Morgenimpuls

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Mit einem guten Gefühl in den Tag starten: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken über Gott und die Welt. Am Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen. Im Radio um 6.15 Uhr und als Podcast.

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Auferstehung ist ein großes Wort

Während einer Tagung hat eine Schwester im Morgenlob einen wundervollen Text vorgelesen, der so voller schöner, österlicher Bilder ist, dass ich ihn gerne heute in der Frühe lesen möchte. Er heißt im niederländischen Original "Opstanding" und ist von Jaap Zijlstra, ins Deutsche übersetzt von Katharina Kluitmann.AuferstehungAuferstehung ist ein großes Wort.Ich versuche, es kleiner zu sagen, Maßstab 1:10.000Auferstehung ist Wachwerden und die Drosseln rufen von den Dächernund die Raben von den Kanzeln: Jesus lebt!Auferstehung ist Luther, der nicht mehr dagegen ankam und in großen Buchstaben auf seine Tafel schrieb: "vivit" – Er lebt!Auferstehung ist meine Mutter, totgesagt von allen möglichen Ärzten und einem rasend schlauen Professor. Aber schau: Sie lebt, dreimal mehr als ein Hausspatz.Auferstehung ist eine Dauerwelle aus Blumen, ein Graben voll Leben. Besser kein Vogel in der Hand und zehn in der Luft.Auferstehung ist der Grabstein von Martin Luther King und darauf die Buchstaben:"Gott sei Dank, ich bin endlich frei!"Auferstehung ist Licht, das zurückkehrt zur Sonne, Regen zu den Wolken, Worte zurück in meinen Mund.Auferstehung ist ein Wunder, eine Verwunderung.Du reibst dir die Augen, es ist helllichte Nacht!Auferstehung ist ein Kichern von Licht. Die Augenwinkel kräuseln sich.Deine Augen gehen auf – und zu, von so viel Licht nach so viel Warum.

Auferstehung ist ein großes Wort

Können wir den Auferstandenen erkennen?

Eine der zauberhaften Ostergeschichten im Neuen Testament ist die um Maria Magdalena. Sie geht, von Kummer und Liebe getrieben, am frühen Ostermorgen zum Grab, macht sich Gedanken, wie sie den Stein wegbekommen soll, der das Grab verschließt und ist dann völlig verwirrt, weil der Stein weggerollt ist. Sie rennt zu Petrus und Johannes, die lassen sie einfach stehen und rennen selbst zum Grab, sehen die Tücher, aha, zusammengefaltet und ordentlich, kapieren aber überhaupt nichts „ER sah, und glaubte“ heißt es zwar über Johannes, aber was er glaubte, ist da nicht zu lesen. Und dann gehen sie verwundert nach Hause und lassen Maria wieder stehen. Und was macht Maria? Sie steht am Grab und weint, aus Trauer über den schrecklichen Tod Jesu, aus Kummer über all das schreckliche der letzten Tage, aus Liebe zum Rabbuni. Und sie beugt sich ins Grab und sieht die Engel. Und einer fragt sie, warum sie denn weint. Und sie sagt: Man hat meinen Herrn weggenommen und wir wissen nicht, wohin man ihn gelegt hat.“ Und dann sieht sie Jesus. Sie ist aber vor Trauer so blind, dass sie ihn nicht erkennt und denkt, es ist der Gärtner. Und auch Jesus fragt sie zartfühlend: Wen suchst Du? Warum weinst Du? Und sie erklärt ihm ihre Sehnsucht. Und dann ruft Jesus sie beim Namen: Maria. Und da gehen ihr die verheulten Augen auf und sie erkennt ihren Rabbuni. Und Jesus gibt ihr, der Frau, den Auftrag, zu den Jüngern zu gehen und alles zu berichten und über ihn Zeugnis zu geben. Und sie rennt und berichtet den Aposteln: „Ich habe den Herrn gesehen. Ich, die Frau und ich habe die beste Botschaft der Welt für Euch und für alle: Der Tod ist nicht das Ende, nicht das Letzte, nicht der Schrecken ein Leben lang. Der Tod ist nur der Durchgang. Auferstehung ist angesagt und ganz neues Leben“Maria ist die erste, die den Auferstandenen gesehen hat, Apostolin der Apostel, hat Papst Franziskus sie deshalb endlich genannt. Vielleicht können nur Menschen in tiefer Trauer, mit verweinten Augen wegen eines Verlustes, in Verzweiflung wegen der Situation, in der man im Moment leben muss, und mit sehnsuchtsvoller Liebe zu den Menschen, zu denen man im Moment nicht gehen kann, den Auferstandenen sehen und ihn erkennen und dann von ihm erzählen.

Können wir den Auferstandenen erkennen?

Feiern wir die Auferstehung mit allen Sinnen

Gibt es einen wunderbareren Jubel? Geht es schöner als heute? "Christus ist auferstanden. Halleluja!“ Gesegnete, frohe und hallelujavolle Ostern wünsche ich Dir und Euch von ganzem Herzen!Der Osterspaziergang von Johann Wolfgang Goethe ist wohl der schönste weltliche Hymnus an das Osterfest. Viele von uns haben das als Schüler auswendig gelernt: Zum Beispiel diese erste Strophe: "Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, durch des Frühlings holden, belebenden Blick, Im Tale grünet Hoffnungs-Glück; der alte Winter, in seiner Schwäche, zog sich in raue Berge zurück."Oder machst Du heute einen Emmausgang? Viele von uns kennen diesen Begriff noch: Am Ostermontag geht man spazieren, will mit allen Sinnen die auferstandene, aufgeblühte Schöpfung genießen. Der ursprüngliche Emmausgang, der Weg der beiden Jünger nach Emmaus, war alles andere als ein fröhlich leichter Gang: Alle Hoffnungen auf Zukunft mit Jesus hatten sich zerschlagen, die drei gemeinsamen Jahre mit ihm sind weg und verblasst, und nach dem schmählichen Kreuzestod geht gar nichts mehr. Sie fliehen aus Jerusalem, sie haben die Nase voll von allem und gehen nach Hause. Und dann kommt ein Dritter dazu, den sie nicht erkennen und der fragt ganz arglos, was denn los war in Jerusalem und sie erzählen ihm alles: vom Tod Jesu, von seinem Leben und Wirken vorher und ihrer großen Enttäuschung von dem: Wir aber hatten gehofft…Und sie erzählen auch von der Aufregung am Morgen: Dass die Frauen am Grab gewesen seien aber den Leichnam Jesu nicht gefunden haben aber Engel berichtet haben er lebe. Und dann am Abend, als sie miteinander das Brot brechen, da erst erkennen sie ihn, den auferstandenen Jesus Christus und sie rennen zurück und erzählen aus übervollem Herzen: Der Herr ist wirklich auferstanden, wir haben ihn erkannt, als er das Brot mit uns gebrochen hat.Einander zuhören – die Auferstehung feiern – die Botschaft weitersagen und - sie mit Leib und Seele und allen Sinnen genießen, das ist das österliche Heute.Und um es nochmal mit Goethe zu sagen: "Jeder sonnt sich heute so gern. Sie feiern die Auferstehung des Herrn, denn sie sind selber auferstanden."

Feiern wir die Auferstehung mit allen Sinnen

Schenken wir uns Himmelsmomente

Es ist so weit. Ostern. Den Impuls heute zu machen, hat mich schon gestresst. Wie fang ich an? Einfach mal ein lebhaftes Halleluja! Was soll ich denn jetzt erzählen? Erinnerst du dich noch an die Ostertage aus deiner Kindheit? Oder erlebst du sie heute wieder durch deine Kinder oder Enkel? Das Ostern aus meiner Kindheit, an das ich mich am besten erinnere, hat leider sogar keine theologische Tiefe und auch mit Jesus so gar nichts zu tun. Da weiß ich nur noch, dass die ganze Schokolade geschmolzen war. Es muss unglaublich heiß gewesen sein. Meine Schwester und ich suchten die Schokohasen natürlich trotzdem im großen Garten bei meinem Pat und meiner Jöt – also zu Hochdeutsch meine Paten – Die Schokohasen waren nur an ihrer Verpackung zu erkennen in ihrem ganz veränderten Zustand. Moment! Das ist doch Auferstehung. Verwandlung. Transformation in Gott hinein. Verstehst du das? Ich tue mich damit schwer. Ich unterrichte oft nach dem Theologen Medard Kehl, dass es bedeutet, dass wir aufgehoben sind. Das heißt - Befreiung. Schmerz und Schuld und Lasten des Lebens sind aufgehoben. Das heißt aber auch - Bewahren. Denn etwas aufheben, das heißt, man bewahrt es auf. Aufgehoben wie ein Kind – in den Armen liebender Eltern, Großeltern oder Paten. Aufgehoben wie etwas Wertvolles – wie ein alter Liebesbrief in einer Schmuckschatulle. Aufheben im Sinne von: Nichts geht verloren. Weil alles an dir und mir an uns Gott so wertvoll und wichtig ist. Das was dein Kernwesen, deine Seele, unsere Person wirklich ausmacht. Das bedeutet aber auch, dass ich und du nie mehr einsam sein werden. Dass ich dann bei Gott bin. Und ich glaub diesen Himmel, das Bei-Gott-Aufgehoben-Sein, das finden wir schon hier. Da wo wir in Beziehungen gut aufheben und aufgehoben sind. Dann ist Auferstehung nicht nur heute, sondern jeden Tag möglich. Vielleicht schaffen wir das auch an allen anderen Tagen, dass wir uns Himmelsmomente gegenseitig schenken. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Schenken wir uns Himmelsmomente

Der Karsamstag ist ein Dazwischen-Tag

Heute ist Karsamstag. Ein Tag, der ein Dazwischen markiert. Ein Tag, der noch die Stille vom Karfreitag trägt. Trotzdem ein normaler Werktag. Ein Tag, der schon den morgigen Tag erahnen lässt. Wir wissen ja, was morgen ist. Die Menschen rund um Jesus wussten es nicht. Vielleicht ahnten sie es. Vermutlich glaubten sie es. Aber was mir noch im Ohr klingelt, sind die Karfreitagsdiskussionen. Stichwort: Tanzverbot. Ich kann mich darüber nicht mehr empören. Sollte ich aber doch als gute Christin oder? Empört es dich? Wenn Menschen trauern, dann tun sie dies doch auch auf ganz unterschiedliche Weisen. Mancher ist voller Tränen. Andere voller Wut. Manch einer lenkt sich stark ab. Und das ist für mich total okay. Nein, es ist sogar wichtig. Meinen Lernenden sag ich immer, dass sie Kinder nicht um ihre Trauer bringen sollen. Kindern klar sagen, was passiert ist ohne Beschönigungen, Wege der Trauer ausprobieren lassen. Dann lasst sie doch tanzen. Würde ich am liebsten dann laut rufen, wenn diese Diskussion in der Öffentlichkeit wieder aufflammt – jedes Jahr. Wenn sie wüssten, warum es diesen Tag gibt. Hätten sie alle dann noch Lust zu tanzen? Für mich braucht es den Karfreitag. Denn ohne Sterben, Leiden und Tod keine Auferstehung. Es braucht aber auch den Karsamstag. Denn die Trauer hat auch ihren Platz in unserem Leben. Der Tod und somit auch die Trauer lässt sich nicht ausklammern, selbst im Leben Jesu, also selbst bei Gott nicht. - Gott sei Dank. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Der Karsamstag ist ein Dazwischen-Tag

Wenn nur noch eine Kerze brennt

Der heutige Karfreitag ist durch die Stille geprägt. Es ist sogar im ganzen Land ein Feiertag und es ist auch in der Stadt ruhiger. Aber dieser Tag ist auch geprägt von sehr besonderen Liturgien und Abläufen. Jetzt gleich fahren wir ins Nachbarstädtchen zu einer besonderen Form des Betens in diesen Kartagen.Es sind die Karmetten, die an diesen drei Tagen gefeiert werden und einen ganz eigenen Stil und Inhalt haben. In den Gebeten und Gesängen der Karmette werden die Klagelieder des Propheten Jeremia gelesen und gesungen. Das Leid der zerstörten Stadt Jerusalem wird beklagt und auf das, sehr viele spätere Leiden Christi hingedeutet. Psalmen werden gebetet und gesungen, die Leiden und Bedrängnis zum Thema haben, besonders Psalm 22: "Mein Gott mein Gott, warum hast du mich verlassen" und Psalm 69 und 88. Lesungen aus den alten Kirchenvätern, insbesondere von Augustinus, werden vorgetragen und dann Berichte über das erlebte Leiden Christi im Hebräerbrief, die die theologische Bedeutung der Kreuzigung erklären. Gesänge und Antiphonen vertiefen die Texte und stellen uns das unglaubliche Leiden Christi sehr deutlich vor Herz und Sinne.Was mich aber in dieser Liturgie wirklich packt, ist der begleitende, sehr packende Lichtritus. Ein großer Leuchter mit 15 Kerzen steht in der Mitte und immer nach einem Psalm oder Canticum wird eine Kerze ausgelöscht. Dieses Auslöschen und zeigt die Flucht der Jünger sehr markant dar und die unglaubliche Einsamkeit und Dunkelheit Christi, die zum Schluss nur noch von einer Kerze erleuchtet wird.Irgendwann vor Jahren wurde mir dadurch erst klar, was der wunderbare Lichtritus der Osternacht bedeutet. Während am Karfreitag alle Lichter ausgelöscht werden, wird dann an Ostern durch die eine Flamme der Osterkerze, die in die Kirche getragen wird, die ganze Kirche erleuchtet und an der einen, neu auferstandenen Flamme, kann sich die ganze Osterhoffnung auf das ewige Leben entzünden und die Welt wieder hell machen.

Wenn nur noch eine Kerze brennt

Dienen und sich dienen lassen

Der Gründonnerstag, den wir heute begehen, hat eine sehr eigene Weitergabe des Glaubens, die oft nicht mehr vollzogen, sondern nur noch vorgelesen wird. Jesus feiert mit seinen Freunden das Pessachmahl und wäscht davor seinen Jüngern die Füße. Und das, was dabei bis heute überliefert wird, sind seine eindrücklichen Mahnungen: „Ihr nennt mich Meister, und das bin ich. Und wenn ich, euer Herr und Meister euch die Füße gewaschen habe, sollt auch ihr einander die Füße waschen“ Der kaum überhörbare Aufruf zur Nächstenliebe und zum Dienst an den Mitmenschen, zu seinem Andenken, ist die eine Seite dieses Geschehens. Aber es gibt eine zweite, eine sehr mystische Seite. Petrus, der Macher, der Fels, der die große Klappe hat und auf den Putz haut, der soll sich die Füße waschen lassen? Niemals. Er kann es nicht ertragen und nicht die Ohnmacht aushalten, hier nichts tun zu können. Und er beginnt mit Jesus zu streiten und sich aufzuregen: „Nicht Du solltest mir die Füße waschen, sondern ich sollte das tun“ und selbst als Jesus einwendet, er solle es geschehen lassen, auch wenn er es jetzt nicht verstehen würde, selbst da geht das Gezeter weiter und er fordert dann, dann nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und den Kopf bitte. Mir und vielen von uns kommt das glaube ich schon bekannt vor. Wir selbst wollen Herr der Lage sein. Wir wollen das Geschehen im Griff haben und sehr genau wissen, wie, was, wann, wohin steuert. Und es macht nervös und unruhig und wir sind unsicher und erschrocken, wenn alles, was wir sorgfältig bisher selbst regeln konnten und den Fortgang im Blick hatten, wenn plötzlich nichts mehr geht. Da kann eine Krankheit sein, ein Unfall, ein familiärer Schicksalsschlag oder das sichtlich älter werden. Viele können nicht aushalten, jetzt Hilfe annehmen zu müssen, jetzt nicht mehr alles selbst zu können. Aber wenn ich diesen Jesus richtig verstehe, bedeutet es eben auch beides: den Dienst am Nächsten nicht zu vergessen, aber auch, Hilfe zu erbitten und mir dienen zu lassen, Schwäche, Alter, Krankheit anzunehmen und aus den Händen geben zu können, was ich bisher fest im Griff hatte. Auch das bedeutet: tut dies zu meinem Gedächtnis.

Dienen und sich dienen lassen

Die Kirche ist nicht die Titanic

Kannst Du dich noch an den Film Titanic erinnern? Der war Ende der 1990er Jahre ein Riesenerfolg – obwohl der Ausgang der Geschichte ja absolut vorhersehbar gewesen ist. Der Prager Soziologe und Priester Tomas Halik benutzt in einem seiner Bücher die Geschichte der Titanic, um etwas Wichtiges über die Zukunft unserer Kirche zu sagen. Erstmal glaubt er, dass die Kirche eine Zukunft hat – trotz aller Probleme aktuell. Doch sie muss ihre Gestalt ändern – und da kommt der Vergleich mit der Titanic ins Spiel. Wir diskutieren ja auch in der deutschen Kirche leidenschaftlich über Strukturmaßnahmen. Da sagt er: Alles gut und schön und auch notwendig. Aber: Maßnahmen wie das Zusammenlegen von Pfarreien, den verstärken Einsatz von ausländischen Priestern erinnern ihn an das Hin- und Herschieben der Liegestühle auf der Titanic. Er möchte weder eine billige Modernisierung der Kirche noch eine Flucht in die Vergangenheit. Wird also unsere Kirche komplett versinken? Nein! Eine bestimme Gestalt von Kirche wird untergehen, aber auch in ihrer gegenwärtigen Gestalt gibt es viele Schätze, die auf eine andere Gestalt von Kirche gerettet und umgeladen werden müssen. Ich finde es wohltuend, dass Tomas Halik deutlich die Probleme anspricht, keine einfachen Lösungen verspricht und trotzdem nicht verzweifelt. Das Werden der neuen Gestalt der Kirche setzt er in Verbindung mit dem Osterfest, das wir ja diese Woche feiern. Er ist überzeugt: Die Erneuerung der Kirche ist vor allem die Erneuerung des Glaubens und eine Erneuerung des Begreifens, Durchdenkens und der Ausdrucksformen des Glaubens. „Seht, ich mache alles neu“ – dieses Zitat aus der Offenbarung des Johannes ist die Zusage Gottes an uns und unsere Kirche. Wir brauchen keine Angst vor Veränderungen zu haben. Jesus ist am Karfreitag gestorben – und gegen jede menschliche Wahrscheinlichkeit ist er wiederauferstanden. Auch manches an unserer Kirche wird vergehen – aber wir alle haben die Hoffnung auf die Auferstehung – anders als bei der Titanic wartet am Ende auf uns nicht der Eisberg, sondern Ostern und das Ewige Leben. Das ist doch mal eine Aussicht!

Die Kirche ist nicht die Titanic

Die Passion in ungewöhnlicher Form

Als erstes gibt es die Einladung, in ein Labyrinth zu gehen. In Bögen laufen, die scheinbar nicht enden. Dann führen sie zur Mitte und dann wieder nach draußen. Dieses Labyrinth ist der Beginn eines erstaunlichen Abends in einer Kolumbariumskirche:Danach die Erlaubnis, in den sakralen Kirchenraum einzutreten, der in durchleuchtend gläserne Tore eröffnet wird. Und dann große, längliche Schiefertafeln und Kreide und die Aufforderung, eigene Zweifel an Gott und am Glauben aufzuschreiben. Zunächst schüchternes Umschauen, machen es die anderen auch? Ja, sie schreiben. Dann werden die Tafeln in den Mittelgang gelegt und manchmal fallen sie auch mit großem Getöse auf den Boden und zerspringen. Und dann ein Wechsel von Pantomime, Musik, Gesang, Licht und Dunkelheit, Ergriffen sein und auch erschrocken. Der darstellende Pantomime stellt Szenen aus der Passion Jesu nach und manchmal war ich, ob der Dringlichkeit der Darstellung so erschrocken, dass ich mich hinter meinem, vor Mitsitzenden versteckt habe, um nicht hinsehen zu müssen. Ganz vieles hat sich mir trotzdem aufgedrängt: die Szene vor dem hohen Rat, in der aus dem Off die ganzen heutigen Vorwürfe an Jesus hineingerufen werden und dem schrillen Wort auch blendend weißes, wie hineingeworfenes Licht das Erschrecken deutlich machen. Und dann das Verstrickt werden Jesu in innere Zweifel und Ängste am Ölberg und das Hängenbleiben in diesen gespannten Seilen der Angst, in denen er sich immer schneller und immer enger verheddert. Und dann den Kreuzweg. Der Pantomime lädt sich all die im Mittelgang liegenden Tafeln mit unseren Zweifeln und Ängsten auf und das kann gar nicht gut gehen und er fällt und es scheppert und man ahnt, eigentlich ist das das Ende. Ist es aber nicht. Und sehr erleichtert erahnen alle nach Musik und Gesang und leuchtendem Auf und Ab, kommt der eben Gefallene und nimmt zwei an der Hand und sie gehen nach Emmaus, erzählen von brennenden Herzen und hoffen sehr, selbst aufzubrechen und Licht zu werden. Vielleicht schaffen Du und ich in dieser besonderen Woche, das Geschehen von damals auch anders zu erleben und in Licht umwandeln zu lassen. Von IHM.

Die Passion in ungewöhnlicher Form

Neu anfangen

Seit fast 40 Jahren gibt es vor Ostern und Weihnachten die Nacht der Versöhnung hier in Olpe. Als Bußgottesdienst hat sie immer das Anliegen, den Teilnehmenden einen Rahmen zu bieten, um sich mit der eigenen Schuld, mit persönlichen Fehlern oder Schwächen, mit den Brüchen des Lebens auseinanderzusetzen. Gleichzeitig möchte sie aber auch den Raum öffnen neu anzufangen, umzukehren, sich mit sich selbst und/oder dem anderen zu versöhnen. Und sie möchte die Möglichkeit bieten, alles Schwere in Gottes Hände zu legen, um seine Unterstützung für den Neuanfang und Vergebung zu bitten.Und dieser Abend heute steht unter dem Thema: Neu anfangen. Die Nacht der Versöhnung lädt ein, die Blickrichtung zu wechseln, zu schauen, wo man auf andere zugehen kann, an welchen Stellen man das Gespräch suchen und versuchen kann, die Position des Anderen zu verstehen, ohne sich ihr anschließen zu müssen und gleichzeitig selbst bereit zu sein, die Hand, die jemand anderes mir reicht, zu ergreifen, das Gesprächsangebot zu nutzen, nicht mehr kompromisslos auf der eigenen Sichtweise zu beharren und nur die persönlichen Interessen in den Mittelpunkt zu stellen.Nach dem Bußgottesdienst um 19:30 Uhr, der immer wirklich unter die Haut geht, gibt es die Möglichkeit, einen Einzelsegen zu empfangen oder ein Beicht- oder Lebensgespräch zu führen. Bei Tee und Gebäck sind dann alle Teilnehmenden eingeladen miteinander ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. Vielleicht ist das eine gute Idee für die eine oder den anderen von Euch, die Karwoche mit diesem besonderen Abend zu beginnen und ihn ganz bewusst nochmal als einen Neuanfang zu setzen für diese unglaubliche Woche, die mit Jesu Abendmahl mit seinen Jüngern beginnt, mit Verrat, Verzweiflung, Verurteilung und Tod weitergeht und nach Todesnacht und allem Nichtwissen in der strahlenden Auferstehung Jesu mündet.

