss in derselben Stunde mehr fertig bekommen. Ob die Rechnung aufgeht, zeigt der nächste Abschluss, nicht der Messestand. Zahlen und Details Geschäftslage gut: 51,8 % (Vorjahr 65,0 %); befriedigend 40,1 % (32,1 %); schlecht 8,2 % (2,8 %) Auftragsreichweite Neubau: 18 Wochen (Vorjahr 19); Pflege: 18 Wochen (Vorjahr 18) Ertragslage unbefriedigend oder verbesserungsfähig: 65,2 % (Vorjahr 54,5 %) Ausblick sechs Monate, Noten 1 bis 3: 84,2 % (Vorjahr 89,5 %) Branchenumsatz 2025: 11,11 Mrd. Euro; Beschäftigte: 131.746 Offene Stellen (geschätzt auf Basis BA-Statistik und Meldequote 40 bis 50 %): 8.000 bis 10.000 Teilnehmende Betriebe Frühjahrsumfrage: 699 von 4.254 Mitgliedsbetrieben in elf Landesverbänden GaLaBau 2026, Nürnberg: 15. bis 18. September 2026, rund 1.100 Aussteller, NEU: ZUKUNFTSRAUM Digitalisierung und KI

  • KI im Betrieb: wenn der Einsatz wächst, die Ergebnisse aber nicht

    Vor 6 Tagen5:40

    Verdoppelter Einsatz, ausbleibende Ergebnisse, betriebliche Voraussetzungen Vier von zehn Betrieben arbeiten mit KI. Neunzehn von zwanzig können nicht sagen, was es gebracht hat. Zwei Erhebungen, die sich zu widersprechen scheinen und es nicht tun. Der Digitalverband Bitkom hat zu Jahresbeginn 604 Unternehmen ab zwanzig Beschäftigten befragt: 41 Prozent setzen künstliche Intelligenz ein, im Jahr davor waren es 17. Ein Forschungsprojekt am MIT hat mehr als dreihundert öffentlich angekündigte KI-Vorhaben ausgewertet und bei rund 95 Prozent der Unternehmen keinen messbaren Ertrag in der Gewinn- und Verlustrechnung gefunden. Der Einsatz wächst also schneller als der Nachweis. Die Folge fragt, woran das liegt, und holt sich die Antwort bei zwei Fachleuten, die von entgegengesetzten Seiten des Tisches dasselbe sagen. Die Zahlen im Einzelnen Aus der Bitkom-Erhebung (repräsentativ, telefonisch, Kalenderwoche 2 bis 6 des Jahres 2026): 41 Prozent im Einsatz, weitere 48 Prozent in Planung oder Diskussion — zusammen fast neun von zehn Unternehmen. 77 Prozent der Anwender sehen ihre Wettbewerbsposition verbessert. Einen messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg berichten allerdings nur 52 Prozent. 33 Prozent sagen, KI sei teurer geworden als gedacht, 19 Prozent haben Stellen abgebaut. Aus der MIT-Auswertung (NANDA, „The GenAI Divide: State of AI in Business“, Erhebung Januar bis Juni 2025): mehr als 300 angekündigte Vorhaben, 52 strukturierte Interviews, 153 befragte Führungskräfte. Die Ursache des ausbleibenden Ertrags ist demnach kein Modellversagen, sondern ein learning gap: generische Werkzeuge lernen die Abläufe eines Hauses nicht und passen sich ihnen nicht an. Ein Befund, der in der Folge keinen Platz hatte: externe Partnerschaften skalieren laut derselben Auswertung etwa doppelt so häufig erfolgreich wie reine Eigenentwicklungen. Zwei Stimmen aus der Praxis Gregor Draute, Geschäftsführer der Krankikom GmbH in Duisburg, einer Digitalagentur und Softwarehaus, das seit den Neunzigerjahren digitale Systeme entwickelt und anschließend auch betreibt: „Eine Anwendung, die läuft, ist nicht automatisch eine Anwendung, die hält.