Effizienz-Turbo oder Kreativitäts-Killer? Visual-Effects-Profi Frank Petzold über Artificial Intelligence Die Filmbranche erlebt durch Artificial Intelligence einen Umbruch, der an die Euphorie des Atomic Age der Fünfzigerjahren erinnert. VFX-Experte Frank Petzold spricht in dieser Folge über die Ambivalenz neuer Tools, den Schutz von Künstlerrechten und warum das analoge Handwerk in einer digitalen Welt wichtiger wird denn je. Frank Petzold gehört zur Oberliga Hollywoods, was Special Effects betrifft. Mit Mitwirkungen an Blockbustern wie «Starship Troopers», «The Ring» oder «The Legend of Tarzan» und als Visual Effects Director von «Im Westen nichts Neues» (dafür erhielt er u.a. eine Oscar-Nomination und den Deutschen sowie den Europäischen Filmpreis) hat er die visuelle Sprache des modernen Kinos mitgeprägt. Im Gespräch mit Christoph Soltmannowski beleuchtet er nun ein Thema, das die Branche spaltet: Artificial Intelligence.KI – ein zweischneidiges Schwert der Innovation? Frank Petzold betrachtet die aktuelle KI-Entwicklung als «zweischneidiges Schwert»: Er warnt vor einer Überhitzung wie im «Atomic Age», da ein zu hohes Tempo den Blick für den sinnvollen Einsatz trüben könne. In der Postproduktion erweist sich die Technik jedoch bereits als Gewinn, indem sie mühsame Routineaufgaben wie Rotoscoping oder Kameratracking automatisiert. Zudem dient sie als effizientes Werkzeug für Layouts und Inspiration, um etwa in Sekundenschnelle verschiedene Hintergrundvariationen zu entwerfen. Die «Black Box» und der Verlust der Kontrolle Trotz der Geschwindigkeitsvorteile sieht der Experte Risiken in der mangelnden Kontrollierbarkeit. Viele KI-Plattformen fungieren als «Black Box» – man weiss nicht genau, was unter der «Motorhaube» passiert. Für einen Visual Effects Director ist dies problematisch, da er für konsistente Ergebnisse über hunderte von Kameraeinstellungen hinweg garantieren muss.Besonders kritisch wird die Entwicklung beim Thema Deepfakes und dem Schutz von Schauspielern. In Hollywood regt sich Widerstand, da Stars wie Robert Downey Jr. bereits komplett digital gescannt wurden. «Da muss man den Deckel draufnehmen und Filter einbauen, um den Missbrauch von Stimme und Aussehen zu verhindern», fordert Petzold. Warum die «Seele» nicht berechenbar ist Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist die Unersetzbarkeit menschlicher Kreativität. Petzold betont, dass echte Kunst von Spontaneität und Fehlern lebt. Visual Effects seien dann am besten, wenn sie eine «Seele» haben und Details eine tiefere Bedeutung im Storytelling übernehmen. So wie die subtilen Flugzeugkämpfe im Hintergrund von Im Westen nichts Neues, welche die ständige Präsenz des Krieges fühlbar machten.Frank Petzolds Rat an die nächste Generation: Das Handwerk von der Pike auf lernen. Trotz aller KI-Plugins bleibt das Verständnis für Optik, Licht und analoge Fotografie die Basis für Qualität. Frank Petzolds Showreel: https://vimeo.com/788279534?share=copy





