Neu anfangen

Begegnungen können etwas verändern

Manchmal ist man ahnungslos und dann passiert einfach etwas. Der Palmsonntag ist ein Tag, liebe Hörerinnen und Hörern, an dem wir an den Beginn der Passion Jesu denken, an den Weg, den er geht, getragen von Liebe und Verantwortung. Und auf diesem Weg begegnen auch wir ihm als Menschen, vielleicht etwas ahnungslos, wie zufällig in unserem Leben. Und gerade in diesen Begegnungen kann sich etwas verändern.Da sind zwei Ahnungslose, die Jesus heute begegnen: Simon von Cyrene, ein Mann, der gerade von der Arbeit kam, müde und erschöpft. Er wurde gezwungen, das Kreuz eines anderen zu tragen. Er wollte nicht, aber er hatte auch keine Wahl. Und doch erwuchs aus dieser zufälligen Begegnung etwas Neues. Simon musste ein Stück des Weges gehen, anfangs widerwillig, später vielleicht mit innerer Freiheit. Diese Begegnung hinterlässt Spuren, sie wird erinnert und weitergegeben. Die Erinnerung ist sogar so stark, dass wir heute noch die Namen seiner beiden Söhne Alexander und Rufus kennen.Auch ein anderer Zeuge, ein Hauptmann, dem die Geschichte den Namen Longinus gegeben hat, begegnet dem Leidenden auf diesem Weg, ein Soldat gewohnt an Härte und Gewalt. Er wird plötzlich still. "Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn", sagt er dann. Ein Moment der Erkenntnis mitten im Alltag, im scheinbar Gewöhnlichen.Beide, Simon und Longinus, sind ahnungslose Zeugen. Sie wollen nichts Besonderes tun. Und doch begegnet ihnen das Besondere, der Besondere. Begegnungen, die herausfordern, die auf dem Weg rufen, auch wenn wir es nicht geplant haben.Palmsonntag, der heutige Tag, erinnert uns daran: Wer dem Weg folgt, begegnet oft Herausforderungen oder Kreuzen. Aber gerade auf diesem Weg kann das Herz geöffnet werden. Wo entdecke ich den Sohn Gottes? Vielleicht nicht im großen Zeichen, sondern in den unerwarteten Begegnungen, in den Menschen am Rand des Weges.Und so lädt uns heute der Palmsonntag ein, genau hinzuschauen, wahrzunehmen, mitzugehen. Denn Zufall gibt es bei Gott ja nicht. Alles kann zu einer Begegnung werden, die unser Herz verändert. Eine solche Begegnung wünscht euch Stefan Wißkirchen, Hochschulpfarrer in Düsseldorf.

Begegnungen können etwas verändern

Liebe hat mehr Recht als Hass

Morgen beginnt die Karwoche, eine Zeit, die uns an das erinnert, was Menschen als Dunkelstes tun können. Der Schriftsteller Max Frisch hat einmal ganz hart formuliert: "Gesetzt den Fall, Sie haben noch keinen umgebracht. Womit erklären Sie sich das?" Ein unbequemer Gedanke, der uns aus der Komfortzone holt. Denn er erlaubt uns nicht, Gewalt immer nur bei den anderen zu verorten, bei den Fanatikern, bei den Tätern, die in den Nachrichten kommen, bei denen, die die großen Konflikte dieser Welt lenken. Max Frisch hat nach dir gefragt, nach dem, was in dir steckt, und auch natürlich in mir.Wir Menschen reden gern davon, das Gute zu wollen, und doch kennen wir alle dunkle Regungen, verletzten Stolz, Machtfantasie, Rivalität und ab und an auch Rache. Die kleinen Kriege im Alltag, in Worten und im Schweigen, in der Kälte, sie zeigen uns, Gewalt beginnt selten mit der Faust, sie beginnt in deinem Herzen.Die Bibel ist da erstaunlich ehrlich, sie verschweigt nicht, wozu wir Menschen fähig sind, auch im Namen Gottes, Menschen, die überzeugt sind, im Recht zu sein, die nicht ertragen, dass jemand anders glaubt, denkt oder hofft. Hass, Verleumdung und Gewalt, sie gehören zur Geschichte der Menschheit und auch zur Geschichte des Glaubens. Und sie sind, weiß Gott, nicht eine ferne Vergangenheit. Deshalb brauchen wir christliche Hoffnung, die nicht naiv sein will.Die Mystikerin Madeleine Delbrêl sagt: "Der Christ liebt niemals christlich, wenn er das Böse außer Acht lässt." Liebe heißt nicht, das Dunkle zu verdrängen, sondern ihm etwas entgegenzusetzen. Vielleicht beginnt der Friede genau hier, indem ich mir eingestehe, wozu auch ich manchmal fähig wäre und mich trotzdem immer neu für einen anderen, einen neuen Weg entscheide: für das Wort statt der Härte, für Vergebung statt Vergeltung, für die leise, aber starke Hoffnung, für die auch diese Karwoche stehen wird.Die Liebe hat am Ende mehr Recht als der Hass.

Liebe hat mehr Recht als Hass

Frieden beginnt im Kleinen

Wir sind mitten im Krieg, wir und unsere betroffenen Brüder und Schwestern in der Ukraine, im Jemen, in Syrien, Iran, Gaza, Mali, Nigeria, Kamerun, Kongo, Burundi, Äthiopien.Viele dieser Kriege und kriegerischen Auseinandersetzungen gehen seit Jahren und oft ist einfach kein Ende abzusehen. Städte und Dörfer werden sinnlos zerstört, jegliche Infrastruktur wird über Jahre unbrauchbar gemacht, unsinnige, grausame Gewalt wird ausgeübt, Menschen bedroht, beleidigt, gefoltert, getötet. Warum das alles? Jeder weiß, dass Kriege keinen Frieden bringen und besiegte Völker niemals Ruhe geben werden, bis das Unrecht beseitigt wird. Meine Oma Katharina, die sich ja im Nachkriegsdeutschland auf der eingesperrten ostdeutschen Seite wiederfand, hat immer wieder ein sehr markantes Sprichwort gesagt: "Unrecht Gut gedeihet nicht und kommt nicht in die dritte Generation." Da man früher pro Generation 20 Jahre gerechnet hat, ist das mit der DDR genauso gekommen: Nach zwei Generationen war das Unrechtsregime am Ende und die Menschen haben sich darum gekümmert, dass aus zwei Teilen wieder ein Land wurde.Was in der großen Politik gilt, gilt aber auch im normalen Zusammenleben der Menschen. Es gibt ungerechte Strukturen, ungerechte Gesetzeslagen, ungerechte Verteilung der Güter, Vorurteile und Negativberichte. Die großen Kriege beginnen mit den vielen kleinen Streitereien und Ungerechtigkeiten, dem Streben nach Macht und Einfluss und dem Runtermachen und Kleinhalten der anderen.Die geforderte Umkehr dieser Österlichen Bußzeit beginnt genau dort: bei uns selbst und unseren eigenen Möglichkeiten: Streit beenden, Frieden untereinander halten, die Schwachen unterstützen, die Kranken besuchen, sich um die Fremden kümmern, die Nachbarschaft pflegen, sich den eigenen Verwandten nicht entziehen, am Arbeitsplatz fair miteinander umgehen.Mit den vielen Kriegen in der Welt fühlen wir uns häufig klein und ratlos und hilflos. Krieg beginnt im Kleinen, aber auch Frieden beginnt im Kleinen, im täglichen Engagement und Einsatz füreinander in der einen Welt, mit den nahen und den fernen Geschwistern.

Frieden beginnt im Kleinen

Frühmorgens in St. Martinus

Unser Konvent San Damiano hier in Olpe ist genau neben der Martinuskirche. Und manchmal übernehmen wir den Dienst, morgens die Kirche auf und abends abzuschließen. So war das auch dieser Tage. Also bin ich in der Frühe durch die Sakristei gegangen, habe an der metallenen Tafel die angezeichneten Knöpfe gedrückt, die die Beleuchtung anmachen. Dann gehe ich durch die Kirche, um an verschiedenen Stellen Kerzen anzuzünden. Beim Eingang gleich links, vor einem Bild, dann um die Ecke, wo ein stilisierter Mensch die Kerze auf einer Schale über dem Kopf trägt, dann an einer Schale, die Teelichte bereithält, die angezündet werden können im Gedenken an alle Opfer des Ukrainekrieges. Im Februar 2022, zu Beginn dieses Krieges, ist dieser Ort geschaffen worden, um miteinander für die vielen Opfer und betroffenen Familien um ein Ende zu beten.Dann geht es weiter mit einer Kerze vor einer schönen Madonna mit dem Kind, das mit dem Licht sehr schön in Szene gesetzt wird. Dann führt mich mein Weg nach hinten in die eine Seitenkapelle, in der ein Tabernakel mit dem Allerheiligsten steht, der angeleuchtet und mit zwei großen Kerzen in Szene gesetzt wird. In dieser Kapelle ist auch das Grab unserer Gründerin und so bleibe ich einen Moment und bitte sie in einigen Anliegen unserer Gemeinschaft.Dann gehe ich in die andere Seitenkapelle, in der ein Bild der Schmerzhaften Mutter Maria mit dem Kind verehrt wird. Und hier muss ich erst ganz viele ausgebrannte Teelichte wegräumen und eine große Kerze anzünden. Diese Kapelle ist die am meisten besuchte in der Kirche. Da sind immer Leute im Gebet vertieft und es werden immer viele Kerzen angezündet. Hier kommen die Ahnung und das Wissen der Menschen zusammen, dass diese Frau, die selbst so viel Schmerz und Leid erlebt hat, sie und ihre Anliegen versteht, zuhört und sie tröstet. Auf der Bank vor dem Bild klebt ein Gebetstext. Oft kommen die Menschen mit ihren Anliegen, wissen aber nicht, wie und was sie beten können. Da ist es eine große Hilfe, einen vorformulierten Text zu haben.Und jetzt muss ich mich beeilen, weil jemand an der Tür rüttelt und reingelassen werden möchte. Es ist ein junger Mann mit Schülerrucksack und er geht sofort zur Kapelle mit dem Muttergottesbild, zündet ein Teelicht an und ich merke ihm an, dass er ein Anliegen hat. Vielleicht hat er heute eine Prüfung.

Frühmorgens in St. Martinus

Auf die Zusagen Gottes setzen

Neun Monate vor dem Fest der Geburt des Herrn wird das Fest der Verkündigung gefeiert: der Tag, an dem der Engel zu Maria gesandt wurde und ihr verkündete, dass sie zur Mutter des Messias, des Gottessohnes, erwählt war. Der Engel begrüßt Maria als die "Begnadete" – also von Gott besonders Ausgewählte und darüber erschrickt sie sehr. Und sie überlegt sehr gründlich, was das denn zu bedeuten hat.Dann wird ihr angekündigt, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen soll, dem sie den Namen Jesus geben soll, der groß sein wird und Sohn des Höchsten genannt werden soll; der, der den Thron des Hauses David übernehmen wird und dessen Herrschaft kein Ende haben wird. Jeder von uns würde verstehen, dass sie von einer solchen Ankündigung wie erschlagen wäre und sprachlos und verwirrt und ängstlich.Aber Maria ist es nicht, sondern fragt in Ruhe nach, wie das geschehen soll, da sie noch nicht verheiratet ist. Der Engel erläutert ihr, dass es keine normal gezeugte Schwangerschaft nach menschlichem Maß sein wird, sondern dass der Geist Gottes mit seiner Kraft in ihr Mensch werden wird und das Kind deshalb heilig und Sohn Gottes genannt werden wird.Und trotz dieser Erklärung gehen der jungen Frau garantiert blitzschnell tausend Gedanken durch den Kopf. Sie weiß genau, dass sie davon kaum jemandem erzählen kann, dass sie ihren Eltern ziemlichen Kummer zumuten wird und ahnt, dass es auch ihr Josef zunächst nicht verstehen wird. Und was noch viel schlimmer ist: Sie weiß genau, wenn ihre Schwangerschaft sichtbar wird, wird sie, weil sie nicht verheiratet ist, nach dem Gesetz gesteinigt, also auf sehr brutale Weise ums Leben gebracht werden.Und trotz all dieser schlimmen Zukunftsaussichten sagt sie dem Engel zu, dass alles nach seiner Ankündigung geschehen soll. Das macht wiederum uns sprachlos, weil wir ein so anderes Marienbild im Kopf haben, das über die Jahrhunderte gepredigt und verkündet worden ist. Sie ist also auf keinen Fall die liebe und brave, demütige und fromme Jasagerin, die ja eigentlich keine Wahl hat. Nein, sie ist eine starke Frau, die tatsächlich mehr den Ankündigungen und Zumutungen dieses Gottes vertraut als den Katastrophen, die das für ihr eigenes Leben mit sich bringen könnte. Und viele von uns, die die vielen schlimmen Episoden aus dem Leben Marias kennen, ahnen das auch. Und Magd des Herrn heißt in diesem Fall, dass sie ihr Leben auf die Zusagen Gottes setzen will, egal was kommt. Das ist nicht das schlechteste Vorbild.

Auf die Zusagen Gottes setzen

Eine kleine Veränderung

Am Wochenende war ich zu einer Tagung zum 800-jährigen Gedächtnis an den heiligen Franziskus. In dem Bildungshaus war ich noch nie und als ich nach dem Einchecken aus dem Fenster meines Zimmers geschaut habe, war ich hin und weg. Ein schöner Frühlingsmittag mit blauem Himmel und weißen Wolken und beginnendem Grün an den Bäumen und Hecken. Und ein unglaublicher Weitblick hat mir gut sichtbar, den Kölner Dom und den Fernsehturm gezeigt, der ungefähr 17 Kilometer von hier entfernt ist. Und dann, als ich staunend nur ein bisschen weiter nach links geschaut habe, habe ich einen Riesenwohnpark gesehen, der ein bisschen wie eine große Burg aussieht und Wohnraum in 700 Wohnungen bietet.Manchmal braucht es also nur eine kleine Veränderung, um etwas völlig Neues zu sehen und den Focus ebenso zu ändern. Das eine war der Blick auf den Dom, der zur Ehre Gottes gebaut worden ist und sogar aus solcher Entfernung gut zu sehen ist. Und das andere sind die Wohnungen für viele Menschen, die dicht an dicht zusammen oder nebeneinander leben und so verschieden sind, wie Menschen verschieden sein können. Und so, am Fenster stehend, war es mir sehr leicht, dann später die Vesper zu beten und zur Ehre Gottes die Anliegen der Menschen, die man so ahnt, mit ins Gebet zu nehmen.Ein Teil der Tagung ging um den Lobgesang der Kreaturen des Franziskus und dort spiegelt sich, also schon vor mehr als 800 Jahren, diese Gebetsweise wider. Die Geschöpfe werden aufgefordert, unentwegt das Lob Gottes zu singen im Schein von Sonne, Mond und Sternen, im Wesen der Elemente von Feuer, Wasser, Luft und Erde und am Ende auch in den Menschen, die Krankheit ertragen und Drangsal, die vergeben und verzeihen und die den Tod als Schwester begrüßen, die uns am Ende im Empfang nehmen wird, wenn wir unser Leben hier zu Ende gebracht haben. Mit einem aufmerksamen Herzen ist Beten leichter, weil die Themen auf dem Weg, oder wie in meinem Fall, direkt vor dem Fenster ausgebreitet liegen.Also mein Gebet in diesen Morgen mit Dir: Sei gelobt mein Herr mit allen Deinen Geschöpfen. Amen.

Eine kleine Veränderung

Lerchen- oder eher Eulentyp?

Morgens um diese Zeit sind sie immer zu hören. Von überall her erklingt der Gesang der vielen Vögel und ihr freundliches Gezwitscher. Ist Dir schon einmal aufgefallen, dass unsere Singvögel in der Zeit vor dem Sonnenaufgang besonders aktiv sind? So als würden sie bereits erahnen, dass gleich die Sonne mit ihrem Licht erscheint und dem Tag seine Farbe gibt. Tatsächlich gibt es so etwas wie eine Vogeluhr, so wie wir Menschen auch unsere biologische Uhr haben. Manche Menschen sind Frühaufsteher und werden dann als Lerchentypen bezeichnet und die, die erst im Laufe des Tages wach werden und am Abend zur Hochform auflaufen, nennt man Eulentypen. Die Vogeluhr orientiert sich am Sonnenaufgang. Warum die Vögel morgens vor Sonnenaufgang singen, das hat ganz verschiedene Gründe. Einige wollen mit ihrem Gesang beeindrucken, die Vogelmännchen vor allem die Vogelweibchen. Andere hingegen tun dies vor allem zur Revierabgrenzung. Aber interessant ist, dass nicht alle Vögel gleichzeitig singen. Es gibt eine klare Reihenfolge. Als erstes wird die Nachtigall aktiv, meist schon 1 ½ Stunden vor Sonnenaufgang. Die Amsel beginnt eine Stunde, bevor der Tag anbricht. Zu den letzten Vögeln gehören Star und Buchfink. Warum beeindruckt mich das so? Offensichtlich gibt es auch bei Vögeln klare Regeln oder eine Ordnung der Kommunikation. Wir Menschen reden oft einfach durcheinander, hören gar nicht aufeinander. Und manchmal ist es uns auch einfach egal, was der andere zu sagen hat. Manchmal kommt es mir wie ein unerträgliches Durcheinandersabbeln vor. Vielleicht können wir das von den Vögeln lernen, dass wir nicht einfach durcheinanderreden, sondern zunächst dem anderen zuhören. Das spannende dann ist, wenn wir nicht mit unserem geplanten Beitrag weitermachen, sondern tatsächlich auf die Worte der anderen reagieren. Manches Gespräch läuft dann anders und wird ruhiger und sachlicher. Und nochmal zur Chronobiologie von uns Menschen. Wenn Du ein Lerchentyp bist, geht also das Gebet eher am Morgen und bringt den beginnenden Tag und alles, was so kommen wird vor Gott. Und wenn Du ein Eulentyp bist, dann ist es für Dich einfacher, am Abend zu beten und den Tag vor Gott zu bringen. Tu es, wie es dir entspricht und stimme ein in das unaufhörliche Gebet der Menschen vor Gott. Jeden Tag.

Lerchen- oder eher Eulentyp?

Gott kann nichts tun, oder?

Freiheit erlangen durch Fasten. Freiheit haben – ist das schon Frieden? Oder ist Freiheit die Grundlage für Frieden? Wenn Menschen mir erzählen, dass sie für bestimmte, ganz konkrete Ereignisse beten, dann kann ich das oft nicht verstehen. Was soll Gott denn machen? Er greift einfach nicht pauschal und platt ein. Kann er nicht. Wegen mir. Wegen dir. Wegen uns. Weil er will, dass wir frei sind. Frei sein bedeutet eben immer, die Wahl haben. Aber ich glaube auch, dass Gottes Freiheit, die er mir geschenkt hat, eben mehr ist. Mehr als bloße Entscheidungsfreiheit. Eine Freiheit, die aus Liebe geschenkt ist, weil Gott für mich der Ursprung des Lebens ist. Freiheit, die Liebe und Leben ermöglicht. Das ist eine schwer zu denkende und vielleicht auch eingeschränkte Freiheit. Weil, wenn Gott mich echt liebt, so richtig, keine “situationship”, also eine Beziehung, die man nicht so richtig nach außen als solche zeigen will, weil man verdammt unsicher ist, sondern eine echte Beziehung. Also, wenn das stimmt, dass Gott mich liebt und ich von Anfang an – gewollt, gebraucht und geliebt bin – dann muss Gott seine ganze Macht aufgeben und kann echt nichts tun. Er kann wegen meiner – unserer – Freiheit nicht eingreifen. Ganz egal, wie viel wir beten. Beten ist was ganz anders als Forderungen stellen. Gott kann nichts tun. Wie Eltern oder Patentanten, die zuschauen, wie ihre Kinder Fehler machen, damit sie wachsen können, sich entwickeln und echt leben… Dann kann man manchmal eben nichts tun, als mit dem Pflaster in der Hand im Türrahmen warten. Mit Taschentüchern und einem riesigen Becher voller Eis und Esslöffel am Küchentisch sitzen. Oder eben einfach nur eine Hand halten am Krankenbett… Mehr kann Gott auch nicht mehr tun… wenn er uns echt liebt … aber wie viel mehr kann das sein… als ein blindes Eingreifen und Entscheiden für und über uns… Freiheit durch Fasten? Freiheit durch Pflaster, Taschentücher, Eiscreme und Dasein… Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Gott kann nichts tun, oder?