“ Seine drei Fragen vor jedem Rollout: Sind die Kundendaten sauber getrennt? Wurde das Backup jemals wiederhergestellt? Trägt die Architektur, wenn der unternehmensweite Rollout kommt? Und seine Umkehrung dessen, was im Mittelstand gerade als Bürde gilt: „Gewachsene Prozesse, tiefes Branchenwissen, jahrelange Kundenbeziehungen: das ist der Rohstoff, aus dem KI-Anwendungen entstehen, die wirklich funktionieren.“ KI-Tools einsetzen ist einfach. Sie in eine gewachsene Unternehmensstruktur zu integrieren ist eine andere Disziplin. Roland Becker, Gründer und Geschäftsführer von JUST ADD AI in Bremen, im Gespräch mit Wirtschaftsforum. Er hat das Unternehmen 2017 gegründet, lange vor dem Boom der großen Sprachmodelle; neun Ausgründungen sind daraus hervorgegangen. Sein Vergleich: Intelligenz komme jetzt aus der Steckdose wie Strom. Und der Satz, der jede Kaufentscheidung dreht: „Jede Plattform, die man heute einrichtet, wird schon in zwei Jahren hoffnungslos veraltet sein, und trotzdem muss man jetzt handeln.“ Daraus folgt für ihn: weniger darauf schauen, was eine Plattform heute kann, mehr darauf, ob der Anbieter in der Vergangenheit mit dem Tempo Schritt gehalten hat. Dazu zwei Räte aus einem Haus, das früh mit Gesundheits- und Finanzdaten gearbeitet hat: sich nicht einem einzigen Anbieter ausliefern, und wissen, welche Daten außereuropäische Systeme zu sehen bekommen. Was rechtlich gilt, und seit wann Seit dem 2. August 2026 greifen die Transparenzpflichten nach Artikel 50 der europäischen KI-Verordnung. Wer ein System betreibt, mit dem Menschen direkt interagieren, oder Inhalte veröffentlicht, die eine KI erzeugt hat, muss das kenntlich machen — unabhängig davon, wann das System eingerichtet wurde. Der Chatbot, den die Marketingabteilung vor einem Jahr in zwei Wochen aufgesetzt hat, fällt darunter. Die Fristen für Hochrisiko-Systeme sind dagegen nach hinten gerückt, und zwar auf zwei Termine, nicht auf einen: eigenständige Hochrisiko-Systeme nach Anhang III gelten ab dem 2. Dezember 2027 statt ab dem 2. August 2026, in regulierte Produkte eingebettete Systeme nach Anhang I ab dem 2. August 2028. Rechtsgrundlage ist die Digital-Omnibus-Verordnung (EU) 2026/1744, im Amtsblatt am 24. Juli 2026, in Kraft seit dem 27. Juli 2026. Artikel 50 ist davon nicht berührt. Zum Weiterlesen Wirtschaftsforum: Gregor Draute (Krankikom GmbH, Duisburg) über KI in gewachsenen Unternehmensstrukturen Krankikom GmbH, Duisburg — Digitalagentur und Softwarehaus JUST ADD AI (JAAI), Bremen — angewandte KI, Roland Becker Bitkom: Fast jedes Unternehmen beschäftigt sich mit KI — die Zahlen im Original, samt Methode MIT NANDA: The GenAI Divide — die Studie hinter den neunzehn von zwanzig IHK Köln: Transparenzpflichten nach der KI-Verordnung — was seit dem 2. August zu kennzeichnen ist

