Bro-Culture: Über Brüder, die Gott spielen – Antje Schrupp

In dieser Episode von Himmel & Erdung unterhält sich Johanna Di Blasi (RefLab) mit der bekannten Politologin, Theologin und feministischen Denkerin Antje Schrupp über ihr gerade erschienenes Buch «Postpatriarchales Chaos». Warum erleben wir gerade keinen einfachen Rückfall ins Patriarchat, sondern eine neue, ungeordnete Machtpolitik? Warum wirken heutige Machtfiguren eher wie Freibeuter als wie klassische Patriarchen? Weshalb ist ausgerechnet die Geschlechterfrage zum global zum beliebten politischen Kampffeld geworden? Wie können wir auf wild gewordenen Bros reagieren? Und was können wir als Christ:innen den religiös-Rechten entgegensetzen, die im Begriff sind jegliche Credibility des Christentums zu zerstören? ✨ Aber don't worry! Übergangszeiten sind ambivalent: Sie zerstören Gewissheiten, ja!, aber öffnen auch Räume für neue Formen von Freiheit, Gemeinschaft und Spiritualität. Laut Deutschlandfunk ist Antje Schrupp «eine der klügsten feministischen Stimmen» der Gegenwart. Postpatriarchales Chaos – Warum neue Machtallianzen entstehen Antje Schrupps Analyse in ihrem neuen Buch: Wir erleben gegenwärtig keinen einfachen Rückfall in alte patriarchale Strukturen. Der gegenwärtige Backlash gegen Gleichberechtigung und Demokratie, so Schrupps These, lässt sich auch nicht einfach mit «toxischer Männlichkeit» oder nostalgische Rückkehr zu konservativen Werten erklären. Tatsächlich ist etwas anderes, gefährlicheres im Entstehen: eine neue, ungeregelte Herrschaft des Stärkeren. Die neuen Protagonisten dieser Entwicklung – von autoritären Politikern über Tech-Milliardäre bis zu rechten Influencern – agieren nicht wie klassische Patriarchen. Sie fühlen sich keiner Ordnung verpflichtet, keinem höheren Prinzip, keiner Verantwortung gegenüber der Gemeinschaft. Schrupp beschreibt sie deshalb als «Piraten»: Akteure, die sich nehmen, was sie bekommen können – und nichts zurückgeben. Besonders gefährlich wird diese Entwicklung, weil sie Allianzen über ideologische Gräben hinweg ermöglicht. Evangelikale Prediger, islamistische Fanatiker, libertäre Tech-Bros aus dem Silicon Valley, rechte Nationalisten, antifeministische Influencer oder verunsicherte junge Männer in Online-Communities – sie teilen zwar keine einheitliche Ideologie. Verbunden sind sie jedoch durch ein gemeinsames Feindbild: Feminismus, Geschlechtervielfalt und weibliche Selbstbestimmung. Antifeministische Internationale Gerade diese «antifeministische Internationale», wie Schrupp sie nennt, wirkt heute als identitätsstiftendes Band zwischen sehr unterschiedlichen politischen Milieus. Gender- und Abtreibungsdebatten dienen dabei oft als emotionaler Mobilisierungspunkt – während im Hintergrund Macht, Ressourcen und politische Einflusszonen neu verteilt werden. Und Ungleichheit wachseln. Während Chancen auf friedliches Zusammenleben auf einem nicht aus dem ökologsichen Gleichgewicht gerissenenen Planeten rapid schwinden. Das «postpatriarchale Chaos» bedeutet Instabilität, Machtkämpfe und Orientierungslosigkeit – es stärkt aber auch die Fantasie und den Widerstand. Antje Schrupp: «Mit dem postpatriarchalen Chaos wächst auch die Liebe von Frauen und queeren Personen zur Freiheit.» Antje Schrupp gehört zu den wichtigen Stimmen des deutschsprachigen Feminismus. Ihre Analysen verbinden politische Theorie, feministische Philosophie und theologische Reflexion – und richten den Blick immer wieder auf die Frage, wie Freiheit in Beziehungen und Gemeinschaften konkret gelebt werden kann. Auf Einladung der Paulusakademie kam sie nach Zürich und machte einen Abstecher ins RefLab-Podcaststudio. :-)