Die Fastenzeit mit sinnvollen Dingen füllen

Zeit - Zeitgeist – Zeitverlust – Zeit verschwenden – Zeit verlieren – Zeit haben – Zeit verschenken – Gute, alte Zeit – Nimm dir Zeit und nicht das Leben – sagt meine Mutter oft. Jetzt auch noch Fastenzeit… Es ist doch eh schon eine schwere und unfassbare Zeit … oder geht’s es uns wirklich zu gut? Immerhin wird ja seit längerem darüber geklagt, dass alle nur noch Teilzeit arbeiten wollen, zu wenig arbeiten oder eben zu viel krank sind. Mit den jungen Menschen heute gewinne man eben keinen Krieg mehr. Kommt da die Fastenzeit nicht zur rechten Zeit? Ist Fasten nicht bewusstes Verzichten und die Zeit der Entbehrungen, um wieder Kraft zu tanken? Die Arten zu fasten, werden zahlreicher und immer modernen. Entgiftungskur, Achtsamkeitsübungen, Mediation und Me-Time. Alles nicht mehr peinlich, sondern für die work-life-Balance sogar wichtiger. Nicht nur Burnout, sondern Burnon gegen das Burnout. Aber was dann? - Alles entgiftet, entleert und entlastet. Fasten bedeutet aber dann diese Leere nicht einfach so hinzunehmen. Das wäre doch auch ein trauriges Ziel. Ein leeres Gefäß zu sein. Fasten bedeutet für mich, leer werden, um sich dann mit den Dingen zu fülle, die wirklich guttun, die wirklich wertvoll sind. Die Dinge zu finden, die mehr sind als wir selbst. Damit wir nicht immer um uns selbst drehen. Dinge, die uns unbedingt angehen, die uns wirklich bewegen und eine Begegnung mit dem ermöglichen, was Gott im Christentum ist. Liebe, Leben und Wahrheit. Und ganz besonders eben auch Frieden! Den wir gerade so sehr ersehnen.Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Die Fastenzeit mit sinnvollen Dingen füllen

Ein besonderer Bund fürs Leben

Vorgestern war ich hier in einem Gymnasium in der siebten Klasse. Eigentlich wollten sie mich im Mutterhaus besuchen und so ein Kloster mal von innen sehen. Aber aus Zeitgründen, weil der Weg doch nicht ganz so kurz ist, bin ich zu ihnen in die Schule gegangen. In der siebten Klasse sind in Religion die Orden dran und so ist das schon toll, wenn man so eine Ordensfrau live und in Farbe mal anschauen und ausfragen kann. Die Schüler waren richtig gut vorbereitet und um die Scheu zunächst ein bisschen zu nehmen, habe ich von mir und meinem Weg ins Kloster und den vielen folgenden Jahren ein bisschen locker erzählt. Und dann prasselten die Fragen zu ganz vielen Themen. Aber besonders waren es Fragen, die sich die Schüler wahrscheinlich selbst stellen. Wie man mit Schwestern umgeht, die einem unsympathisch sind, ob so ein immer gleicher Tagesablauf nicht irgendwann langweilig wird, welche Hobbys ich habe, wohin ich im Urlaub ins Ausland fahre, wie ich mit dem Smartphone umgehe und ob es dazu Verbote gibt, was wir so kochen und ob wir auch Fastfood essen. Und daraus wird dann sehr bald ein gutes Gespräch und zwischendurch mal, weil es heute in den Klassenräumen auf den elektronischen Tafeln möglich ist, ein Blick in die Stundenbuch-App, um zu zeigen, wie wir was beten. Fast ganz am Schluss fiel einem Jungen auf, dass ich einen goldenen und einen schwarzen Ring trage und was das bedeutet. Beim goldenen Ring wussten noch die meisten, dass es etwas mit einem Bund zu tun hat, wie bei der Hochzeit, und ich konnte ihnen zeigen, dass ein Kreuz eingraviert ist. Und dass dieser Ring bedeutet, bis zum Tod diesen Bund mit Gott und meiner Ordensgemeinschaft treu zu halten. Da ist es ganz still geworden in der Klasse, weil viele schon Erfahrungen gemacht haben, dass solche Gelöbnisse in der Verwandtschaft auch beendet werden und nicht bis zum Tod halten. Und dass der schwarze Ring ein Solidaritätsring mit den Armen im Nordosten Brasiliens ist, das fanden sie echt gut. Nach solch intensiven 90 Minuten hoffe ich immer, dass etwas hängen bleibt bei den jungen Leuten und dass diese Art zu leben, etwas mit der Liebe zu Gott und den Menschen zu tun hat.

Ein besonderer Bund fürs Leben

Sei wie Josef

Die österliche Bußzeit wird durch zwei große Feste unterbrochen: das Fest des Heiligen Josef und das Fest der Verkündigung des Herrn. Heute feiern wir mit der Kirche das Fest des Heiligen Josef.Über die Rolle des Heiligen Josef, des Nährvaters Jesu, ist schon immer viel geschrieben und gesagt worden. Weil Menschen Verstehen möchten was das für ein Typ war. - Der mit beiden Beinen in der Realität seiner Zeit steht, als Handwerker seine Passion ausübt und sein Brot verdient, und dann aber so ganz unlogische Sachen macht: - er hört auf seine Träume und glaubt, dass es Gottes Wille ist, seine Verlobte nicht zu verstoßen, sondern sie zu heiraten, obwohl sie ein Kind von einem anderen bekommt- er springt spontan auf, als ihm im Traum der Befehl zur Flucht gegeben wird und er Frau und Kind und das Nötigste zusammenpackt und nach Ägypten aufbricht- er kehrt, wieder auf Weisung eines Traumes, nach Israel zurück und lebt sein normales Handwerkerleben weiter- und er quält sich drei Tage durch Jerusalem um Jesus wiederzufinden, der ihm dann auch noch Vorwürfe macht, warum er ihn denn gesucht habe.Und wir würden gern wissen, was er selbst dazu gesagt hat. Aber in der Bibel steht dazu nicht ein Wort. Da ist also einer, der zum Mitwisser der größten Geheimnisse Gottes wird und er kommentiert es nicht, er lamentiert nicht, er berät sich nicht mit anderen und hält keine Vorträge. Er tut. Seine Berufung ist es, am Werk Gottes für die Menschen mit zu arbeiten. Nicht mehr. Und schon gar nicht weniger. Viele Ordensgemeinschaften stehen unter seinem Patronat, auch wir als Olper Franziskanerinnen. Unsere Gründerin hatte so volles Vertrauen in den heiligen Josef, dass sie ihn in vielen Notlagen und Problemen um seine Hilfe gebeten hat. Darin hat sich ihr ziemlich grenzenloses Gottvertrauen gezeigt. Und aus Dankbarkeit hat sie bestimmt, dass alle Schwestern diesen Namen tragen werden. Ich heiße mit vollem Namen: Schwester Maria Katharina vom heiligen Josef. Das ist also Programm genug: sich engagieren, anpacken und tun.

Sei wie Josef

Trotz Krisen: Auf Gott vertrauen!

In vielen Klöstern und Konventen und Häusern von franziskanischen Menschen weltweit, hängt das Kreuz von San Damiano. Es sind Nachbildungen des Originals, das in Santa Chiara in Assisi hängt. Es ist ein Tafelkreuz, wie es das in den Jahren um 1200 in Italien nicht selten gegeben hat. Wir haben diese Art Kreuze in den Zimmern hängen und auf dem Flur und im Wohnzimmer. Und manchmal bleibe ich davor stehen und kann immer wieder Dinge entdecken, die darauf dargestellt sind. Das schwarze Grab hinter den Armen des Gekreuzigten zum Beispiel. Es ist leer und weist unmissverständlich daraufhin, dass der Gekreuzigte nicht mehr darin liegt. In den Evangelien der Ostertage werden wir immer wieder davon hören und ich bekomme ehrlich gesagt, nie genug davon, wenn die Engel sagen: „Was sucht ihr den der lebt, bei den Toten? Er ist nicht hier. Er ist auferstanden.“In den schwierigen und zum Teil unmöglichen Situationen, in denen die Welt zurzeit steht, bekomme ich echt die Krise. Ein Präsident, der ein Land bombardieren lässt, einfach so, ohne auf Diplomatie und Menschenrechte zu achten. Ein Wahlverlierer, der komische Forderungen an den Sieger stellt. Eine Kirche, die immer erst nach und nach die Missbrauchsvorwürfe zugibt und immer neu Entsetzen auslöst. Es ist eine Fastenzeit, die mich immer neu herausfordert zu schauen, was kann ich tun, was muss ich ändern, was fordert mich heraus. Und manchmal geht mir da echt auch die Puste aus und ich wünschte mir, Ostern wäre morgen oder spätestens am nächsten Sonntag. Aus dem Buch Jesaja stammt der heutige Lobgesang und heißt: "Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn. Meine Seele soll jubeln über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit, Denn wie die Erde die Saat wachsen lässt und der Garten die Pflanzen hervorbringt, so bringt Gott, der Herr, Gerechtigkeit hervor und Ruhm vor allen Völkern."Und auch diese Verse sind aus Zeiten, in denen Krise auf Krise gefolgt ist und das Volk kaum noch auf Gott und seine Verheißungen hoffen konnte. Aber ein kleiner Teil hat immer weiter geglaubt und vertraut und gehofft. Seien wir heute dieser, vielleicht gar nicht so kleine Teil derer, die ihr Vertrauen auf den Gott setzen, der die Toten aus dem Grab holen und seine Gerechtigkeit vor allen Völkern zeigen wird.

Trotz Krisen: Auf Gott vertrauen!

Glaubensvermittlung in der Familie ist wichtig

Am Wochenende war eine Gruppe elf bis dreizehnjährige Mädchen mit mir im Mutterhaus zu einem gemeinsamen Erleben in der Fastenzeit. Und dann haben wir unter anderem ein Fastenzeit- und Osterquiz gemacht mit immer drei bis vier Antwortmöglichkeiten. Manches ernsthaft, manches eher witzig, manches religiös und manches auch profan. Und zwei Mädchen waren immer schneller als alle anderen und wussten echt immer fast alles wirklich richtig. Ich war total erstaunt und in der Pause zwischendurch habe ich dann mal gefragt, wieso und woher sie das alles wussten. Na, aus der Schule und von zuhause, war die genauso rasche, fast identische Antwort. Die anderen Mädels, die zum Teil in die gleiche Schule und sogar in die gleiche Klasse gehen, konnten kaum eine Frage beantworten, oder, wenn ich sie animiert habe, doch einfach mal zu tippen, war es meist echt daneben. Mir ist wieder klar geworden, dass Glaubensvermittlung wirklich viel eher zuhause geschieht, oder das zuhause Vermittelte eher in Kopf und Herz bleibt. „Wir machen das doch immer zusammen zuhause oder mit Oma“, sagen die Mädchen: „das Beten, das in die Gottesdienste gehen, am allerliebsten in die Osternacht und die ganzen Sachen mit den Palmsträußen, dem Ostereierfärben, dem Backen und alles, was so dazu gehört.“ Ich hoffe sehr, dass viele Eltern und Großeltern auf dem Schirm haben, dass das so ist und die Dinge, die das liturgische und Kirchenjahreszeitliche Lernen beinhalten, nicht im Alltagsgeschehen untergehen. Beim gemeinsamen Kreuzwegbeten, hinter dem Mutterhaus mit den sehr eindrücklich gestalteten Plastiken, sind dann auch die anderen Teilnehmerinnen aus sich herausgekommen, als es bei jeder Station darum ging, für wen wir, unter dem Eindruck der einzelnen Stationen beten könnten. Da hatte ich zwischendurch Gänsehaut bei den sehr klar formulierten Anliegen und Problemen, die dieser Jesus mit auf seinen Kreuzweg nehmen sollte. „Learning by doing“ heißt es im Englischen: lernen im Tun, ist auch für uns Ältere immer wieder gefragt, damit wir gerade in dieser Fastenzeit nicht vergessen, worum es geht – bei Gott und bei den Menschen.

Glaubensvermittlung in der Familie ist wichtig

Auf Adlerflügeln getragen

Heute gibt es eine Zeile aus dem Buch Exodus aus dem Alten Testament. Da heißt es: "Gott sagt: Ihr habt gesehen, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe." Und wenn wir bedenken, dass die Worte Gottes nicht nur damals vor vielen tausend Jahren sondern auch heute an die gerichtet sind, die auf ihn hören, dann werde ich hellhörig.Viele Menschen haben ein ziemlich anstrengendes und mühsames Leben und plagen sich jeden Tag sehr, um sich und ihre Familien über die Runden zu bringen. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen kümmern sich um die Vielen, die in Not sind: um Flüchtlinge und Asylbewerber, um Strafgefangene und Nichtsesshafte, um alle, die durch unser soziales Netz gefallen sind. Und sie wissen oft nicht, wie sie mit der vielen Not klarkommen sollen. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen pflegen ihre kleinen Kinder, ihre chronisch Kranken, körperlich und geistig Behinderten und alten Familienmitglieder zu Hause mit viel Liebe und Einsatz, der sie aber oft bis an die Grenzen ihrer körperlichen und seelischen Kraft bringt. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Viele Menschen engagieren sich in ihrer Kirche und müssen immer wieder damit klarkommen, dass alle Sünden und Fehler Einzelner immer allen angelastet werden und auch damit, dass sie als Frauen, als Laien, als Nichtgeweihte wenig Chancen haben, etwas in dieser, ihrer Kirche zu verändern. Auf Adlerflügeln getragen fühlen sie sich garantiert nicht.Und doch und trotzdem und gerade deshalb gibt es diese Zusage Gottes an Sein Volk: "Ich habe Euch auf Adlerflügeln hierher zu mir getragen. Ihr werdet unter allen Völkern mein besonderes Eigentum sein." Es kann ein Trost, eine Hilfe, eine Motivation sein, wenn ich weiß: In all meiner Mühe und Sorge, in all dem, was mir mein Leben gerade nicht einfach macht, sagt mir Gott zu, dass er in meiner Nähe ist, mich in meinen schwierigen Zeiten nicht verlässt und auf mich achtet, weil ich zu ihm gehöre.

Auf Adlerflügeln getragen

Lacht Gott?

"Der Name der Rose" von Umberto Eco, ein wirklich großartiges Buch, eine Geschichte, die in einem abgelegenen Kloster in Norditalien spielt. Mordfälle, geheimnisvolle Bibliotheken, ein blinder Mönch, der einen besonderen Schatz hütet, ein Buch über die Komödie des Aristoteles. Für Jorge de Burgos, diesen Bibliothekar, ist Freude etwas unglaublich Gefährliches.Heute, am Laetare-Sonntag, soll aber schon ein bisschen österliche Freude in unsere triste Fastenzeit hineinfallen. Das wäre für ihn, für diesen Jorge de Burgos blasphemisch gewesen. Er vergiftet Bücher und will lieber die Freude zerstören, als dass jemand anderer Freude hat. Am Ende brennt die ganze Bibliothek und mit ihr das Kloster. Die beiden anderen Mönche William und Adson entkommen, doch die sorgfältig geplanten menschlichen Strukturen zerfallen.Lacht Gott? Jorge de Burgos hat das bezweifelt. Hier lacht Gott auch nicht. Es ist ein Bild für das, was passiert, wenn Menschen zu eng, zu ängstlich und zu egoistisch planen. Wenn Freude, Humor, Vertrauen und Großzügigkeit fehlen, dann endet menschliches Handeln viel zu oft in Zerstörung. Ganz anders schaut die Geschichte vom Turmbau zu Babel aus. Menschen wollten sich selbst groß machen, einen Namen erlangen, den Himmel stürmen. Sie planten, sie verwirklichten sich selbst und scheiterten. Hier wird sichtbar, dass Gott durchaus Humor hat. Er lässt die Menschen stolpern, weil sie alles zu ernst nehmen, alles allein schaffen wollen und er zeigt auf spielerische Weise, dass die Welt viel größer ist als unsere Pläne.Das Lachen Gottes ist ein Symbol für Freiheit, für Überraschung, für die Möglichkeit, dass aus Fehlern etwas Neues entstehen kann. Darin steckt eine wunderbare Einladung. Wir dürfen planen, handeln und streben. Aber wir sollten immer bereit sein, dass Gottes Wege anders verlaufen, dass Humor, Freude und Unerwartetes Teil des Lebens sind. Wo wir zu engstirnig handeln, kann es zerstörerisch enden. Wo wir offenbleiben, kann selbst das Scheitern zu Wachstum und Neubeginn führen.Der Mensch plant und Gott lacht. Ein Lachen, das nicht spottet, sondern Freude ist, das erinnert, wir sind ein Teil von etwas Größerem und darin liegt Freiheit, Lebendigkeit und gerade nach einem Fall die Chance für Neubeginn. Wie ist das in diesen letzten Wochen der Fastenzeit? Es lohnt sich sicherlich noch einmal einen Blick genau darauf zu werfen. Wo kann ich jetzt neu beginnen? In der Kraft und im Segen Gottes, weil Gott zumindest manches Mal über mich schmunzelt. Auslachen, das tut er natürlich nicht, aber er freut sich mit mir und den Chancen des Neubeginns.

Lacht Gott?

"Live long and prosper"

Hier im Domradio in Köln, vielleicht wusstet ihr das noch gar nicht, gibt es unheimlich viele Fans der Fernsehserie Star Trek. Ich bin jetzt selbst nicht so der riesen Fan, aber eine Figur in der alten Serie fand ich immer schon richtig faszinierend und ihr ahnt es schon, es ist Mr. Spock der Vulkanier. Und immer, wenn der auf Menschen und auf andere Lebewesen trifft, dann erhebt er seine Hand in einem merkwürdigen Segensgestus und sagt: „Live long and prosper“, lebe lang und in Frieden.Was viele auch nicht wissen: Dieser Gruß ist eigentlich ein Segen. Leonard Nimoy, der Darsteller von Mr. Spock, kannte ihn aus seiner jüdischen Kindheit. Es ist der aaronitische Segensgestus. Die gespreizte Hand formt den hebräischen Buchstaben Shin, ein Zeichen für einen der Namen Gottes, Shaddai, der Allmächtige. Ein uralter Segen, der seinen Weg in die Popkultur gefunden hat. Und genau diesen Segen hören wir in der Bibel, im Buch Numeri: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr, lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende dir sein Angesicht zu und schenke dir Frieden.“Dieser Buchstabe Shin steht also mehr als nur für ein Zeichen. Er erinnert auch an Shalom, den Frieden, der mehr ist als Ruhe oder Streitlosigkeit. Er erinnert aber auch an Schomer, das hebräische Wort für Hüter, Gott, der uns behütet, der uns schützt, der uns nicht loslässt.Gerade in diesen Frühlingstagen spüren wir vielleicht: Wir brauchen diesen Segen, dass Gott mit uns geht, dass er immer wieder sagt: Ich bin da, ich wache über dich und ich gehe mit dir. Und so können wir diesen Segen von Mr. Spock in unseren Alltag hineintragen, indem wir ihn uns nicht nur von Gott zusprechen lassen, sondern ihn vor allem anderen zusprechen: Du gehst nicht allein, du bist behütet, und über deinem Leben liegt ein Segen.

"Live long and prosper"

Werkzeug Gottes

Manchmal hört und liest man ja in Gottesdiensten oder geistlichen Texten Formulierungen, die kaum noch jemand versteht, weil man die Hintergründe nicht mehr weiß und die Wortwahl sehr fremd und unverständlich klingt.Im Jubiläumsjahr unserer Ordensgemeinschaft 2013, als wir 150 Jahre Franziskanerinnen von der Ewigen Anbetung gefeiert haben, wurde unter anderem ein immerwährender Kalender erstellt und alle Schwestern unserer Gemeinschaft weltweit haben ihn bekommen. Darin haben wir Fotos aus unseren Provinzen in Deutschland, Brasilien, den USA und den Philippinen und alle paar Tage ein Wort, ein Zitat von unserer Gründerin Mutter Maria Theresia Bonzel abgedruckt. Dieser Tage habe ich da gelesen: "Gott hat uns in seinen Dienst genommen. Lasst uns bereitwillige Werkzeuge in seiner Hand sein, damit er uns zu seiner Ehre benutzen kann."Das Wort stammt aus einem ihrer vielen Briefe an die Schwestern. Wenn ich mal von der etwas verstaubten Sprache absehe, wird ihr Denken schon deutlich. Sie ist überzeugt, dass Gott sich Menschen erwählt, damit sie in seinem Namen, an seiner Stelle für ihre Mitmenschen sorgen und sich um die kümmern, die es notwendig brauchen – damals die Waisenkinder und die Kranken. Werkzeug in seiner Hand zu sein klingt in meinen emanzipierten Ohren nicht gerade erstrebenswert und benutzt zu werden als bereitwilliges Werkzeug schon gar nicht. Benutzt mich Gott zu seiner eigenen Ehre?Ich weiß nicht, wie es für Dich klingt. Ich denke, wir müssen solche Sätze in unser heutiges Denken übersetzen. Dann könnte es heißen: "Gott hat jeder und jedem von uns eine Aufgabe in der Welt zugedacht. Jeder Mensch hat dazu so viele Talente und Gaben bekommen, wie er braucht, um zur größeren Ehre Gottes an der Stelle zu beten, zu arbeiten, zu leiden und zu sein, wo Gott uns hingestellt hat, damit Gott geehrt wird durch all unser Tun."So klingt es in meinen Ohren und in meinem kritischen Herzen auch so, dass ich glauben kann, dass ich gemeint bin und vorbehaltlos loslegen kann in all dem, was heute anliegt und auf mein Tun wartet, zur größeren Ehre Gottes.

Werkzeug Gottes

Für Jesus sein

Überall in den Gärten sieht man die Leute herumwuseln und ihren Garten frühlingsschön machen. Da werden dürre Gräser und Zweige abgeschnitten, die trockenen Blüten vom letzten Jahr und die Wassertriebe an den Bäumen, neue Blumen gepflanzt oder ausgesät und so weiter und so fort. Weil das schöne Wetter einfach lockt und wir Lust haben, draußen zu sein und endlich wieder bunte Blüten zu sehen, die langsam aber sicher überall aufsprießen. Meine Brüder sind Gärtner und von ihnen habe ich gelernt, dass zu warten in diesem frühen Frühling einfach klüger ist. Viele Dinge, die wir jetzt abschneiden, treiben fröhlich neu und wenn dann noch Frost kommt, was hier in der Gegend nicht so selten ist, dann erfrieren die frischen Triebe und alle Mühe war umsonst.Ich gebe gerne zu, dass mir in manchen Situationen das Warten echt schwerfällt. Wir sind in der dritten Woche der Fastenzeit und es ist gefühlt noch ewig hin bis zum Osterfest. Eigentlich wären wir doch schon vorbereitet dafür, oder? Bei der scheinbar langen Zeit der Fastenzeit gerät schon mal aus dem Sinn, worum es in dieser Zeit geht. Im Abschnitt aus dem Lukasevangelium heute gibt es einen sehr prägnanten Schlusssatz: Jesus erklärt den Leuten, die ein Wunder von ihm nicht als göttlich anerkennen wollen und sagt: "Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich; wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut." Oh, das ist mehr als deutlich. Es geht nicht nur um freundlich kleine Aktivitäten, damit mein Glaube frisch aufblüht und mein Christsein wach bleibt. Es geht um knallharte Entscheidung für oder gegen Jesus und das, was er vom Reich Gottes verkündet.Für Jesus sein heißt immer auch für die Menschen sein, die Gottes Kinder sind und mit allen, egal wo sie herkommen, welche Religion oder Hautfarbe sie haben, in Frieden zu leben. Und alles und jedes, was dem entgegensteht, das sammelt nicht in Jesu Sinn, sondern zerstreut. Für Jesus sein und mit ihm Menschen für sein Reich gewinnen ist unsere Aufgabe, egal was und wie und wo wir leben und arbeiten. Nicht mehr und auch nicht weniger, damit die Botschaft Jesu immer frisch austreiben kann und keinem Glaubensfrost zum Opfer fällt.