  • Die Pflicht hat den Absender gewechselt

    11.09.20265:40

    Omnibus-Entlastung auf dem Papier, Fragebogen auf dem Schreibtisch, Strom bleibt teuer Worum es geht Die europäische Nachhaltigkeitsberichtspflicht wurde mit der Omnibus-Richtlinie (EU) 2026/470 deutlich entschärft. Auf dem Papier. Im Betrieb vieler Zulieferer landet die Arbeit trotzdem weiter, weil der Gesetzgeber als Absender wegfällt und der Einkauf des Großkunden übernimmt. Diese Folge erklärt, warum das so ist, welches konkrete Schutzrecht im selben Beschluss steht und wo es endet. Akt 1: Was passiert ist Die Richtlinie (EU) 2026/470 wurde am 26. Februar 2026 im EU-Amtsblatt veröffentlicht und ist am 18. März 2026 in Kraft getreten. CSRD-berichtspflichtig sind künftig nur noch Unternehmen mit mehr als 1.000 Beschäftigten und mehr als 450 Mio. Euro Nettoumsatz (beide Kriterien müssen kumulativ erfüllt sein). Von rund 50.000 ursprünglich betroffenen EU-Unternehmen bleibt damit etwa ein Zehntel. Die Pflicht greift ab Geschäftsjahr 2027, der erste Bericht erscheint 2028. Beim deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) hat der Bundestag am 16. Januar 2026 die jährliche Berichtspflicht gestrichen (Kabinettsbeschluss: 3. September 2025). Die Sorgfaltspflichten selbst bleiben bestehen. Die EU-Nachfolgerichtlinie CSDDD gilt erst ab 5.000 Beschäftigten und 1,5 Mrd. Euro Umsatz, Pflichten ab Juli 2029. Akt 2: Wie es wirklich funktioniert Die Entlastung verschiebt nicht die Arbeit, sie verschiebt den Absender. Berichtspflichtige Großunternehmen brauchen Nachhaltigkeitsdaten aus ihrer Lieferkette und fragen sie beim Zulieferer ab, unabhängig davon, ob dieser selbst berichtspflichtig ist. Der Gesetzgeber fragt nicht mehr, der Einkauf schickt die Excel-Datei. Gleichzeitig enthält derselbe Omnibus-Beschluss den sogenannten Value Chain Cap: Firmen mit weniger als 1.000 Beschäftigten gelten als geschützte Unternehmen. Ein berichtspflichtiger Großkunde darf von ihnen grundsätzlich keine Nachhaltigkeitsdaten verlangen, die über den freiwilligen europäischen Standard (VSME bzw. Voluntary Standard) hinausgehen. Der umfasst rund 75 Datenpunkte, die große Berichtspflicht hatte rund 1.000. Das Kleingedruckte: Beschlossen seit dem Frühjahr 2026, in deutsches Recht noch nicht übersetzt, wirksam für Berichte ab Geschäftsjahr 2027. Der Cap deckt Daten für den Nachhaltigkeitsbericht ab, nicht jede andere Kundenanfrage. Und: Ablehnen zu dürfen ist nicht dasselbe wie ablehnen zu können, wer einen Großkunden mit hohem Umsatzanteil hat, diskutiert anders. Beim Strom läuft ein verwandtes Muster: Der angekündigte Industriestrompreis richtet sich ausschließlich an energieintensive Unternehmen auf der sogenannten KUEBLL-Liste. Der breite Mittelstand ist nicht dazu zählbar und zahlt weiter den regulären Preis. Der Deutsche Mittelstands-Bund nennt das Modell teuer, transformationshemmend und ungerecht. Der Unterschied zwischen beiden Feldern: Bei der Berichtspflicht liegt der Betrieb unter der Schwelle und ist ausdrücklich geschützt. Beim Strom steht er nicht auf der Liste und ist schlicht nicht gemeint. Akt 3: Was es im Betrieb bedeutet Den nächsten Nachhaltigkeitsfragebogen eines Großkunden neben den Voluntary Standard legen und markieren, was darüber hinausgeht. Wer alles beantwortet, weil es gefragt wurde, schafft einen Präzedenzfall. Wer vorher prüft, schafft eine Verhandlungsposition. Beim Strom lohnt der Blick in den eigenen Verband, denn dort wird gerade für diejenigen verhandelt, die in keinem Fördermodell vorkommen. Zahl des Tages Fünfundsiebzig: So viele Datenpunkte umfasst der freiwillige europäische Standard für den Mittelstand (VSME / Voluntary Standard), der die Obergrenze dessen bildet, was ein Großkunde von einem geschützten Zulieferer verlangen darf. Die große Berichtspflicht hatte rund 1.000 Datenpunkte. Diese Grenze gilt für Berichte ab Geschäftsjahr 2027 und ist in deutsches Recht noch nicht übersetzt. Für die Fachabteilung Richtlinie (EU) 2026/470 (Omnibus I): Veröffentlicht im EU-Amtsblatt am 26.02.2026, in Kraft seit 18.03.2026. CSRD-Umsetzungsfrist für Mitgliedstaaten: bis 19.03.2027. CSDDD-Umsetzungsfrist: bis 26.07.2028. Value Chain Cap: Art. 19a CSRD-Änderung, geschützte Unternehmen = unter 1.000 Beschäftigte. Ausnahme vom Verweigerungsrecht: triftige Gründe. CSDDD-Schwelle nach Omnibus: 5.000 Beschäftigte und 1,5 Mrd. Euro Umsatz, Pflichten ab Juli 2029. LkSG: Bundestag 16.01.2026, Kabinett 03.09.2025. Berichtspflicht (§ 10 Abs. 2 bis 4 LkSG) entfallen, Sorgfaltspflichten bleiben. Voluntary Standard (VS): Delegierter Rechtsakt der EU-Kommission vom 03.07.2026, Nachfolger des EFRAG-VSME. Industriestrompreis: Zielpreis 5 ct/kWh, nur für Unternehmen auf der KUEBLL-Liste (Carbon-Leakage-Liste der EU), ca. 2.000 Unternehmensgruppen bundesweit, Antragsverfahren rückwirkend für 2026 voraussichtlich Anfang 2027 über BAFA.