Für Jesus sein

Aufstehen und neu beginnen

Guten Morgen, kommst Du eigentlich morgens gut aus dem Bett? Das ist ja bei jedem anders: Meine Mitschwestern, die hier in San Damiano mit mir leben, tun sich schwerer als ich. Wenn mein Wecker loslegt, bin ich sofort da und muss mich fast bremsen, nicht ganz so eifrig sofort aus dem Bett zu springen. Auf dem Weg zum Bad höre ich dann einen Wecker aus dem anderen Zimmer, der einen Hahnenschrei imitiert und ich muss lächeln, wie lange der sich bemühen muss, ehe er sein Werk getan hat und seine Kundin wach ist.Der Schrei des Hahnes hat für uns ja eine besondere Bedeutung: Petrus, in seinem ungestümen Eifer für seinen Meister Jesus Christus, beteuert, dass er ihm folgen wird, wohin er auch geht. Und Jesus, der seinen Jünger kennt, kann ganz klar sagen: "Du? bevor der Hahn kräht, wirst Du mich dreimal verleugnen." In einem Hymnus, den ich sehr gern habe, werden wir daran erinnert und es ist gut zu bedenken, dass dieser Hahnenschrei des Petrus auch für mich gültig ist:Der Hahn, des Tages Herold, ruft, der Wächter in der Finsternis.Sein Schrei trennt von der Nacht die Nacht, dem Wanderer zur Nacht ein LichtDa fühlt der Schiffer neue Kraft, des Meeres Brandung sänftigt sich,der Fels der Kirche, Petrus, weint, bereut die Schuld beim Hahnenschrei.So stehet rasch vom Schlafe auf: Der Hahn weckt jeden, der noch träumt.Der Hahn bedrängt, die säumig sind, der Hahn klagt die Verleugner an.Herr, wenn wir fallen, sieh uns an und heile uns durch deinen Blick.Dein Blick löscht Fehl und Sünde aus, in Tränen löst sich unsre Schuld.Du Licht, durchdringe unsern Geist, von unsren Herzen scheuch den Schlaf,dir sei das erste Wort geweiht, dich preise unser Morgenlob. Amen.Aufstehen und neu beginnen. Schuld und Fehler in den Blick nehmen, bekennen, bereuen und bekehren. Die Fastenzeit ruft uns dazu ganz besonders auf.

Aufstehen und neu beginnen

Unsere Welt hat Liebe nötig

Bei einer Tagung mit Diakonen und ihren Ehefrauen aus den östlichen Bistümern war ein Programmpunkt ein Besuch in Bautzen in der Oberlausitz. Das ist mittlerweile eine wunderschöne Kleinstadt und sie wirbt sehr schön um Besucher und schreibt: "Die Altstadt von Bautzen steckt voller Geschichten. Kriege, Stadtbrände, Königsparaden oder Strafgerichte – 1.000 Jahre Stadthistorie versprechen jede Menge Anekdoten und Legenden. Lassen Sie sich verzaubern von 1.000 Jahren Geschichte und nutzen Sie die unvergleichliche Gelegenheit für einen Bummel durch die Jahrhunderte!" Das ist die eine Seite dieser schönen Stadt.In den Zeiten von 1933 bis 1989 hatte der Name der Stadt einen solchen Schreckensklang, dass allein diesen Namen zu nennen, Gänsehaut und Angst ausgelöst hat. Gefängnisse und Lager in Bautzen I und II künden von unglaublichen Taten von Menschen an Menschen in den verschiedenen Diktaturen und Zeitläufen. Wir haben das Stasigefängnis mitten in der Stadt besucht und ich hatte ja schon im Vorhinein ein bisschen Angst davor, dieses Gefängnis, diese Geschichten, diese Bilder von politisch Gefangenen und die Filme mit Gesprächen mit Kindern und Enkeln zu hören. Wir wurden immer stiller und konnten uns kaum des Schreckens erwehren, dass nur das Schauen und Hören in uns ausgelöst hat. Aber es ist immer wieder notwendig zu erinnern und das Gedenken wach zu halten, damit das nie wieder passiert in unserem Land. Und dann sind wir noch zu einem besonderen Ort gefahren, einem Friedhof, auf dem durch das Engagement vieler Menschen nach 1990 den verscharrten Toten der Lager ein Ort und für Gedenken und Gesichter und Berichte gegeben worden ist.Mir ist bewusst, dass das hier kein freundlich schöner Morgenimpuls ist. Aber er kann helfen, wach zu bleiben für alles, was nicht gut ist in unserem Alltag und wo es um Menschen und besseres menschliches Miteinander geht. Auf der Tafel vor dem großen Holzkreuz auf diesem Friedhof stehen Worte von Paul Löbe: "Leiden zu lindern, Wunden zu heilen, aber auch Tote zu ehren, Verlorene zu beklagen, bedeutet Abkehr von Hass, bedeutet Hinkehr zur Liebe, und unsere Welt hat Liebe nötig."

Unsere Welt hat Liebe nötig

Mach aus diesen Träumen eine Realität

Kennst Du Gordana Davkova, Halla Tómasdóttir, Claudia Sheinbaum, Netumbo Nandi-Ndaitwah, Jennifer Simmons, Catherine Connolly, Ilijana Jotowa? Das sind Präsidentinnen ihrer Länder und es gibt viele weitere Ministerpräsidentinnen und Regierungschefinnen weltweit. Warum erzähle ich das?Gestern war der Internationale Frauentag. Als DDR-Kind war und ist mir dieser Tag sehr präsent. Wir haben als Kinder den Tisch gedeckt, die Küche gefegt und Blumen gesucht. Und in den vielen Betrieben, in denen die Frauen den Hauptanteil der Belegschaft ausgemacht haben, gab es ebenso Blumen, und Reden und kleine Präsente. 1975 haben die Vereinten Nationen den 8. März zum "Tag der Vereinten Nationen für die Rechte der Frauen und den Weltfrieden" gemacht und in 27 Ländern ist dieser Tag ein staatlicher Feiertag. Ein paar Zitate von Frauen gefallen mir bis heute sehr gut: "Träume dir dein Leben schön und mach aus diesen Träumen eine Realität."Das sagt zum Beispiel Marie Curie, die Nobelpreisträgerin und PhysikerinUnd Ella Fitzgerald, die begnadete Musikerin und Sängerin gibt den Tipp:"Gib niemals auf, für das zu kämpfen, was du tun willst. Wo Leidenschaft und Inspiration ist, kann man nicht falsch liegen.""Wir können nicht erfolgreich sein, wenn die Hälfte von uns zurückgehalten wird."sagt Malala Yousafzai, Friedensnobelpreisträgerin und Kinderrechtsaktivistin aus Pakistan und meint ihren Staat und ihre Gesellschaft.Und Nancy Pelosi, die ehemalige Sprecherin des US-Repräsentantenhauses stellt fest:"Ich will, dass Frauen ihre Macht erkennen und wertschätzen. Sie müssen verstehen, dass nichts der Politik so gutgetan hat, wie mehr weiblicher Einfluss."Alle diese Zitate und Tipps tun uns auch als Frauen in der Kirche gut und es ist gut, weiterhin darüber nachzudenken und in die Zukunft zu tragen, damit Frauen nicht weiter die Kirche in Scharen verlassen, sondern teilhaben werden an allen Diensten und Ämtern in der Kirche.

Mach aus diesen Träumen eine Realität

Jesus als Augenöffner

Augen zu und durch! Aber dann bin ich selbst mit Blindheit geschlagen. Dann mache ich etwas, was ich nicht will, weil ich muss. Ich wollte mir mal die Augen lasern lassen. Aber da geht das nicht mit Augen zu und durch. Da muss man sehenden Auges, diese Prozedur aushalten. Und ich habe mal gehört - es stinkt. Fastenzeit ist für mich kein Aushalten mehr von unangenehmen selbst auferlegten Regeln. Die alle mit Essen und Trinken zu tun haben. Nein, ich will da genau das Gegenteil einüben. Nämlich: Augen auf! Augen auf für das, was mir wichtig ist. Augen auf, auch wenn es unangenehm wird. Ich will die Blindheit meiner Zeit abschütteln. Die Babbel, die Blase, in der ich um mich selbst kreise, die will ich aufpicken oder mir dieser Blindheit zumindest bewusst werden. Die eigene Blindheit sehen. Geht das? Vielleicht braucht man dazu eben dann doch einen guten Anstoß von außen. Etwas oder jemanden, der einem die Augen öffnet. Gott kann das sein. Der Augenöffner – wie Jesus in den Wundererzählungen – und dann werden wir zu Staunenden. Aber ich will das gar nicht so mit Wow-Effekt. Eher so, wie wenn man einen Horrorfilm guckt und sich schnell die Hände vors Gesicht schlägt und doch durch die Finger schaut. Ganz vorsichtig. Dann stelle ich mir vor, dass Gott sanft hinter mir ist und mir ins Ohr flüstert. "Ja ist gruselig, aber schau hin, trau dich, öffne trotzdem vorsichtig die Augen. Du bist bei mir. Du bist in Sicherheit." Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Jesus als Augenöffner

Scheitern ist nur ein Schrittt zurück

Meine Fastenzeit ist irgendwie jedes Jahr vom Scheitern geprägt. Sogar zum Scheitern verurteilt? Na wunderbar. Ich schmeiß hin. Obwohl … Rückschritte bedeuten ja nicht direkt Scheitern. Und ein Schritt zurück kann ja auch eine Chance sein, um Anlauf zu nehmen. Aber ich schaffe es einfach nicht, mich vom Süßigkeiten Schrank fernzuhalten. Manchmal merke ich sogar erst, wenn es zu spät ist, dass ich doch / was Süßes gegessen hab. Besondern auf der Arbeit, wenn es stressig wird … dann habe ich das Papierschen noch verräterisch in der Hand und fühle mich sofort schlechter. Versagerin. Gescheitert. Oder? Schritt zurück? Anlauf nehmen? Ziele sollen SMART sein. Also spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Was ist denn wirklich realistisch / für mich und als Christin sogar attraktiv? Will Gott, dass ich abnehme oder kein Diabetes bekomme? Ich will mir nicht mehr 40 Tage vornehmen. Ich ändre schon einmal den Zeitraum, dann wird’s auch realistischer. Mein Ziel für heute, was für mich heute machbar und realistisch ist, ist einfach zuhören, hinhören oder nur hören. Ich habe die Woche viel gesprochen, da wäre das ein attraktives Ziel für mich und meine Umgebung. Das mach ich, das schaffe ich und damit kann ich dann ohne schlechtes Gewissen zum Süßigkeiten Schrank greifen, weil es um etwas viel Attraktiveres geht. Im Hören, Zuhören, Lauschen, Horchen, da kann ich meinen Mitmenschen begegnen, echt Dasein an diesem Wochenende, und wer weiß, vielleicht ist da auch Gott. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Scheitern ist nur ein Schrittt zurück

Vergewissern wir uns der wunderbaren Gegenwart Gottes

Manchmal braucht man etwas anderes. Einen anderen Rahmen, ein anderes Aussehen, andere Musik, andere Rituale. Die Kirche wird völlig anders aussehen, heute Abend in Olpe. Sie ist in warmes Licht getaucht. Große orangene Stoffbahnen hängen von der Decke herab und deuten die Altarinsel nochmal anders. Viele Lichterbecher sind dort auf Steinen verteilt und die Kirchenbeleuchtung ist auf ein Minimum reduziert. Beim Einzug tragen Jugendliche das typische Tafelkreuz von Taize nach vorn und stellen es markant auf. Es gibt eine kurze Begrüßung und dann viel Gesang. Minutenlang eine Melodie mit einprägsamem Text, von einem Projektchor sehr gekonnt und einladend gesungen. Und immer mehr Menschen in der vollen Kirche singen mit. Nach und nach werden die Lichter aller Mitfeiernden entzündet, weil Christus, dein Licht, unsere Schatten verklärt. Ein Evangelium in 6 Sprachen gelesen und Fürbitten für die unendlich scheinende Liste der Länder in denen kriegerische Auseinandersetzungen sind und für jedes wird ein Licht auf den Altar gestellt. Stille, Vaterunser, Segen und Ankündigung von Zeit. Und die Einladung, die je eigene Kerze nach vorn zu bringen, mit Anliegen und Sorgen vor Gott zu tragen und weiterhin die wunderschönen Gesänge, die gesammelte Atmosphäre und das Gespür für die Gegenwart des Göttlichen. Das ist es glaube ich, was die Menschen an dieser Form des Gottesdienstes so lieben: alle Sinne werden angesprochen, die ruhigen Gesänge, die jeder sehr leicht mitsingen oder summen kann, wenige festgelegte Rituale und ein Gefühl des Geborgenseins in Licht, Raum und Klang. Leib und Seele, Herz und Verstand kommen zur Ruhe und können sich einschwingen, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen, dass tief in uns schlummert und so selten zutage kommen kann. Das Geheimnis der Gegenwart Gottes in jedem Menschen und im Sakrament des Altares, in Licht und Klang und im Kreuz, durch das uns Tod in Auferstehung errungen worden ist. Man könnte noch stundenlang bleiben und lauschen und staunen und beten. Vergewissern wir uns doch öfter dieser wunderbaren Gegenwart Gottes in uns.

Vergewissern wir uns der wunderbaren Gegenwart Gottes

Noch mehr auf Ostern freuen

Wir haben bei uns im Flur auf der Wohnetage einen Kalender an der Wand. Das ist ja nichts Besonderes, das haben sicher viele. Das Besondere ist, dass er schon seit 2013 da hängt. Wir haben ihn damals geschenkt bekommen und er ist einfach so schön, dass wir ihn seitdem nicht mehr abgenommen haben. Er ist ein Wochenkalender und hat auf der oberen Hälfte immer ein Bild aus einem Garten und unter der Kalenderzeile ein passendes Gedicht zur Jahreszeit, zur Festzeit, zur Gartenzeit. Und das ist so nett, dass ich mich immer freue, wenn ich ihn umblättere. Jedes dort abgedruckte Gedicht oder Lied lese ich jetzt also schon zum 14. Mal und es wird echt nie langweilig. Und jetzt im Frühling, in diesen schönen Sonnentagen, sind die Fotos nochmal mehr eine Augenweide und man bekommt Lust, in den Garten zu gehen und mal zu schauen, was da schon losgeht mit grün, und kleinem Blühen und der Ankündigung dessen, was da kommt. Und immer, wenn wir morgens in den Laudes einen besonderen Hymnus beten, wird mir besser der Zusammenhang klar, zwischen all den Mühen unserer Fastenzeit in der Vorbereitung auf Ostern und dem herrlich aufbrechenden Frühling in unseren Breiten. Dieser Hymnus heißt: Du Sonne der Gerechtigkeit, Christus, vertreib in uns die Nacht,dass mit dem Licht des neuen Tags auch unser Herz sich neu erhellt.Du schenkst uns diese Gnadenzeit, gib auch ein reuevolles Herzund führe auf den Weg zurück, die deine Langmut irren sah.Es kommt der Tag, dein Tag erscheint, da alles neu in Blüte steht;der Tag, der unsre Freude ist, der Tag, der uns mit dir versöhnt.Dir, höchster Gott, Dreifaltigkeit, lobsinge alles, was da lebt.Lass uns, durch deine Gnade neu, dich preisen durch ein neues Lied. AmenAlso, heute noch mehr den Frühling genießen, schauen, was da neu kommt und sich noch mehr auf Ostern freuen.

Noch mehr auf Ostern freuen

Denk mal positiv!

Mir geht es wie manchen Menschen: Ich habe zwischendurch ein schlechtes Gedächtnis. Und dann habe ich Tricks, wie ich trotzdem bei den Dingen bleiben kann, die mir wichtig sind. So liegt zum Beispiel auf meinem Schreibtisch ein Zettel. Darauf steht: 40 Tage Fastenzeit – nicht jammern – nicht meckern – nicht kritisieren – nicht ablehnen – nicht verletzen – nicht lästern - nicht verurteilen – DENK MAL POSITIV. Ich hatte das irgendwo abgeschrieben, weil es mir sehr zugesagt hat. Und jetzt fällt mir ein: ein Viertel der Zeit ist schon vorbei – was ist jetzt mit diesen Sätzen, die mich so angesprochen haben? Das ist ja schon mal die Crux mit den Vorsätzen: man fasst sie ziemlich hochgemut und hat guten Willen, dann kommt das Alltagschaos oder das tägliche Einerlei und plötzlich ist schon eine ziemliche Zeit vorbei und ich habe nicht dran gedacht. Der Vorteil der Fastenzeit ist, dass es ein gut überschaubarer Zeitraum ist: 7 Wochen, geht doch eigentlich. Und manchmal hilft dann eine Zusage und Ermutigung. So wie sie in der heutigen Lesung steht aus dem ersten Buch der Könige. „Wir sind ja Dein Volk Herr, und dein Eigentum. Du hast uns unter allen Völkern als Dein Eigentum ausgewählt“ Geht noch mehr?Wir sind gemeint, wir sind Gottes Eigentum, von ihm ausgewählt. Da fällt mir vieles leichter: ich muss nicht alles leisten, ich muss nicht alles allein schaffen, ich kann jeden Tag neu anfangen. Es immer neu probieren.Und dann hilft mir zum Beispiel, wenn ich nicht denken muss: Das nicht, das nicht und das auch nicht. Sondern auf meinem Zettel lesen kann: Denk mal positiv. Also: Du darfst, Du kannst, Du hast die Möglichkeit, Du willst doch. Das geht leichter. Denk mal positiv.

Denk mal positiv!

Was hält die Welt im Gleichgewicht?

Ach Mensch, schon wieder ein Krieg, schon wieder Gewalt und Gegengewalt, schon wieder Auge um Auge und Zahn um Zahn, schon wieder Not, Tod, abgrundtiefes Leid und irrsinnige Zerstörung. Jeder weiß, dass ein Krieg kein Problem löst, und doch…. Die Weltgemeinschaft erlaubt Kriege zur Verteidigung oder präventiv, wenn ein Angriff zu befürchten ist oder man versuchen will, Staaten an der Nutzung der Atombombe zu hindern. Aber hier geht es schon wieder und wieder um Terrorstaaten, die ihren Einfluss und ihre Macht gefährdet sehen und wie wild um sich schlagen. Dass bisherige demokratische Staaten ebenso handeln und weder Kongress noch andere Gremien einbeziehen, macht diffuse Angst. Wenn jeder jeden aus irgendeinem Grund angreifen und Regierungschefs töten kann, was hält dann die Welt im Gleichgewicht?Mir geht es wie Dir und vielen von uns, die ratlos und hilflos die Nachrichten lesen und Brennpunkte schauen und keine Idee haben, was wir tun können. "Da hilft nur noch beten", sagen die einen, "ach, ihr mit eurem Beten das nutzt sowieso nichts und ist naiv“, sagen die anderen. Ich und viele Glaubende wissen aber, dass das Beten den Beter verändert und ihm Kraft gibt, Dinge zu ändern, die in seiner Macht liegen und andererseits seine Hoffnung auf Gott setzt, der die Herzen der Menschen ändern kann. Von Reinhold Schneider gibt es ein Gedicht, dass er 1936 geschrieben hat, und ich möchte es mit Dir teilen. Er schrieb damals:"Allein den Betern kann es noch gelingen, das Schwert ob unsern Häuptern aufzuhaltenund diese Welt den richtenden Gewalten durch ein geheiligt Leben abzuringen.Denn Täter werden nie den Himmel zwingen: was sie vereinen, wird sich wieder spalten,was sie erneuern, über Nacht veralten, und was sie stiften, Not und Unheil bringen.Jetzt ist die Zeit, da sich das Heil verbirgt, und Menschenhochmut auf dem Markte feiert,indes im Dom die Beter sich verhüllen, bis Gott aus unsern Opfern Segen wirktund in den Tiefen, die kein Aug entschleiert, die trocknen Brunnen sich mit Leben füllen.“ Beten wir also.

Was hält die Welt im Gleichgewicht?

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer

Gestern hat die zweite Woche der Fastenzeit begonnen. Wie war es so bisher mit Ihren Vorsätzen? Ideen gibt es jedes Jahr viele, aber ich merke das auch an mir: Im Trubel des Alltags gehen da schon manch gute Ideen mal verloren. Zur Fastenzeit gehören ja schon immer die guten Werke, um dem Nächsten in Notsituationen bei zu stehen und in der Not ganz konkret zu helfen, soweit es die eigenen Möglichkeiten zulassen.Ein Exerzitienmeister hat mir mal sehr die Augen geöffnet, als er in seinen Vorträgen klargemacht hat, dass Barmherzigkeit DAS Wort in der Bibel ist. Unsere christliche Tradition kennt je sieben leibliche und geistige Werke der Barmherzigkeit, die von ihren Ursprüngen an als Hilfe gegen existentielle und situationsbedingte Nöte zu verstehen sind. Die Aufzählung von Werken der Barmherzigkeit jedoch ist sehr viel älter als das Christentum: Schon die alten Ägypter kannten sie und im Alten Testament finden sich an vielen Stellen Beispiele für barmherzige Werke. Ich habe Lust mit Ihnen in den nächsten Wochen immer mal wieder auf diese Werke der Barmherzigkeit zu schauen und konkret zu überlegen, was sie für mich und für Sie vielleicht heute bedeuten können. Der Kirchenvater Augustinus, hat schon im 5. Jahrhundert gelehrt, dass alle Werke die wir tun wollen, der jeweiligen aktuellen Not angepasst werden müssen.Barmherzig kann die oder der sein, der es schon selbst erlebt hat. Dass da jemand mir Gutes getan, gesagt, gemailt, gemacht hat. "Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer" könnte vielleicht über unserem Montag stehen. Statt eines klug ausgedachten Fastenopfers heute mal barmherzig sein zu einer Mitschwester, die mich nervt, zu einem Arbeitskollegen, der wieder zu spät kommt, zum Teenager, der wieder den gesamten WLAN-Account für sich braucht, mit der Oma, die jeden Tag anruft und ein langes Gespräch will. Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer.

Barmherzigkeit will ich, nicht Opfer

Zeit der Hoffnung

Heute ist der meteorologische Beginn des Frühlings. Was für ein schöner Tag hoffentlich! Frühling, das ist eine Zeit, in der das Leben erwacht. Etwas theologisch gesprochen könnte man sagen, der Frühling ist die Zeit der Hoffnung. Ostern ist ja auch nicht mehr ganz so weit weg, das große Fest der Hoffnung.Aber manchmal fragt man sich: Warum hat Gott eigentlich seine Hoffnung auf uns Menschen gesetzt? Und dann verlieren wir vielleicht sogar selbst irgendwie die Hoffnung, gerade in Zeiten des Krieges, des Unfriedens, der Gewalt. Es ist leicht, verzweifelt zu sein, unzufrieden, hoffnungslos. Zum Glück sind wir damit nicht ganz allein.Die Heilige Schrift ist voller Geschichten, in denen die Menschen die Hoffnungen verlieren, aber vor allem sie auch wiederfinden. Der Prophet Ezechiel etwa erlebt das Exil. Israel ist nach Babylon verschleppt, in Sklavenarbeit gezwungen. Er sagt: Ausgetrocknet sind unsere Gebeine, unsere Hoffnung ist untergegangen, wir sind verloren. Furcht lähmt. Hoffnung ist mehr als ein Gefühl in einer einzelnen Situation. Hoffnung ist eine Haltung, eine innere Ausrichtung auf Gott. Sie bringt uns in Bewegung, sie lässt uns auftauchen, sie lässt uns uns selber finden und vor allem eins, etwas Neues wagen.Hoffnung kommt vom mittelhochdeutschen Wort „hopen“, unruhig sein, zappeln. Hoffnung bewegt uns, Hoffnung ist eine positive Erwartungshaltung, eine handlungsleitende Ausrichtung für die Zukunft. Das wünsche ich uns allen für diesen heutigen Tag, zu entdecken, was unsere Hoffnung wachsen lässt.Der meteorologische Frühling erinnert uns daran: Es wird wieder mehr Licht werden. Und Jesus selbst sagt: Ich bin das Licht der Welt. Licht am Ende des Tunnels, Licht, das alles Wachstum des Frühlings ermöglicht. Neues Leben kann entstehen. Und das wissen wir: Alles Wachtstum lässt uns hoffen.

Zeit der Hoffnung

Team des Lebens

Die Olympischen Spiele sind jetzt gerade frisch vorbei. Die Winter-Olympiade hat viele Menschen begeistert. Manch einer hat sich vielleicht gefragt: Wie kommt man eigentlich ins Eishockey-Team? Wie wird man Teil einer Mannschaft? Und wir alle, fürchte ich, kennen die Situation, wie das so ist in der Schule. Da wird einer vom Lehrer, von der Lehrerin ausgewählt und muss dann ein Team zusammenstellen. Wer bringt eigentlich Stärke, Können oder Ehrgeiz mit? Solche Fragen kennen wir alle. Und nicht nur im Sport, sondern auch im Beruf, im Alltag. Oft neigen wir dann dazu, Perfektion zu erwarten und Schwächen zu vermeiden.Wie hat eigentlich Jesus sein Team zusammengestellt? Er wählte zwölf Menschen aus, keine Helden ohne Fehler, sondern ganz normale Menschen mit Stärken und Schwächen. Einer wird ihn verraten, einer verleugnen, zwei waren ehrgeizig, andere eher still. Thomas war der große Zweifler, unzulängliche Menschen, genau wie du und wie ich, wie wir. Und doch waren sie Jünger, weil sie Zusammenhalt, Vertrauen und Bereitschaft machten, und das war wichtiger als Perfektion.Der Kabarettist Hans-Dieter Hüsch hat es einmal so auf den Punkt gebracht: Zur menschlichen Würde gehört das Unvollkommene. Ich bitte die Menschen, sich dies zu erhalten. Diese weltliche Perspektive trifft ins Herz jeder Gemeinschaft und sollte auch in das Herz von uns Christen treffen. Paulus erinnert uns daran: Einer trage des Anderen Last.Verantwortung teilen, einander stützen, Fehler eingestehen, neu beginnen, das macht Gemeinschaft lebendig. Und das ist unser Team. Am Ende zählt nicht unsere Perfektion, sondern unser Zusammenhalt. Unzulängliche Menschen können gemeinsam unglaublich stark sein. Das ist die Kraft der Gemeinschaft, die wir in unseren Gemeinden, in unseren Kirchen und überall erleben können, getragen von Vertrauen, Respekt und der Bereitschaft, füreinander da zu sein.Dass auch ihr diese Erfahrung heute macht, wenn ihr im großen Team des Lebens mitspielt, das wünscht euch euer Stefan Wißkirchen, Hochschulpfarrer in Düsseldorf.

Team des Lebens

Brücken bauen

Aufgewachsen auf einem Bauernhof im Emsland, nach dem Abitur Eintritt in den Orden der Herz-Jesu-Priester, Studium der Theologie in Freiburg und Romanistik in Paris, 1987 Priesterweihe, weiteres Studium der Französischen Philosophie in Rom, Promotion mit einer Arbeit zur Mystik. Dann Lehramtsstudium für Geschichte und anschließend Staatsexamen, einige Monate Seelsorger in einer Einrichtung für behinderte Menschen in Toronto, zwei Jahre Schulseelsorger und Lehrer an einem Gymnasium, dann ein Jahr lang in den USA Lehrer an einer Highschol in der Bronx in New York und dann Schulleiter am ordenseigenen Gymnasium in Landrup im Emsland, 2007 Provinzial der deutschen Ordensprovinz seiner Gemeinschaft und 2015 zum Generaloberen der weltweiten Gemeinschaft gewählt, seit 2018 Bischof von Hildesheim, seit 24. Februar neugewählter Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Er spricht mehrere Sprachen fließend und ist als Ordensmann weltweit vernetzt.Wenn ich das so kurz erzähle, dann merke ich, wieviel Leben in diesem Leben ist und wie viele unterschiedliche Lebens- und Erfahrungsräume dieser neue Vorsitzende Dr. Heiner Wilmer gelebt und durchschritten hat. Und dann sagt er in einem ersten kurzen Statement, die Katholiken in Deutschland wollten ihre Kirche selbstbewusst und demütig in eine neue Zeit führen. Es gebe dabei unterschiedliche Wege, um aus dem Evangelium zu leben, aber man folge Jesus Christus gemeinsam nach.Die Katholiken im Land bezeichnete er als "das lebendige Gesicht der Kirche". Gemeinden, Verbände, Caritas, Schulen und Familien trügen den Glauben. Dieser sei eine Quelle von Kraft und Weite, verbinde Generationen und öffne Räume der Hoffnung, so Heiner Wilmer. Er wird in diesen neuen Räumen moderieren und Brücken bauen, Themen bearbeiten und Konferenzen leiten, Kompromisse suchen und auch anecken. Und am Ende wird er daran gemessen, ob er verbindend war und klar und dabei katholisch – also alles umfassend. Und da steht er nicht allein, das ist Aufgabe und Auftrag für jeden von uns.

Brücken bauen

Begegnungen verändern

Zurzeit gibt es bei uns in Olpe im Mutterhaus einen Exerzitienkurs mit Ordensfrauen und anderen Frauen. Im sehr spannenden Thema geht es um Begegnungen, durch die Neues beginnt. Zum einen geht es um viele Geschichten und Überlieferungen rund um Franziskus von Assisi. Dieser Heilige ist auch heute noch so populär, dass selbst Hunderttausende in diesen Wochen nach Assisi pilgern, um sich selbst klar zu machen, dass es nicht um alte Knochen geht, sondern um ein unglaubliches Leben, dass Jahrhunderte geprägt hat.In seinem Testament hat Franziskus von seinen vielen Begegnungen nur eine erwähnt und zwar die mit einem Aussätzigen. Früher hat er einen großen Bogen um diese Kranken gemacht und sich vor Ekel die Augen und die Nase zugehalten. Und dann einmal haut er nicht ab, sondern hält an, steigt runter von seinem hohen Ross, schaut dem Mann in die Augen und umarmt ihn. Und alles, was mir bis dahin bitter war, wurde mir plötzlich in Süßigkeit verwandelt, wird er später erklären. Wie das denn? Er hat plötzlich gespürt, dass dieser kranke, eklig aussehende und stinkende Mensch, ein Geschöpf Gottes ist, genauso wie er und noch mehr. Er hat plötzlich verstanden, dass das eine Begegnung mit Gott war. Anders als jemals gedacht.Er ist nicht in seine sicheren Bubble, nicht in seinem verschlossenen Weltbild und nicht in seiner sicheren heilen und reinen Umgebung geblieben. Das Ganze geschah nicht in einem frommen Rahmen, nicht beim Gebet oder in einer Kirche, nicht bei einem selbst ausgesuchten Fastenopfer, nicht beim Lesen eines frommen Buches, bei einem Besinnungswochenende oder beim Studium der Heiligen Schriften. Nein, diese Begegnung war mitten am Tag, mitten auf der Straße, mitten in einem verruchten Viertel voller Krankheit und Not. "Und der Herr selbst hat mich unter sie geführt", wird Franziskus später schreiben und wird sein ganzes neues Leben mit den Armen, den Kranken, den Ausgestoßenen und am Rande lebenden verbringen und sich um sie kümmern. Begegnungen verändern manchmal kolossal und für ein ganzes neues Leben. Du und ich haben so etwas auch schon erlebt. Wahrscheinlich nicht so krass, wie bei Franziskus. Vielleicht erinnerst Du Dich heute an solche eigenen Begegnungsgeschichten, oder sie passieren genau heute.

Begegnungen verändern

Umkehr zu mir selbst, zu den Mitmenschen und zu Gott

In diesen Tagen der ersten Fastenwoche, gibt es ganz viele Ideen, worauf man fasten könnte. Da geht es, wie früher, schon mal ums Autofasten und mit den Öffis zu fahren, um der Umwelt Gutes zu tun. Da geht es ums Medienfasten, um die Seele und das Hirn wieder frei zu kriegen vom überbordenden Medienkonsum. Da geht es ums Jammerfasten, ein Ausdruck, der mir sehr gut gefällt und bedeutet, die ganzen sieben Wochen mal nicht zu jammern, worüber auch immer.Sieben Wochen ohne oder sieben Wochen mit waren auch schon mal dran, um einfach mal anders zu leben und den inneren Focus auf etwas neues zu legen. Vom verstorbenen Papst Franziskus gibt es ein paar Vorschläge, worauf ich fasten könnte und dann auch gleich jeweils einen Tipp, was ich stattdessen tun könnte. Er schrieb:„Faste auf verletzende Worte und gebe gute Worte weiter.Faste auf Wut und fülle dich an mit Sanftmut und Geduld.Faste auf den Egoismus und fülle dich stattdessen mit Mitleid für den anderen.Faste auf den Mangel an Vergebung und fülle dich stattdessen mit Versöhnung.Faste auf Unzufriedenheit und werde voller Dankbarkeit.Faste auf Pessimismus und fülle dich mit Hoffnung.Faste auf Jammern und fülle dich mit den einfachen Dingen des Lebens.Faste auf Traurigkeit und Bitterkeit. Fülle dich stattdessen mit HerzensfreudeFaste auf Sorgen und fülle dich mit Gottvertrauen.Faste auf Stress und fülle dich mit Gebet.Faste auf Worte und fülle dich mit Stille und Hören auf Gott.“Soweit Papst Franziskus. Denn am Ende geht es in unseren Versuchen, etwas in der Fastenzeit zu tun, immer um die Umkehr: zu mir selbst, zu den Mitmenschen und zu Gott.

Umkehr zu mir selbst, zu den Mitmenschen und zu Gott

Hand aufs Herz - Umkehren geht

Gestern, am Montag, hatte ich Dir einen Text von Jörg Nottebaum vorgelesen, der mich sehr inspiriert hat und wir haben die ersten drei Klartextworte angeschaut. Heute möchte ich mit euch die anderen drei Worte anschauen. Sie lauten:"Jetzt mal Asche aufs Haupt und Veränderung wagen: Der alten Zöpfe sind genug.Jetzt mal Asche aufs Haupt und Segen leben: Der göttlichen Kräfte sind genug.Jetzt mal Asche aufs Haupt und Hand aufs Herz: Umkehren geht."Veränderung wagen heißt die vierte Anmerkung. Jede und jeder von uns kennt die Sorge, wenn man etwas Neues in die Spur bringen möchte. Diejenigen, die lieber beim Alten bleiben möchten, scheinen immer die Überhand zu haben mit ihren Bedenken und mit dem "Das haben wir doch immer schon so gemacht". Das ist in innovativen Unternehmen fatal und auch in unserer Kirche. Wir spüren das im Moment sehr stark mit all denen, die wieder gegen die neuen Wege des Synodalen Weges wettern. Dann trotzdem neue Wege zu wagen ist Arbeit.Segen leben ist eine göttliche Zusage. "Ich will euch segnen und auch ihr sollt ein Segen sein" ist immer wieder in den heiligen Schriften zu lesen. Der göttlichen Kräfte sind genug, ist eine starke Aufforderung, nicht zu sparen damit, Segen zu spenden, segensreich zu denken und segensreich zu arbeiten.Hand aufs Herz – Umkehren geht. Hand aufs Herz, kennen viele aus dem Sport. Viele Nationalmannschaften legen bei der Hymne zu Beginn des Spiels ihre Hand aufs Herz. Das soll heißen: Wir werden unser ganzes Herz, unsere ganze Leidenschaft in diese Aufgabe hineingeben. Hand aufs Herz, um mit ganzer Leidenschaft und Hingabe an der eigenen Umkehr zu arbeiten und daran zu glauben, dass es wirklich möglich ist.Also heute: Veränderung wagen, Segen leben und mit der Hand auf dem Herzen umkehren.

Hand aufs Herz - Umkehren geht

Klartext braucht Mut

Am vergangenen Mittwoch war der Aschermittwoch und viele von uns haben sich das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen oder Asche auf den Kopf streuen lassen. Es ist erst fünf Tage her. Wie geht es Dir damit? Hast Du den Start in die Fastenzeit gut hinbekommen? Gibt es ein paar Ideen, zu denen Du dich entschlossen hast? Von Jörg Nottebaum von Misereor gibt es im Pfarrbriefservice einen sehr wortstarken Text, der mich sehr inspiriert hat und weshalb ich Dir diesen Text gern in den heutigen Tag mitgeben möchte. Er lautet: „Jetzt mal Asche aufs Haupt und Klartext reden: Der leeren Worte sind genug.Jetzt mal Asche aufs Haupt und Ruhe finden: Der lauten Tage sind genug.Jetzt mal Asche aufs Haupt und Friede sein: Der Kriege weltweit sind genug.Jetzt mal Asche aufs Haupt und Veränderung wagen: Der alten Zöpfe sind genug.Jetzt mal Asche aufs Haupt und Segen leben: Der göttlichen Kräfte sind genug.Jetzt mal Asche aufs Haupt und Hand aufs Herz: Umkehren geht.“Klartext reden ist der erste Vorschlag. Viel drum herumreden, ärgert in jeglicher Situation. Man kennt zu viele Leute die unglaublich viel und eloquent reden können, ohne etwas zu sagen. Ob in Politik, Kirche oder Gesellschaft ist das ärgerlich. Dann ist für uns heute dran, wenn wir reden, auch etwas zu sagen. Klartext reden in dem Bereich, in dem wir tätig sind, in Familie, Berufsalltag, Gemeinde, Kirche und so weiter. Auch der zweite Tipp: Ruhe finden, ist eine wichtige Idee. Zu spüren, wann es Zeit ist, die Laustärke des Alltags runterzudrehen, eine Pause einzulegen, um innen und außen zur Ruhe zu kommen, ist eine Notwendigkeit, wenn ich vom Karussell des Alltags abspringen will, ehe es mich abwirft. Friede sein, als dritter Hinweis, klingt in unseren Tagen der weltweiten Kriege fast banal. Aber über die Jahrtausende steht in den Texten der Bibel und vieler anderer Kulturen: nur wenn alle Menschen Frieden im Herzen tragen, kann es Frieden untereinander geben. „Ach Schwester, jetzt träumen Sie aber“ ich höre es schon.Das mag sein, aber Klartext reden, Ruhe finden und Friede sein, ist kein Traum, sondern harte Arbeit für heute.

Klartext braucht Mut

Durch Gott ist es die beste Welt!

Jesus war 40 Tage in der Wüste… was hab ich damit zu tun? Die Wüste ist für mich ein absolut lebensfeindlicher Raum. Die Hitze, die Trockenheit und die Sonne, die so erbarmungslos sengend vom Himmel scheint - die Sonne, die auch Leben auf unserem Planeten erst ermöglicht. Ich sagte vor kurzem noch in einem Gespräch, dass die ganze Welt für uns Menschen doch ein bedrohlicher und lebensfeindlicher Raum ist. Und bei dem, was in der Welt so passiert, kann man das wirklich glauben. Aber da ist auch Gott in meiner Welt. Der ist mehr als die Sonne und die Sterne. Der ist für mich der Ursprung von allem. Und ich glaube wirklich, dass die Welt als solche, die beste aller Welten ist. Und ich glaube, dass alles in guter Absicht geschaffen ist. Und wenn ich mich daran erinnere, dann erkenne ich vor allem den Raum voller Möglichkeiten, voller Würde und Menschsein dürfen. Dann ist die Welt kein lebensfeindlicher Ort und nicht nur Lebensraum, sondern die Welt wird für mich durch und mit Gott zum Spielraum. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Durch Gott ist es die beste Welt!

Wie geht richtiges Fasten?

Nochmal nach Karneval das Fitnessprogramm aufleben lassen. Nach dem ganzen Frohsinn und vor allem Berliner, Krapfen und Bier … nochmal die guten Vorsätze aufleben lassen vom Beginn des Jahres. So geht moderne Fastenzeit, oder? Fasten auf Stress, Fasten auf Zeitverschwendung und Doomscrolling und Fasten auf schlechte und schwere Gedanken. So geht auch modernes Fasten, oder? Aber da fastet doch keiner mehr richtig! Na und? Fastenzeit bedeutet für mich: Ich mach mein Kopf frei. Wie Festplatte formatieren. Ich werde leerer, egal ob im Magen oder im Kopf, damit wieder Platz ist für das Wesentlichen. Für das, was mir wichtig ist. Wirklich wichtig. Ich glaub, wenn der Magen leerer wird, der Konsum weniger, der Kopf befreiter, dann ist nicht nur mehr Platz, sondern mein Herz auch etwas leichter. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Wie geht richtiges Fasten?

Achten wir auf Gott und die Menschen

Aus meinem Bürofenster schaue ich auf die Straße und kann da manches beobachten. Immer mal wieder fällt mir auf, dass Kindergartengruppen und Erstklässler mit ihren Erziehern und Lehrerinnen hier vorbeilaufen. Sie sind dann schön in sicheren Zweierreihen und vorn und hinten eine erwachsene Begleitung. Und sie haben alle die leuchtend gelben Sicherheitswesten an mit den Leuchtstreifen im Rücken. „Achtung Kinder“ ruft das ohne Worte und alle anderen Verkehrsteilnehmer passen auf, dass nichts passiert. Dieses leuchtende Gelb ist eine der Ampelfarben. Wir Schwestern hier im Konvent benutzen zu vielen Gelegenheiten die Stundenbuch-App auf dem Smartphone. Es ist sehr praktisch und man hat die Gebetszeiten und Texte aus der Bibel immer schnell zur Hand. Die Auflistung der jeweiligen Tage und Zeiten ist farbig unterlegt und jetzt war es viele Wochen im schönen frühlingshaften Grün. Seit Aschermittwoch schreit mich quasi ein Knallrot an und löst Alarm aus. In einer Straßenverkehrsampel ist das Grün die freundliche Aufforderung, zu gehen oder zu fahren und das gelb die Information, dass jetzt gleich die Aktivität stehenbleiben soll. Aber das Rot ist unmissverständlich: stehenbleiben, auf keinen Fall weitergehen oder fahren, weil Andere den Vortritt haben. Wenn man dagegen verstößt, kann es lebensgefährlich werden und wenn etwas passiert, ist man schuld, weil man das Haltesignal missachtet hat. Und es droht ein Bußgeld, ein Punkt in Flensburg und in schweren Fällen ein Fahrverbot. In der App ist es Gott sei Dank nicht so gefährlich. Es ist ein Signal: Halt an, schau um Dich und in Dich, schau auf Dein Leben und Deine Beziehung zu Gott. Und die Aufforderung ist wie bei der roten Ampel auf der Straße: „Stehenbleiben, auf keinen Fall weitergehen oder fahren, weil andere den Vortritt haben.“ Oder in diesem Fall eher anderes: Nicht mehr in den üblichen Routinen bleiben, Dinge mal ganz anders machen, Gebetszeiten in den Tag einbauen und Apps oder Radioübertragungen nutzen, eine neue Art den Tag zu beginnen oder zu beenden ausprobieren und so weiter. Und auf Gott und die Menschen achten, die mit uns leben, Straßen und Wege mit uns teilen und mit denen wir in guten und ungefährdeten Beziehungen leben wollen. Wie die Kinder auf der Straße mit ihren Erzieherinnen und Lehrerinnen.

Achten wir auf Gott und die Menschen

Wähle das Leben

Dass es in Krankenhäusern und Kliniken, die auch Geburtshilfe leisten, Kurse für werdende Eltern gibt, kennen die meisten. Dort lernt man vieles, was für Schwangerschaft und Geburt wichtig ist, kann die Stationen und den Kreißsaal besichtigen und bekommt Tipps und Informationen für eine angstfreie Zeit vor während und nach der Entbindung. So weit, so gut. Aber wusstest Du, dass es auch Informationstage und Kurse für werdende Großeltern gibt? Das war mir echt neu. Aber das ist gar keine schlechte Idee. Denn Großeltern haben die Erfahrungen mit Geburt und Umgang mit Neugeborenen aus ihrer eigenen jungen Elternzeit und seitdem hat sich sehr viel verändert. Und dort können sie von außenstehenden Fachleuten die Dinge erfahren, die ihre eigenen Töchter sonst erklären und erbitten müssten. Als ich das so gehört habe, dachte ich mit einem gewissen Schmunzeln, dass so ähnlich ja auch die jährliche Fastenzeit sein könnte, die gestern begonnen hat. Es ist ein Kurs für im Glauben älter gewordene Christinnen und Christen, die neu schauen wollen, wie das heute im Jahr 2026 gehen kann, mit dem Leben als Christen.Wenn der eigene Kinderglaube nicht mehr trägt, wenn die ererbten und in der Familie oder im Reliunterrricht gelernten Dinge des Glaubens sich irgendwie nicht mehr relevant anfühlen, wenn ich meine eigene, mir entsprechende Ausdrucksweise des Glaubens finden will. Es gibt in diesen Fastenzeiten in vielen Städten und Gemeinden Angebote für Suchende auf dem Glaubensweg: Exerzitien im Alltag, Glaubenskurse, Gebetsschulen und viele mehr. Vielleicht findest Du etwas, was Dir hilft, wieder neu zu beginnen und Deinen älter gewordenen Glauben zu erfrischen.Im Buch Deuteronomium, aus dem wir in diesen Tagen immer mal wieder lesen, gibt es eine sehr markante Stelle in der es heißt:„Den Himmel und die Erde rufe ich heute als Zeugen an. Leben und Tod lege ich dir vor, Segen und Fluch. Wähle also das Leben, damit du lebst, du und deine Nachkommen. Liebe den Herrn, deinen Gott, hör auf seine Stimme und halte dich an ihm fest; denn er ist dein Leben.“ Wähle also den Segen Gottes und das Leben und fang heute damit an.

Wähle das Leben

Asche als Dünger für den Glauben

Am Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Vorbereitungszeit auf Ostern hin. Seit Ende des 11. Jahrhunderts gibt es die Tradition, sich an diesem Tag in Gottesdiensten ein Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen oder Asche aufs Haupt streuen zu lassen. Die aus gesegneten Palmzweigen vom Vorjahr gewonnene Asche gilt als Symbol der Trauer und Buße.Das Aschenkreuz steht für den Beginn der Bußzeit und zugleich für die Hoffnung der Christen auf Auferstehung. In den vergangenen Pandemiejahren wurde kein Aschenkreuz auf die Stirn gezeichnet, sondern Asche auf den Kopf gestreut. Das ist die viel frühere und ursprünglichere Form dieses Startsignals in die Fastenzeit.Manche kennen vielleicht noch die Formulierung: „Oh, Asche auf mein Haupt,“ man einen Fehler zugibt und sich entschuldigen möchte. Ich habe mal nachgeforscht, warum die Asche so das normale Mittel für den Beginn der Fastenzeit ist: Asche ist seit Jahrhunderten ein vielfältig verwendetes Putz- und Scheuermittel. Man kann damit Silber reinigen, Fußböden wischen, Wäsche waschen, Geschirrspülen. Aber man kann Asche auch als Dünger und Schädlingsbekämpfer und Unkrautvernichter einsetzen. Und so in unser Leben übersetzt ist das auch notwendig: wir müssten schon manches Mal abstauben und reinigen und putzen, damit wieder deutlich wird, wozu wir als Christen so da sind: um Jesus Christus nachzufolgen und zu versuchen, nach seinem Evangelium zu leben. Und da ist die Asche als Dünger auch nicht so verkehrt, damit Neues und Gutes wachsen kann und der Auftrag: „Kehr um und glaub an das Evangelium“ durch uns und unser Tun und Beten, Hand und Fuß bekommt und das Reich Gottes unter uns Wachsen und Großwerden kann. Der eigentliche Grund für unsere Mühen steht im Buch Deuteronomium im Alten Testament. Da heißt es: Daran sollst du erkennen: Jahwe, dein Gott, ist der Gott; er ist der treue Gott; noch nach tausend Generationen achtet er auf den Bund und erweist denen seine Huld, die ihn lieben und auf seine Gebote achten. Versuchen wir es. Sieben Wochen sind dafür eine ziemlich gute Zeit.

Asche als Dünger für den Glauben

Echte Größe zeigen

Hast Du das mitbekommen? Den Sturz des „Vierfachgottes“ Malinin in der Eiskunstlaufkür in Mailand? Ich habe es in einer Zusammenfassung am nächsten Tag gesehen und war richtig betroffen. Dieser junge Amerikaner hatte die letzten Jahre das Eiskunstlaufen zu einer unglaublichen Artistikshow gemacht und die meisten der Sprünge vierfach gezeigt, wo andere schon Mühe haben, sie dreifach zu drehen und zu stehen. Allen ringsum war das Erschrecken anzusehen und er selbst hat die Hände vors Gesicht geschlagen und hat tiefblass die zu erwartenden schlechten Noten und den Absturz auf Platz acht registriert. Aber dann saß, nur einige Meter entfernt, der junge Mann aus Kasachstan, der nicht weniger erstaunt verfolgt hatte, wie er, der als Fünfter im Ranking gestartet war, nach jedem Lauf der Konkurrenz immer noch in Führung blieb und am Ende als Olympiasieger ebenso die Hände vors Gesicht geschlagen hat, vor ungläubigem Erstaunen und gar nicht fassen können, was er soeben erlebt hatte.Und dann kommt der „Vierfachgott“ Malinin, als den er sich selbst bezeichnet hatte, lächelt schon wieder und umarmt den Sieger fest und herzlich und der Kommentator wusste, dass sie gute Freunde sind. Das ist wirklich Größe und bleibt mir im Gedächtnis dieser bisherigen olympischen Tage. In einer solchen Situation das eigene Lächeln wiederzufinden und dem Freund mitzugeben, das erinnert mich an dieses schöne kleine Gebet, dass von Thomas Morus stammt. Er betet:„Schenke mir eine heilige Seele, Herr, die im Auge behält, was gut und rein ist, damit sie sich nicht einschüchtern lässt vom Bösen, sondern Mittel findet, die Dinge in Ordnung zu bringen. Schenke mir eine Seele, der die Langeweile fremd ist, die kein Murren kennt und kein Seufzen und Klagen, und lasse nicht zu, dass ich mir allzu viel Sorgen mache um dieses sich breit machende Etwas, dass sich "Ich" nennt. Herr, schenke mir Sinn für Humor. Gib mir die Gnade, einen Scherz zu verstehen, damit ich ein wenig Glück kenne im Leben und anderen davon mitteile. Amen“

Echte Größe zeigen

Heiter und vergnügt an Gott denken

Die Karnevalsmuffel haben die Hochburgen an Rhein und Main längst verlassen oder vergraben sich hinter der Olympiaberichterstattung. Alle anderen, mich inbegriffen, werden langsam aber sicher hibbelig und vorfreudig aufgeregt und können es kaum erwarten, dass es endlich losgeht – der vielgeliebte Rosenmontagszug. Für mich diesmal nur am Fernseher, aber für viele live und in Farbe in Köln, Mainz, Bonn oder auch in den vielen kleinen Städtchen und Dörfern. Aber, aber es ist doch immer noch Krieg in der Ukraine, da kann man doch nicht feiern? Und außerdem gibt es doch immer noch die Angst vor Anschlägen. Ja, der Krieg dauert immer noch an und ein Ende ist nicht abzusehen und Drohungen, die Feierfreude mit Anschlägen niederzumachen, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber wir feiern, weil nach all dem Schrecklichen der letzten Jahre die Sehnsucht nach Gemeinschaft, nach miteinander Singen und Tanzen, sich verkleiden und vergnügt sein, so groß ist. So ist das Leben: Krieg und Frieden, Freude und Leid, Angst und Jubel, Trauer und Erlösung liegen so dicht beieinander, dass es, gerade in unserer Zeit fast mit den Händen greifbar wird. Singen gegen die Angst, zusammenschunkeln gegen die Einsamkeit, Jubeln und Lachen gegen Hass und Hetze und das viele Böse. Die einen mögen es Schicksal nennen, gegen das man ohnehin nichts machen kann. Aber andere, ich auch, lebe eher aus einer Hoffnung und einer Gewissheit. Die Gewissheit, dass die Menschen schon oft unlösbar scheinende Katastrophen und Kriege überstehen und wieder neu anfangen konnten und die Hoffnung, dass da ein guter Gott ist, dem wir nicht gleichgültig sind, sondern der uns liebt und unsere Wege mitgeht – in Kreuz und Leid, in Lust und Fröhlichkeit und in allen graubunten Farben dazwischen. In einem Kindergarten malen Kinder viele schöne Karnevalsbilder. Die Erzieherin schaut zu und merkt, dass ein Mädchen sehr vergnügt kunterbunt malt. Was malst Du? wird sie gefragt. „Ich male Gott“, ist die klare Antwort. Aber es weiß doch niemand, wie Gott aussieht, gibt die Frau zu bedenken. „In einer Minute schon“ sagt das Kind. Ist das nicht herrlich? Ein Wort von Johann Wolfgang von Goethe, dem großen Dichterfürsten, passt wunderbar dazu. Er sagte einmal: „Wenn ich an Gott dachte, war ich heiter und vergnügt.“ Denken wir also heute, beim Feiern und Schunkeln zwischendurch immer mal an Gott und seien wir heiter und vergnügt.

Heiter und vergnügt an Gott denken

Echte Freunde sind lebenswichtig

Manch einer wird sich jetzt wünschen, dass der Hochschulpfarrer aus Düsseldorf mit einem Alaaf aus dem DOMRADIO in Köln grüßt. Das kommt mir eigentlich – und das dürfen die Düsseldorfer jetzt nicht böse nehmen– auch etwas leichter über die Lippen. Karneval ist etwas, das Menschen zusammenführt, egal unter welchem Wahlspruch, ob nun Alaaf oder Helau. Wir alle leben davon, dass wir miteinander feiern können und an diesen Tagen spüren – und vielleicht sehen wir auch alle–, dass Netzwerke zwischen Menschen wichtig sind. Aber ich sage euch, Freundschaften sind noch wichtiger, sind lebenswichtig. Denn einen Menschen zu haben, einen Freund, über den ja so viele Karnevalslieder singen, das ist ganz entscheidend. Einen Menschen zu haben, der mich kennt, bei dem ich nichts leisten muss, so wie im Karneval, bei dem ich einfach sein darf. Freundschaft ist mehr als Kontakt. Sie ist Beziehung, getragen von Vertrauen, Treue und einem gemeinsamen Ziel. Am Karneval darf man auch sagen, vom gemeinsamen Feiern. Diese Sehnsucht nach echter Freundschaft trägt jeder in sich. Papst Leo hat das in seinem Wahlspruch auf den Punkt gebracht. "In Illo uno unum". “In dem einen, in Christus, sind wir eins.” Freundschaft mit Gott führt zur Einheit untereinander. In der Apostelgeschichte begegnen uns zwei Freunde, Paulus und Barnabas. Nach seiner Bekehrung will Paulus sich den Jüngern Jesu anschließen, doch sie haben Angst vor ihm. Barnabas ist der einzige, der an ihn glaubt. Er vermittelt, ermutigt, öffnet Paulus Türen. Er erkennt Gottes Wirken dort, wo andere vielleicht nur das Risiko sehen. Karneval lädt uns ein, auf andere zuzugehen, Freundschaft zu ermöglichen, in dem einen den anderen zu erkennen. Und das wünsche ich euch allen für diesen Tag, dass ihr in der Ausgelassenheit dieser Tage auch wirklich Freundschaft, Verbindung und ein Miteinander findet. Denn denkt auch daran: Selbst wenn ihr in einer der großen Karnevalsgesellschaften seid, Netzwerke sind wichtig, aber Freunde, wirkliche Freunde, die sind lebenswichtig!Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und der Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Echte Freunde sind lebenswichtig

Bielefeld und die Liebe gibt es doch!

Am Karnevalssamstag hier im DOMRADIO in Köln über Bielefeld zu reden, ist vielleicht etwas vermessen und doch notwendig!Im letzten Jahr habe ich ein Brautpaar getraut, das sich in Bielefeld kennen und vor allem lieben gelernt hat. Und dabei gibt es diesen Ort doch gar nicht! Und doch entsteht dort Beziehung, kann eine Freundschaft wachsen, kann Liebe entstehen. Vielleicht ist es deshalb ein besonders schönes Bild für die Liebe selbst, sie lässt sich nicht immer beweisen und erklären, sie entzieht sich klaren Berechnungen. Und doch wissen wir ja alle, ihr wie ich, die Liebe ist da und sie trägt. Liebe entsteht oft dort, wo Menschen sich begegnen, mit unterschiedlichen Lebenswegen, Temperamenten und Talenten. Unterschiedlichkeit ist keine Schwäche, im Gegenteil, Unterschiedlichkeit kann zur Stärke werden. Denn Zusammengehörigkeit in Liebe bedeutet eben nicht, gleichförmig zu sein, verschieden zu sein und sich dennoch zu ergänzen. Das ist Liebe! Darum spricht der Kolossaberief im Neuen Testament der Bibel von der Liebe als einem Band, das alles zusammenhält und vollkommen macht. Kein Fesselband, sondern etwas Elastisches. Die Liebe wirkt dabei nicht nur verbindend, sondern auch heilend. Sie vollendet nicht im Sinn von Perfektion, sondern im Sinn von Ganzwerden. Ich wünsche euch an diesem Valentinstag, dass ihr aufmerksam werdet für die Unterschiede, die euch zusammenfügen. Und wenn ihr heute Abend vielleicht ein Pärchen trefft, das am Valentinstagt ausgeht und nicht dem Karneval fröhnt, dann denkt noch einmal daran, wie das so ist: Wir werden zusammengefügt in Unterschiedlichkeit. Das ist ein Geheimnis, genauso wie Bielefeld. Und letztlich wissen wir doch: Bielefeld und die Liebe gibt es.Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und die Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Bielefeld und die Liebe gibt es doch!

1000 Dank!

Der 1000. Morgenimpuls von Schwester Katharina!"Ich selbst finde das sagenhaft. Heute ist der tausendste Morgenimpuls, den ich mit Dir und euch heute beten darf. Wenn ich mir die prallvollen Ordner mit den Texten anschaue, die seit 2018 entstanden sind, kann ich selbst nur staunen. Der Anfang war unspektakulär und kam mit der Frage vom DOMRADIO, ob ich mal für ein paar Wochen den Morgenimpuls halten könnte. Und ich hatte Lust dazu und hab mal angefangen. Und erst vor ein paar Wochen hat mich eine Hörerin ermahnt, doch mal auf Kommentare auf Youtube, die den Morgenimpuls betreffen, zu antworten. Und da ist mir erst die unglaubliche Zahl der Podcasts aufgefallen. Und dann habe ich ein bisschen nachgedacht über die Zahl 1000. Und mir sind drei Dinge dazu eingefallen.Als begeisterte Bibelleserin fiel mir natürlich sofort der Psalm 90 ein, wo es heißt, dass bei Gott 1000 Jahre sind, wie der Tag, der gestern vergangen ist, und wie eine Wache in der Nacht. Was nichts anderes bedeutet als dass bei Gott eine andere Perspektive auf Zeit und Zahlen gilt als für uns Menschen. Von Gregor Linßen gibt es ein Lied, das mir jemand geschickt hat und schon der Refrain sagt etwas zu diesem 1000. Morgenimpuls. Da heißt es: "Tausend Jahre wie ein Tag, was auch kommen mag. Du weißt um mich und meine Sorgen, morgen ist heute für dich. Tausend Jahre wie ein Tag, was auch kommen mag, ich glaub, Du weißt um mich.“ Und ein paar Zeilen weiter heißt es: "Ich glaube an Dich Gott, der du der Geist der Wahrheit bist, der in mich eingehaucht die Quelle meines Lebens ist, der mich bewirkt hat und jetzt treibt“Und es gibt im Erzbistum Paderborn eine Kommunikationsinitiative "1000 gute Gründe“, die zeigt, wofür die Gläubigen und die Kirche heute stehen können: für Mut und Zuversicht, Gemeinschaft und Engagement. Da werden Geschichten und Aktionen und Mitmachangebote gebündelt, die Menschen im Alltag stärken und positive Perspektiven eröffnen können. Und es geht immer um konkrete Menschen und ihre Erlebnisse mit denen Mitten im Alltag, Gutes und Hoffnungsvolles entstehen kannUnd das ist es auch, was mir so viel Freude macht in diesem Dienst: von Menschen und Ereignissen zu erzählen, die Hoffnung und Zuversicht geben, in Alltagsgeschichten zu spüren, dass dahinter immer der Gott des Lebens glaubhaft wirken will und oft selbst AHA – Erkenntnisse zu haben, wenn ich mich in ein Thema, eine Bibelstelle, einen Festinhalt vertiefe und mir tausend neue Lichter aufgehen. Danke schön Dir und euch fürs zuhören und mitglauben, mitbeten und mitmachen!Ich würde jetzt nicht vermessen sein und sagen: auf die nächsten 1000, aber ich freue mich auf den nächsten, auf den eintausendersten Morgenimpuls am Rosenmontag."

1000 Dank!

Trauen wir Gott noch Wunder zu?

Glaubst Du an Wunder? Wir nüchternen Deutschen sind da doch eher skeptisch. Aber auch viele von uns haben schon Dinge erlebt, die so unerklärlich und so gegen jede Logik und jede Art von wissenschaftlichem Denken sind, dass wir gelegentlich eine Ahnung haben, dass es Dinge zwischen Himmel und Erde gibt, die wir nicht nüchtern und rational erklären können. Am 11. Februar 1858 sieht das vierzehnjährige Hirtenmädchen Bernadette Soubirous in einer Felsgrotte bei Lourdes zum ersten Mal die „Dame“, die sich als “die Unbefleckte Empfängnis“ vorstellte. Bernadette hatte diesen Titel noch nie gehört und es machte ihr Mühe, ihn richtig weiter zu geben. Die Erscheinung wiederholte sich bis zum 16. Juli an weiteren siebzehn Tagen. Dabei hat Maria die Menschen zur Wallfahrt an diesen Ort, vor allem aber zu Gebet und Umkehr zu Gott eingeladen. Zu der Grotte, in der auch eine Quelle entspringt, sind seither Millionen von Pilgern mit ihren leiblichen und seelischen Nöten gekommen. Seither soll es dort rund 30.000 Heilungen gegeben haben; 6.000 sind dokumentiert und 2.000 davon gelten als „medizinisch unerklärlich“. Nur 70 Heilungen wurden von der Kirche als Wunder eingestuft. Aber der Glaube der Pilger weiß viel mehr. Ich habe Menschen erlebt, die eine Reise nach Lourdes geschenkt bekommen haben und tatsächlich aus Neugier gefahren sind. Und sie sind nach Hause gekommen mit einem inneren Getröstet-sein, mit einer Gewissheit von Gottes Nähe und Güte, dass man das sogar als Außenstehende das gespürt hat. Trauen wir Gott eigentlich wunderbare Geschehnisse zu? Ein Gast hier bei uns im Konvent hat mir mal eine Postkarte dagelassen, die mich seitdem sehr unmissverständlich auffordert. Da steht nämlich ganz einfach: "Sei realistisch. Plane ein Wunder"

Trauen wir Gott noch Wunder zu?

Tränen sind Fürbitten ohne Worte

Ich weiß ja nicht, wie es Dir geht. Ich bin absoluter Sportfan und Olympia zu schauen und abends eine Nachlese mit allen Höhepunkten zu sehen, ist wirklich schön. Biathlon und Skispringen finde ich persönlich am spannendsten, weil es so herrlich unberechenbar ist und manchmal alles anders läuft als alle gedacht haben. Und dann sehe ich, wie bei der Siegerehrung für die Skispringerinnen zwei der Athletinnen weinen. Die eine vor überströmendem Glück und die andere aus tiefster Enttäuschung, weil der Sieg eingeplant war, wie die ganze Saison fast immer nur Siege waren und jetzt ist sie nur Zweite. Wer die beiden jungen Frauen in dieser Situation als ein einzelnes Foto sehen würde, könnte kaum einordnen, was da ist. Tränen sind Tränen. Das ist das Wunderbare an uns göttlich geschaffenen Menschen. Wir können vor Freude faktisch überströmen mit Tränen, und ebenso vor Kummer. Die Tränen sind das Ventil für beides. Wenn wir es zulassen können. Manchmal sind wir aber so fest und hart geworden, dass wir sogar dieses Ventil fest zuhalten, damit ja niemand merkt, wie es uns geht. Ein kluger Mensch hat einmal gesagt: Tränen sind Fürbitten ohne Worte. Also bei der einen die Bitte darum, dass dieses erlebte Glück bleiben möge und Leib und Seele hell macht auf lange Zeit. Und vielleicht die Bitte bei der anderen, dass diese Niederlage trotzdem bei ihm aufgehoben ist und um Trost und Hilfe. In der Offenbarung des Johannes steht im 21. Kapitel das schöne Wort: „Gott wird dann abwischen alle Tränen von ihren Augen“ Diese Zusage spendet die große Hoffnung, dass Leid und Freude, die ja immer, und nicht nur im Sport zu uns und unserem Leben gehören, aufgehoben sind bei Gott und seiner Zusage, bei uns zu bleiben bis zum Ende der Welt.

Tränen sind Fürbitten ohne Worte

Vergessen wir unsere jüdischen Schwestern und Brüder nicht!

Ich habe einige Male Erfahrungen gemacht mit Stolpern und Hinfallen und Knochen brechen und mühsam wieder repariert werden. Da waren dann übersehene Stufen oder spiegelglatte Eisflecken, unter feinem Pulverschnee. Heute geht es hier in Olpe um bewusst zu legende Stolpersteine. "Jüdisches Erbe" wird sichtbar: Stolpersteine in Olpe heißt eine Aktion mit einem Vortrag heute Abend und der Verlegung dieser golden glänzenden Steine morgen in der Stadt. Seit nun fast zwei Jahren hat nämlich eine Gruppe aus Bürgerinnen und Bürgern, Schülerinnen und Schülern sowie Lehrern der weiterführenden Schulen gemeinsam mit der Kreisstadt Olpe ein Konzept zum "Jüdischen Erbe" in Olpe erarbeitet. Ziel ist es, das Jüdische Leben während der Zeit des Nationalsozialismus sichtbar zu machen, um mit einem mahnenden Blick auf den vergangenen und leider auch gegenwärtigen Antisemitismus aufmerksam zu machen.Es sollen Orte der Erinnerung an die Opfer entstehen; kreative Projekte und Veranstaltungen werden das Gedenken an die Jüdinnen und Juden wie auch allen anderen Opfern des Nationalsozialismus lebendig halten.Ein markantes und inzwischen weltweites Symbol der Gedenkkultur sind die "Stolpersteine" des Künstlers Gunter Demnig, Bis heute wurden weit über 100.000 Stolpersteine verlegt. Diese ersten Steine hier erinnern an die jüdischen, einst hoch angesehenen Familien Lenneberg und Emanuel, die von Nationalsozialisten gedemütigt, beraubt und vertrieben wurden und an "Mia" Bonzel, eine katholische Olperin, die wegen ihrer Heirat mit einem Juden im Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück ermordet wurde.In der derzeitigen gesellschaftlichen Debatte um die Art der Erinnerungskultur in unserem Land ist es notwendig und richtig, immer wieder zu stolpern und zu bedenken, dass wir als Christen eine Verantwortung haben, unsere jüdischen Schwestern und Brüder nicht zu vergessen und wach zu bleiben gegen jede Art von Menschenverachtung aus allen Richtungen. Bleiben wir wach.

Vergessen wir unsere jüdischen Schwestern und Brüder nicht!

Anbeten und anpacken gehören zusammen

Zwei Tage lang feiern wir zwei Powerfrauen hier in Olpe. Gestern am Sonntag Agatha, die im 4. Jahrhundert für ihren Glauben an Gott gefoltert und getötet wurde. Und heute eine Powerfrau aus dem 19. Jahrhundert, die ihr ganzes Leben Gott und den Menschen gewidmet hat. Maria Theresia Bonzel. Sie ist in Olpe geboren und hat ihr ganzes Leben hier gelebt.Und sie hat schon als Schulkind und Jugendliche mit ihrem Onkel Arnold, der sehr vermögend, aber eben auch überzeugter Christ war erfahren, dass es in der kleinen Stadt viel Armut und Not gab. Der Onkel hat sie immer mitgenommen, in die Heilige Messe am frühen Morgen und am Abend, wenn es nicht mehr hell war, zu den verschämt Armen. Denen hat er sehr konkret geholfen: mit Lebensmitteln im Rucksack, mit Geld, um Rechnungen zu bezahlen und mit dem Versprechen, sich zu kümmern. Also hat das junge Mädchen sehr früh verstanden, dass beides zusammengehört: das Beten und Gottesdienst feiern und die Hilfe für Menschen, die in Not sind und ganz konkret Hilfe brauchen.Ich denke ganz oft, dass wir in schwierigen Zeiten leben und viele von Euch denken das auch. Aber wenn ich dann an die Zeiten von Theresia Bonzel denke, scheinen mir unsere Probleme echt kleiner. Schon zwölf Jahre nach der Gründung ihrer Gemeinschaft 1863 gab es drastische Verbote durch die damalige Regierung. Es durften keine neuen Mitglieder mehr in die Ordensgemeinschaft aufgenommen werden, das Waisenhaus musste geschlossen werden und vieles mehr. Lediglich die Krankenpflege war noch möglich. Und noch dazu machte der Protektor der Vinzentinerinnen, die im Krankenhaus tätig waren, Mutter Theresia das Leben schwer. Mit Verleumdungen und falschen Behauptungen, mit Anzeigen beim Bischof in Paderborn hat er alles versucht, die Franziskanerinnen aus Olpe zu vertreiben. Dabei sind mir bei Mutter Theresia zwei wichtige Wesenszüge aufgefallen. Zum einen hat sie den Anordnungen der Regierung und der örtlichen Behörden Folge geleistet und alles getan, um die Schwestern und ihre junge Gründung zu schützen. Aber dann hat sie immer auch mit Mut und Courage und einer ziemlichen Portion Bauernschläue, Wege gefunden, die die weitere Existenz möglich gemacht hat. Sie selbst hätte das wohl eher als Gottvertrauen bezeichnet und da ist ja auch was dran. Wenn wir heute Abend Gottesdienst feiern und dann mit einer Lichterprozession vom Mutterhaus zu ihrem Grab in der Martinuskirche gehen, dann denken wir sehr daran, dass es genau das ist, was authentische Christsein ausmacht: Anbeten und Anpacken – Gott die Ehre geben und sich engagieren für die Menschen, die unsere Hilfe brauchen.

Anbeten und anpacken gehören zusammen

Hat Gott ein Muster?

Der Februar ist irgendwie wie die Rückseite vom Winter. Die schöne geschmückte Vorderseite ist der Advent und jetzt zeigt uns der Winder die kalte Schulter. Vielleicht fängt der Köllner deswegen direkt nach Weihnachten mit dem bunten Karnevalstreiben an. Nach Tannenbaum kütt de Narrenkapp! Ich mag Rückseiten. Als Kind fand ich es unfassbar spannend zu entdecken, dass Teppiche von unten ihr Muster nicht zeigen. Vielleicht ist das mit Gott auch so. Vielleicht sehen wir hier nur seine Rückseite. Ich find das nicht schlimm, dann habe ich ja noch Hoffnung, dass es mir gelingen kann, die Vorderseite zu entdecken. Aber ich will nicht glauben, dass das erst am Ende meiner Tage passiert. Das ist mir zu wenig Zuspruch von einem Gott, dessen Reich bereits angebrochen ist. Ein Gott, der bereits mitten unter uns ist. Wer weiß, wer entschieden hat, dass ich den Teppich nur von unten betrachte. Vielleicht war das gar nicht Gottes Idee, sondern meine. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und die Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Hat Gott ein Muster?

Gott gibt keine Noten

Gestern am Freitag gab es mal wieder Zeugnisse und ich bin Lehrerin. Und jetzt? Ich mag es nicht. Ich habe doch immer das Gefühl, dass ich Lernende auf eine Zahl reduziere. Und das muss ich eben auch. Ich habe mal gelesen. Für Gott sind wir immer 1+. Bitte nicht! Wäre ich immer 1+ würde das zu viel Druck machen oder aber eben genau das Gegenteil. Wenn alle eins plus sind, dann ist eins plus nichts mehr wert. Noteninflation. Ich glaub für Gott bin ich gar nichts. Im absolut positiven Sinn. Ich glaub die Beziehung, das Band zwischen mir und Gott ist bewertungsfreier Raum. Weder bin ich immer toll, noch nur die Sünderin. Da ist einfach für mich ein dickes helles Band, eine Bindung, die mich an Gott und damit an das Leben selbst bindet. Das ist an sich wunderbar und gut. Bedarf also gar keiner Beurteilung. Der DOMRADIO-Morgenimpuls: Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und die Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Gott gibt keine Noten

Was Olympia mit einem schönen Gottesdienst verbindet

Die Elemente sind klar: Lichter entzünden, Einzug halten, verschiedene Musik spielen, Texte lesen, Ansprachen halten, Credo. Alles wie in einem Sonntagsgottesdienst oder auch bei einer großen Feier bei der Ankunft einer Pilgerfahrt, dem Abschluss eines Kirchentages, einer Hochzeit oder einem anderen Ereignis mit einem schön gestalteten Gottesdienst. Aber ich rede nicht von einem Gottesdienst, sondern von der Eröffnung der olympischen Winterspiele in Mailand heute Abend. Viele solcher Feiern haben die Abläufe einer Heiligen Liturgie. Die Begrüßung der Menschen im Stadion, der Einmarsch der vielen tausend Sportler, Betreuer, Freiwilligen, Wettkampfrichter, Offiziellen der einzelnen Länder mit Fahnen und Musik. Dann Ansprachen und die offizielle Eröffnung, Entzünden des Feuers und das Credo – das Gelöbnis der Teilnehmenden und Kampfrichter. Ich bin immer wieder beeindruckt über solche Feierlichkeiten und manchmal gehen sie sogar unter die Haut: wenn etwas so schön ist, dass es uns bewegt, wenn es witzig ist und wir lachen, oder wenn sich endlich das Rätsel löst, wer der letzte Sportler ist, der die Olympische Flamme entzünden darf.Bei dieser Feier geht es um das Lob des Sports, der viele Millionen Menschen verbindet, Gemeinschaft stiftet und Leistungen lobt und Gewinner mit Medaillen ehrt und in ihren Ländern oft mit Geld oder Autos oder Anderem belohnt. Im Gottesdienst geht es um das Lob Gottes und die Gewissheit, dass ich bei ihm nichts leisten muss, um akzeptiert zu werden. Es geht um Gemeinschaft der Glaubenden und Stärkung für den Alltag, um die Zusagen Gottes in Wort und Brot. Und ich gebe gerne zu: ich mag Beides. Ich liebe schön gefeierte Gottesdienste mit Musik und Worten aus der Bibel und Heiligen Geheimnissen und Zeichen. Und ich liebe solche Stadionliturgien und die Freude und Spannung die dann entsteht und die Vorfreude auf die Wettbewerbe. Ich werde also am Wochenende beides genießen: einen schönen Sonntagsgottesdienst und die Feiern an den Sportstätten, die Wettbewerbe und die Siegerehrungen mit den Lobgesängen der einzelnen Länder und der Freude der Gewinner.

Was Olympia mit einem schönen Gottesdienst verbindet

Wir Katholiken sind schon speziell

Wir Katholiken sind schon manchmal ziemlich speziell. Wir Katholiken in Olpe im Sauerland auch: heute zum Beispiel fasten ganz viele von uns, geben im Laufe der nächsten Tage Almosen in eine Kiste in der Kirche, die dann dem Bürgermeister gebracht wird, damit er akute Not schnell lindern kann, gehen am Sonntag in den Festgottesdienst, wo der Rat der Stadt ein uraltes Gelübde dem Pastor nachsprechen wird, dann in Anbetungsstunden, hören eine hoffentlich gute Predigt, gehen mit dem Allerheiligsten durch die, mit Kerzen beleuchtete Stadt und singen mit Inbrunst, vom "Haus voll Glorie schauet, weit über alle Land" und dann nachhause und genießen ein festliches Abendessen mit köstlichen italienischem Speisen und gutem Wein. Und warum das Ganze? Zunächst weil mal wieder die Stadt abgebrannt war und deshalb, der Rat der Stadt, also nicht der Pfarrer oder die katholische Gemeinde, 1665 beschlossen hatte, dieses Gelübde abzulegen und die Heilige Agatha als Schutzpatronin gegen Feuersnot zu bitten, ihre Stadt zu verschonen. Weil auf die Fürsprache der Heiligen in Catania auf Sizilien mehrfach ihre Stadt vor dem Ausbruch des Ätna verschont worden war.Wenn sich über viele hundert Jahre bis heute die Verehrung für eine junge Frau erhalten hat, muss da doch etwas mehr dran sein als nur Brauchtumspflege und Respekt vor alten überlieferten Texten. Und genau das ist es: Agatha, diese junge Frau steht für die vielen Christinnen und Christen in der langen Geschichte des Christentums, die mit Mut, starkem Glauben, innerer Freiheit und Gelassenheit für Jesus Christus eingetreten sind, auch wenn es sie das Leben gekostet hat. Es ist gut, himmlische Fürsprecher zu haben, die auch uns in existenziellen Nöten in Kirche und Gesellschaft zur Seite stehen und Vorbild sein können.

Wir Katholiken sind schon speziell

Um was geht es wirklich?

Bei uns in der direkten Nachbarschaft ist ein sehr altes Haus generalsaniert worden und ich konnte von meinem Zimmer aus die Fortschritte immer wieder beobachten. Aber ich konnte und kann die Bauarbeiten auch immer hören: die Anlieferung von Gerüsten und den Aufbau, die Betonmischer und Lastenheber, die Bauarbeiter und ihre Musik, die Kräne für die großen Betonteile. Jetzt ist das Haus fertig und die ersten Mieter sind schon eingezogen. Aber das ringsum, die Wege und Kanten müssen noch gemacht werden und das ist echt laut. Seit Tagen sind die Bauarbeiter mit Rüttelmaschinen beschäftigt, die den Boden verfestigen und so laut sind, dass ich die ersten Tage immer einen Hubschrauber vermutet und den Himmel danach abgesucht habe.Ich musste tatsächlich erst ums Haus herumlaufen um zu sehen, dass es tatsächlich nur eine solch kleine Maschine ist, die einen solchen Lärm veranstaltet. Das sind so Sachen, die wir aus dem normalen Miteinander im Alltag auch kennen: da gibt es eine Vermutung, einen Verdacht, einen Argwohn, und wenn man dem nicht wirklich nachgeht, um die wirkliche Ursache zu klären, bleibt ein dummes Gefühl im Raum und wird zu einem Gerücht, zu einer Mutmaßung, einer Unterstellung. Im Evangelium, das heute gelesen wird, wundert sich Jesus darüber, dass die Leute aus seiner Heimatstadt seiner Botschaft nicht glauben können. Sie sind so damit beschäftigt, sich über ihn und seine Familie und sein Umfeld aufzuregen, und ihm alles Mögliche zu unterstellen, dass sie die wirkliche Botschaft überhaupt nicht mehr wahrnehmen. Man kann sich über die Kirche, die Mitarbeitenden der Kirche, deren Fehler und Sünden und die Strukturen sosehr aufregen, dass man überhaupt nicht mehr mitbekommt, worum es eigentlich geht: um die Verkündigung der guten Nachrichten Gottes an seine Menschen.Es ist eine gute Idee, immer mal wieder den Dingen um mich herum auf den Grund zu gehen um mich nicht immer nur von den lauten Äußerlichkeiten beeindrucken zu lassen, sondern auf den wirklichen Kern der Botschaft zu kommen.

Um was geht es wirklich?

Kein katholischer Hokuspokus

Jede und jeder kennt das: es gibt Zeiten und Phasen im Alltag, da wachsen uns Sorgen irgendwie über den Kopf. Wenn Krankheit, Schwierigkeiten im Beruf und in der Familie, finanzielle Probleme oder grundsätzliche Entscheidungen schlaflose Nächte machen.Dann haben wir manchmal das Gefühl, dass es uns die Kehle zuschnürt, dass wir kein Wort mehr herausbekommen oder sogar mühsam nach Luft schnappen.Und dann gibt es einen Segen, der viele Jahrhunderte alt ist und völlig aus der Zeit gefallen scheint: den Blasiussegen. Zwei gekreuzte, brennende Kerzen ganz nahe vor das Gesicht gehalten und ein Segensgebet gesprochen. Das ist kein katholischer Hokuspokus, sondern ein Gebet das zusagt, dass Gott durch all diese Sorgen und Nöte mitgeht und Dich im Blick behält und Dich stärkt. Das ist die eine Seite dieses Segens. Es gibt noch eine andere Seite.Die katholische Gemeinde Sankt Blasien im Schwarzwald weist darauf hin, dass der Heilige Bischof Blasius, an den wir heute denken, eben auch als jener "Schutzpatron gegen die Gefahr des schnellen, unpassenden und vor allem verletzenden Wortes" empfohlen werde - um den Frieden zu wahren. Was schnelle, unpassende und verletzende Worte anrichten können, erleben wir jeden Tag in den Nachrichten und den Medien. Wir selber sind davon aber auch nicht immer frei, weil man manchmal raushaut, was im Inneren brodelt und es uns dann manchmal leidtut, wenn es ausgesprochen worden ist.Ich hoffe also auch für mich und uns, dass wir durch die Fürsprache und den Segen bewahrt werden vor Halskrankheiten und allem Bösen aber auch vor unpassenden und verletzenden Worten gegenüber anderen aus unserem eigenen Mund.Montag bis Freitag erzählt die Olper Franziskanerin Schwester Katharina von ihren Gedanken zu Gott und die Welt. Samstag und Sonntag sprechen im Wechsel die Religionslehrerin Vanessa Grbavac und Pfarrer Stefan Wißkirchen darüber, wie sie Glauben und Alltag miteinander verbinden. Im Radio um viertel nach 6 Uhr und als Podcast.

Kein katholischer Hokuspokus

Dass uns ein Licht aufgeht

Immer Anfang des Jahres bekommen wir eine Liste mit den Jubilarinnen unserer Ordensgemeinschaft in den verschiedenen Ländern. Und in diesem Jahr gibt es sage und schreibe eine Schwester, die 80 Jahre im Kloster ist und einige mit 75 oder 70 Jahren. Sie haben sich also in ganz jungen Jahren dazu entschieden und sind diesen Weg ein Leben lang in Geduld gegangen und haben auch ihre Pflichten treu getan.Auch Maria und Josef tun ihre religiöse Pflicht. Sie bringen ihren Erstgeborenen in den Tempel, um ihn Gott zu weihen und geben die vorgeschriebene Opfergabe ab. Aber dann passiert, dass der sehr alte Simeon dieses eine Kind, unter den vielen Neugeborenen, die im Tempel Gott geweiht werden, dieses eine Kind als das erkennt, das bedeutsam für sein Volk und sein eigenes Leben werden soll. Der alte Simeon wartet im Tempel auf die Erfüllung einer Offenbarung. Ihm war gesagt worden, dass er nicht eher sterben werde, bis er den Messias, den Retter aller Menschen, gesehen hat. Als Maria ihm schließlich das Jesuskind in die Arme legt, stimmt Simeon ein Loblied an: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen, dass du vor allen Völkern bereitet hast, ein Licht, das die Heiden erleuchtet, und Herrlichkeit für dein Volk Israel."Und auch Hannah, eine uralte Prophetin, die seit Jahrzehnten im Tempel lebt, erkennt dieses Kind und spricht darüber zu allen, die im Tempel sind. Simeon und Hannah haben ihr ganzes Leben darauf gewartet und gehofft, dass sie es sein werden, die diesen Messias noch erleben werden, der seit hunderten von Jahren verheißen und vom Volk erwartet wird. Und ihre Hoffnung wird erfüllt. Sie konnten aber nicht ahnen, dass es ein Säugling sein würde, den sie begrüßen und sehen würden. Viele haben einen Fürsten, einen König, einen Revolutionär, einen Kämpfer, einen Machthaber erwartet, der das Volk von innerer und äußerer Fremdherrschaft erlöst und befreit. Aber es ist ein Kind. Und sie erkennen ihn, weil sie sich auf Gott und nicht auf ihre eigenen Vorstellungen verlassen. Ihnen ist in diesem Kind sozusagen ein Licht aufgegangen.Beten wir heute für uns alle in unserer Kirche, genau um das: dass uns ein Licht aufgeht und wir ein bisschen mehr erkennen, wie dieser Gott liebt und lebt und wie deshalb Christsein heute gehen kann. Und dass er uns Geduld gebe zu diesem Warten auf ihn und für all den Alltagskram, der im Moment von jedem von uns die je eigene Geduld fordert.

Dass uns ein Licht aufgeht

Gott kennt seine Kinder

Auf Facebook und anderen mehr oder weniger sozialen Medien nutzt man ja die Möglichkeit Leute zu entdecken, sie anzufragen, ob man befreundet sein will und wird in die Freundesliste aufgenommen. Oder ich werde selbst angefragt. Dieser Tage kommt also eine Anfrage von einer jungen Frau und ich habe mir die Fotos und Informationen angeschaut und dann zugesagt. Fast augenblicklich haben wir dann mit einem Chat begonnen mit der Frage dieser jungen Frau: Kennen Sie mich noch?Oje, ich musste gestehen, ich hatte keine Ahnung, woher ich sie kennen sollte, und habe etwas ausweichend geantwortet. Aber für sie war es eine ausreichende Zusage und es sprudelte nur so aus ihr heraus: Ich war doch im Mutter-Kind-Haus in Olpe und Sie haben sich immer mit mir unterhalten. Es war eine tolle Zeit für mich und mein Kind und habe so viel gelernt und bin so froh, mich damals so entschieden zu haben usw. und so fort.Ich war ganz angerührt und habe nach einer ziemlich langen Zeit gefragt, wie es denn heute geht. Sie hat mir erzählt, dass sie schon drei Jahre in einer neuen festen Partnerschaft lebt und ihr Sohn nicht mehr bei ihr lebt, sie ihn aber besucht und er schon groß und schon sieben Jahre alt ist. Und dass es ihr gut geht. Und da waren dann mehr als zwei Seelen in meiner Brust: Ich war sehr froh, dass sie die Zeit in Olpe als gute Zeit erlebt und reflektiert hat. Ich war traurig, dass ihr Sohn nicht mehr bei ihr lebt und habe Mitgefühl mit dem Kind, und ich bin froh, dass sie eine für sie schon so lange bestehende Beziehung hat, die ihr gut tut und sie gut damit leben kann.Nach dem Chat bin ich in die Kapelle gegangen und habe für sie gebetet und für Ihren Sohn und für Ihre Beziehung und für die Zukunft. Bei Gott bin ich mir sicher, dass sie nicht fragen muss: Kennst Du mich noch? Gott kennt seine Kinder und begleitet sie durch ihr Leben auf all ihren für uns oft so scheinbar verworrenen Wegen. Und das tröstet mich sehr.

Gott kennt seine Kinder

Schlagzeilen

Wenn ich morgens die Zeitung in die Hand nehme, sehe ich nur die dickste Überschrift, also die Hauptschlagzeile. Die Zeitung selber lese ich meistens mittags oder abends. Die Hauptschlagzeilen der letzten 4 Tage waren: "Auf der Piste mit der Bergwacht", dann "Fast wie im Bürgerkrieg", als nächstes "Traut euch" und dann "24 Asse serviert".Und bei allen vier Schlagzeilen wusste ich sofort, worum es gehen würde: um den Rettungsdienst in Skigebieten, um die unglaublichen Zustände in den USA, um die Ankündigung einer Messe für Hochzeitstrends und um ein glänzendes Tennismatch von Alexander Zverev. Ich kann das wissen, weil ich mich dauerhaft informiere und vielfältige Infoquellen nutze.So geht es auch mit den Schlagzeilen der Bibel, des Alten und Neuen Testamentes und vieler Kirchentexte. Oft kann ich sie nur verstehen und davon wissen, wenn ich mich immer weiter informiere, immer wieder die täglichen Lesungen anschaue, Hintergründe erforsche und neuere Kommentare zur Bibel lese.In der heutigen Lesung aus dem 1. Petrusbrief heißt es: "Dient einander als gute Verwalter der vielfältigen Gnade Gottes, jeder mit der Gabe, die er empfangen hat!" Zunächst klingt das in unseren heutigen Ohren, als sei das ein Verwaltungsakt, der zu erledigen sei. Und damals waren Verwalter die bekannten Leute, die für die Gutsbesitzer die gesamte Arbeit organisiert haben. Aber dieses 4. Kapitel im 1. Petrusbrief will über das richtige Verhalten als Christ in der Welt informieren. Und damit sind alle gemeint, die von Gott so vielfältige Gaben und Talente bekommen haben. Und die sollen sie nutzen für die Mitmenschen und das Zusammenleben. Denn dafür hat man sie bekommen.Die Hauptschlagzeile über dem heutigen Tag könnte also lauten: "Behaltet eure Talente und Fähigkeiten nicht für euch selbst, sondern setzt sie ein für die Gemeinde, die Gesellschaft, die Kirche, das Land." Und ich denke, dass kann jede und jeder von uns verstehen.

Schlagzeilen

"Wahrheit tief verborgen"

Für Thomas von Aquin, dessen Tag wir heute feiern, war die Stadt Köln Ursprungsort seines späteren Wirkens. Von 1248 bis 1252 lebte und studierte er hier. In Köln war er mit seinem Lehrer Albertus Magnus (um 1200-1280) an der Gründung des Studienhauses der Dominikaner beteiligt, das zum Vorläufer der Universität wurde. In Köln erhielt er als Assistent Alberts die wesentlichen Prägungen seines Denkens. Dort entstanden seine ersten Werke. Und in Köln empfing er die Priesterweihe.Ich habe meine Mitschwester, die begeisterte Theologin ist, gefragt, was ihr zu Thomas von Aquin so ganz spontan einfallen würde. Und sie hat gelacht und mir zwei Dinge erzählt: zum einen, dass es seinen Schreibtisch wohl noch gibt, der an der Seite, an dem Thomas zu sitzen pflegte, halbrund ausgesägt war, weil Thomas eine solche Körperfülle hatte, dass es sonst zu unbequem gewesen wäre. Und sie hat von einer Führung in der Kölner Diözesan- und Dombibliothek erzählt, wo man ihnen frühe theologische Werke zeigen konnte, die Thomas zu seinem Studium benutzt hat und wo Thomas als Student reingeschrieben, Randbemerkungen und neuere Erkenntnisse drübergeschrieben hatte. Man konnte das genau nachweisen, weil man die Handschrift erkannt hat. Was mir und uns zu diesem großen Theologen – glaub ich – eher bekannt ist, ist eine seiner großen Hymnen aus seinen Dichtungen und Gebeten zur damals neu aufgekommenen Fronleichnamsprozession und grundsätzlich zur Anbetung der hl. Eucharistie. "Gottheit tief verborgen", wobei die ursprüngliche Übersetzung, wenn man seinem Werk und Denken folgen würde, eigentlich heißen müsste "Wahrheit tief verborgen, betend nah ich Dir". Mich beeindruckt sehr, dass ein so großer Universalgelehrter seiner Zeit solche tiefgründigen Hymnen und Gebete geschrieben hat, die der einzigen Wahrheit seines Lebens huldigen, dem Herrn Jesus Christus.

"Wahrheit tief verborgen"

Wohlbehütet

In früheren Jahrhunderten war es völlig unüblich, ohne Kopfbedeckung, also ohne Schleier, Tuch oder Hut das Haus zu verlassen. Und wer etwas auf sich hält, wie man früher sagte, tut es auch heute noch. Eine alte Dame hier im Städtchen würde nie ohne Hut sonntags in die Kirche kommen und auch sonst ist sie immer mit passendem Hut zu Mantel oder Kostüm ausgestattet. Manche kennen noch den Ausdruck "gut betucht sein". Ganz klassisch bedeutete es tatsächlich, in besonders guter Kleidung zu sein und wenn man sich gute Kleidung, gutes Tuch leisten konnte, hatte man genügend Geld, war also gut betucht.Aber mit den Hüten ist es ganz anders. Wenn man sagt: "Der ist aber gut behütet", dann ist tatsächlich nicht gemeint, dass er besonders teure und edle Hüte trägt. Das habe ich früher tatsächlich bei diesem Wort immer gedacht. "Bleiben Sie behütet", das sagt immer mal am Ende eines Vortrages ein Exerzitienmeister. Was heißt das denn dann? Im Netz habe ich mehrere Bedeutungen gefunden: auf etwas Acht geben, es bewachen, sichern und vor Schaden schützen. Auf jemanden Acht geben, aufpassen, betreuen und vor Unangenehmem bewahren. Also bedeutet dieser Wunsch des Exerzitienmeisters: Bleib bei dem Gedanken, dass Gott dich beachtet, auf dich achtet, vor Schaden bewahrt, dich sicher geleitet und beschützt."Wer unterm Schutz des Höchsten steht, im Schatten des Allmächtgen geht" ist eines der vielen Lieder, die genau das besingen und dem Singenden zusagen, dass er daraus Mut und Zuversicht und Hoffnung schöpfen kann, weil da einer ist, der mich behütet. Also egal ob du Tuch oder Kapuze, Schleier oder Kopftuch, Helm oder Hut aufhast, bleib unter Gottes Schutz wohl behütet.

Wohlbehütet

Mein Lebensweg: normal und gut, aber doch irgendwie anders

Diese Woche ist für mich und viele andere eine besondere Woche. Im Mutterhaus begleite ich jeden Tag eine sechste Klasse bei ihrem „Klostertag“ Seit vielen Jahren gibt es diese besonderen Tage für die SchülerInnen und ihre Lehrer. In unserer Franziskusschule, die seit 1870 besteht, waren früher alle Lehrerinnen Schwestern unserer Gemeinschaft, und so war es normal, dass die Schüler Ordensleute erlebt und kennengelernt haben. Da das aber seit 2005 nicht mehr so ist, haben wir uns diese Klostertage einfallen lassen. Die Klasse kommt also zu 8 Uhr ins Mutterhaus und wir beginnen mit einer gemeinsamen Gebetszeit in der großen Mutterhauskirche. Immer werden ein oder zwei Geschichten aus dem Leben von Franziskus von Assisi erzählt und manchmal bin ich erstaunt, wieviel die Kinder tatsächlich schon über ihren Schulpatron wissen.Danach gehen sie in drei Gruppen zu drei verschiedenen Angeboten, die dann alle 45 Minuten wechseln. Und mittendrin ist Frühstück im großen Speisesaal mit einigen Schwestern. Und kurz vor Schluss ist dann immer eine rasante Runde mit: Was ich schon immer mal fragen wollte. Und da wird es spannend. Die Kinder haben ihre Scheu abgelegt und wagen zu fragen nach Lebensart der Schwestern, Kleidung, Gebet und Alltag. Aber natürlich auch nach Smartphone, Auto, Fernseher und Computer und so weiter. Und voriges Jahr hat ein Mädchen in Ruhe der ganze Runde zugehört und als sie dran war gesagt: das klingt alles ziemlich normal aber ist doch irgendwie anders. Das hat mir gefallen. Leben und Zusammenleben kennen die Kinder von zuhause und dass die Schwestern arbeiten und dazu die Materialien brauchen, haben sie erkannt und auch, dass sie zusammen beten. Dieses „irgendwie anders“ hat sie so beschäftigt, dass sie im Advent zum Mädchenwochenende ins Mutterhaus gekommen ist, um mehr davon mitzubekommen. Für sich selbst zu erkennen, dass es Lebenswege gibt, die normal und gut sind, aber doch irgendwie anders, ist eine gute Voraussetzung für eigene Entscheidungen später.

Mein Lebensweg: normal und gut, aber doch irgendwie anders

Wie kann man glaubwürdig sein?

Einen besonders gütigen und liebenswerten Heiligen feiern wir mit der Kirche morgen, aber ich möchte Dir heute schon von ihm erzählen. Franz von Sales hat von 1567 bis 1622 gelebt, war das älteste von zehn Kindern und sollte nach dem Willen des Vaters in den diplomatischen Dienst gehen. Er hat dann zwar Philosophie und Jura studiert, aber aus persönlichem Interesse auch Theologie. Nach seiner Anstellung als Rechtsanwalt und eigentlich mit der Aussicht auf eine glänzende Karriere als Senator, ließ er sich aber zum Priester weihen und wurde einer der besten Prediger seiner Zeit und damit beauftragt, die Bevölkerung rings um den Genfer See wieder zum katholischen Glauben zurückzubringen. Weil die Machthaber den Einwohnern aber verboten haben seine Predigten zu besuchen, nutzte er intensiv die damals komplett neuen Medien: In einer klaren und einfachen Sprache druckte er die damals hochmodernen Flugblätter und heftet sie an Häuser, Zäune und Bäume. Und er brachte seine Botschaft in der Landessprache, was damals absolut unüblich und sensationell war. Franz von Sales war glaubwürdig in einer Sprache, die Gehör und Glauben fand. Franz war ein begnadeter Prediger und ein vorbildlicher Seelsorger, dem es um die persönliche Vertiefung des Glaubens jedes Einzelnen ging. Er leitete als Bischof sein Bistum mit Visitationsbesuchen, Predigt und Katechese. Seine Liebenswürdigkeit und die Übereinstimmung von Worten und Taten in seiner Lebensführung brachten ihm das Vertrauen der Menschen. Dieser Wesenszug seiner Persönlichkeit gefällt mir besonders gut: die Übereinstimmung von Worten und Taten. Nehmen wir doch heute mal diesen Satz auf und schauen, wie es denn bei mir selbst damit ist: Stimmen meine Worte mit dem überein was ich tue? Bin ich in dem, was ich tue, glaubwürdig für das, was ich sage? Spannende Überlegungen!

Wie kann man glaubwürdig sein?

Welche Spuren hinterlasse ich im Leben?

Ich weiß nicht wie das bei Dir ist, ich mache sehr gerne Hausarbeit. Kochen, Backen, Spülen, Waschen, Bügeln sind wunderbare Sachen, bei denen die Gedanken schweifen können und bei denen mir immer die besten Ideen kommen. Sogar beim Putzen. Wenn ich in der Küche stehe und überall die Fingerabdrücke an den Armaturen von Herd, Mikrowelle und Spülmaschine sehe, nehme ich sofort ein Tuch und putze es, damit es schön sauber und glänzend ist. Fingerabdrücke sind Spuren meines Tuns und des Tuns meiner Mitschwestern in der Küche und an anderen Orten im Haus. Und da kommt die Frage nach den sonstigen Spuren meines und unseres Tuns ganz normal in den Sinn. Wo und wie hinterlassen Du und ich und wir Spuren, die deutlich machen, was wir arbeiten, denken, mit Engagement gerne machen?Die Lesung heute aus dem Römerbrief gibt da einen interessanten Gedanken für den Tag mit. Da heißt es: Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, es ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. Und wer Christus so dient, wird von Gott anerkannt und ist bei den Menschen geachtet. Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau (der Gemeinde) beiträgt. Soweit die Lesung. Frieden und Freude zu bringen geht ja nur, wenn ich mit mir selbst halbwegs in Frieden und Freude lebe und daran auch arbeite, wenn es mal schwierig und kompliziert ist. Es gibt durchaus auch fromme und eigentlich geistliche Menschen, die weder eine freundliche noch eine friedliche Ausstrahlung haben. Der Jesuit Pater Eberschweiler hat einmal einen sehr schönen Satz gesagt, den ich gerne zitiere: "Die Heiterkeit und Freudigkeit des Herzens will ich zu bewahren suchen, um dadurch allen zu zeigen, einem wie guten Herrn ich diene.“ Daran zu arbeiten und den Heiligen Geist um seine Mithilfe zu bitten, ist immer möglich.

Welche Spuren hinterlasse ich im Leben?

Glauben wir an die Kraft des Gebetes?

Papst Leo hat dazu aufgerufen, in dieser Woche besonders um die Einheit der Christen zu beten. „Die Ursprünge dieser Initiative reichen zwei Jahrhunderte zurück und Papst Leo XIII. hat sie sehr gefördert“, erinnerte der Pontifex am Sonntagmittag nach dem Angelusgebet vor tausenden Gläubigen auf dem Petersplatz. „Vor genau hundert Jahren wurden zum ersten Mal ‚Vorschläge für die Gebetsoktav für die Einheit der Christen‘ veröffentlicht“, fuhr Leo fort. „Das Thema in diesem Jahr stammt aus dem Brief an die Epheser: ‚Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung‘ (Eph 4,4).“ „Die Gebete und Betrachtungen wurden von einer ökumenischen Gruppe vorbereitet, die von der Abteilung für interreligiöse Beziehungen der Armenisch-Apostolischen Kirche koordiniert wurde“, fügte er hinzu. „Ich lade daher alle katholischen Gemeinschaften ein, in diesen Tagen verstärkt für die volle sichtbare Einheit aller Christen zu beten.“ Diese Einladung des Papstes, über Radio Vatikan verbreitet, ist bei einigen unserer sehr alten Schwestern echt schon eher angekommen als bei mir. Als ich am Montag bei meiner Besuchsrunde durch unser Schwesternaltenheim war, traf ich eine 98jährige Schwester in ihrem Zimmer beim Rosenkranzgebet an. Auf meine Frage, in welcher Intention sie denn ihren Rosenkranz gerade betet, hat sie mich etwas erstaunt angeschaut und geantwortet: „Um die Einheit der Christen, wir sind doch in der Gebetswoche und wir haben den Auftrag zu beten. Also tue ich das.“ Ich gebe zu, dass sie mich ein bisschen beschämt hat, denn ich hatte das bisher völlig aus dem Blick verloren. Oder vielleicht vertraut diese Schwester, mehr als 30 Jahre älter als ich, eher der Kraft des Gebetes und tut es treu und unaufhörlich und spornt mich und vielleicht auch Dich heute dazu an.

Glauben wir an die Kraft des Gebetes?

Kirche und Glauben schützen

Heute feiern wir mit der Kirche das Fest des heiligen Sebastian. Er war Soldat in Mailand und wurde zum Offizier in der Leibgarde von Kaiser Diocletian. Da er sich als Hauptmann der Prätorianergarde aber am Hof zu seinem Christsein bekannt und gestanden hatte, notleidenden Christen geholfen zu haben, wurde er zum Tod verurteilt und von Bogenschützen erschossen. In der Meinung, er sei tot, wurde er liegengelassen. Aber er war schwer verletzt und wurde gesund gepflegt. Wieder genesen, ging er umgehend wieder zum Kaiser und bekannte sich zu Jesus Christus. Und wieder wurde er verurteilt und um 288 getötet.Ich würde heute nicht so ausgiebig von ihm erzählen, wenn er nicht auch unter anderem der Schutzpatron der Schützenbruderschaften ist und es hier in Olpe ein sehr ausgiebiges Brauchtum dazu gibt. Am Vorabend gibt es seit einigen Jahren wieder das Beiern, das heißt, die Glocken werden so angeschlagen, dass Musikstücke und Lieder erklingen. Es gibt dann heute Abend ein Festhochamt in rappelvoller Kirche mit Musik mit dem Musikzug der Feuerwehr. Am Anfang war mir das so fremd, dass ich nicht so genau wusste, ob ich lachen oder ernsthaft bei der Sache sein sollte. Aber wenn mir dann Schützen erklärt haben, dass die Schützen gegründet worden sind, um zu schützen: die Stadt, die Kirche, den Glauben, war ich dann doch ein bisschen versöhnt.Und wenn wir zur Zeit schauen, dass die Christen weltweit die am meisten verfolgten Religionsangehörigen sind, tun wir gut daran, die Kirche und den Glauben zu schützen, für ihn einzutreten und sich auch im normalen Alltag zum Glauben zu bekennen. Wenn das vielleicht in der Predigt heute Abend Thema sein wird und die vielen hundert Schützen, die zum Gottesdienst kommen, nicht nur heute Abend daran denken, dass ihr Patron für seinen Glauben umgebracht worden ist, dann ist das ganze Drumherum ja auch nicht so verkehrt.

Kirche und Glauben schützen

Danke, dass Du mich so wunderbar gestaltet hast

Ich weiß nicht, ob Du das vielleicht auch kennst: Irgendwann packt mich die Aufräumwut oder die Lust dazu und ich mache ganz schnell ein paar Schubladen auf und werfe alles raus und sortiere neu ein und werfe ganz viel weg. Was ich da alles so gefunden habe: alte Handys, vielerlei Sorten Kabel, Kopfhörer, Anschlussstecker für alles Mögliche, Ladegeräte für längst abgelegte Gerätschaften, Einkaufsbeutel und so weiter. Manchmal denke ich: Meine Güte, wieviel Kram hebt man so auf. Immer nach dem Motto: Vielleicht könnte man es doch noch mal gebrauchen. Also weg damit.Aber dann habe ich eine alte Brille von mir gefunden. Ich sehe ziemlich schlecht und würde niemals ohne Ersatzbrille aus dem Haus gehen, weil ich ohne Brille hilflos bin. Aber das hier ist nicht die Ersatzbrille, sondern eine vor-vorherige Version, die ich wahrscheinlich nicht weggetan habe, weil sie mir früher so gut gefallen hat. Also habe ich sie aufgesetzt und da war wieder die gleiche Freude: Sie steht mir einfach gut und mein Gesicht und meine Augenpartie bekommt ganz andere Konturen, auch wenn ich mit ihr nicht mehr ganz so gut sehen kann.Eine ganze Zeit habe ich vor dem Spiegel gestanden und mit den verschiedenen Brillen geschaut, mit welcher ich mich am schönsten finde und am wohlsten fühle. Und dieses mich selbst mal in Ruhe Anschauen fand ich sehr schön. Wann tut man das schon mal. "Und Gott sah, dass es gut war", heißt es in der Bibel nach jedem Tag der Schöpfungsgeschichte. Ich sage heute früh mal vor dem Spiegel: Danke Gott, dass Du mich so wunderbar gestaltet hast.Mit allen Falten, mit allen grauen Haaren, mit allem, was mich ausmacht und wie ich meinen Mitmenschen heute früh entgegentrete: Lass mich ein dankbarer Spiegel Deiner wunderbaren Schöpfung sein.

Danke, dass Du mich so wunderbar gestaltet hast

Musik im Herzen anstimmen

Als eine der Aufgaben von Weihnachten, von denen ich gestern erzählt habe, hatte ich die erste mit Dir bedacht, wo es darum geht die Verlorenen zu finden. Und heute ist es die letzte der sieben Aufgaben, die ich mit Dir bedenken möchte. Ich gebe ehrlich zu, dass sie mich sehr verwundert. Die ersten sechs sind sehr ähnlich den Werken der Barmherzigkeit und Daueraufträge für alle, die Jesus in ihrem Leben Raum geben wollen. Aber diese siebte, Musik im Herzen anzustimmen, finde ich echt erstaunlich. Ich kenne Leute, die summen oder singen bei der Arbeit und man hat das Gefühl, dass sie mit sich, ihrem Tun und Leben im Einklang sind.Das ist, glaube ich, so ein Punkt. Das heißt nicht, dass die Arbeit oder das alltägliche Tun nicht anstrengend oder nervig oder lästig sein kann. Diese Leute schaffen es zu akzeptieren, was sie tun müssen und daraus trotzdem Mut und Zuversicht zu bekommen. Oder Kinder, die in unbeobachteten Momenten beim Spielen stillvergnügt singen und nachahmen, was andere ihnen vorgesungen haben. Unsere indische Mitschwester singt immer, wenn sie ihre Räume putzt und ist sich ja sicher, dass niemand ihre indischen Lieder versteht und sie vergewissert sich ihrer Herkunft und Heimat.Ein anderer Punkt ist das Tröstliche und Ermutigende im Inneren singen, wenn die Schwierigkeiten scheinbar überhandnehmen. Ein spanischer Tenor hat einmal erzählt, dass er während der Bestrahlungen wegen der Leukämie immer im Inneren Arien gesungen hat, die einfach aus ihm herausbrachen, ohne das geplant zu haben. Und viele von uns kennen auch das Singen und Summen unter der Dusche und spüren dabei, dass es einfach guttut für Leib und Seele und dieser Zusammenklang zum äußeren hörbaren Klang werden will. Musik im Herzen anstimmen kann auch aus Dankbarkeit und Liebe als ein stilles tiefes Empfinden da sein und mir selbst deutlich machen, was der Verstand noch gar nicht fassen kann.Genauso geht es mit dem Lob Gottes, das manchmal wie ein Ohrwurm im Inneren immer weiter singt, obwohl ich ein Lied, ein Musikstück oder Psalm heute noch gar nicht gehört, gesungen oder gespielt habe. Stimmen wir heute oder am Wochenende immer mal wieder Musik im Herzen an.

Musik im Herzen anstimmen

Die Aufgabe von Weihnachten

Beim amerikanischen Autor, Menschenrechtler und Theologen Howard Thurmann, der 1981 gestorben ist, habe ich einen sehr interessanten Text gefunden, der noch einmal ganz anders mein derzeitiges Lieblingswort von der Weihnachtsnachfreude beschreibt. Der Text geht so:DIE AUFGABE VON WEIHNACHTENWenn das Lied der Engel ausklingt und der Stern im Himmel erloschen ist,die Könige und Weisen zu Hause und die Hirten wieder bei ihren Schafen sind,beginnt die Arbeit von Weihnachten:die Verlorenen zu finden, die Zerbrochenen zu heilen, die Hungrigen zu speisen,die Gefangenen zu befreien, die Nationen wiederherzustellen, den Frieden zu bringen,Musik im Herzen anzustimmen.Diese Aufzählung von Aufgaben von Weihnachten ist sehr konkret und ist nicht zu verwechseln mit Weihnachtsbaum abbauen, Deko verpacken, Sterne von den Fenstern abmachen und einmal durchsaugen. Die Aufgaben von Weihnachten sind all die Dinge, die Jesus getan hat und zu denen er uns, seine Jünger, Follower, Christen ebenso aufruft. Die Verlorenen finden hat vielerlei Aspekte: es können die sein, die sich irgendwann zurückgezogen haben und keinen Kontakt mehr wollten und jetzt den Neuanfang nicht mehr hinbekommen. Es können die sein, die durch Krankheiten, Süchte und Schicksalsschläge einsam und versteckt in der Anonymität der Masse mehr existieren als leben. Und es können die sein, die für sich keinen Sinn und keine Perspektive im Leben mehr sehen und nur noch einen Schritt vor dem drohenden Abgrund stehen.Um die Verlorenen zu finden braucht es offene Augen und Ohren im normalen Alltag. Nicht verschämt vorbeigehen an offensichtlicher Not und nicht die Straßenseite wechseln, um den Bettelnden auszuweichen. Die Aktion Glücklichter hier im Bistum Paderborn hat vielen Menschen, die sonst kaum gesehen und beachtet werden, Zuwendung, notwendige Lebensmittel und Alltagsnotwendigkeiten geschenkt und hat scheinbar Verlorene aufgespürt und ihnen aufgeholfen.Die Aufgaben von Weihnachten sind nicht so lieblich, gemütlich und heimelig wie die Krippe im Wohnzimmer unterm leuchtenden Tannenbaum. Die Aufgabe von Weihnachten ist es, wie dieses zu uns gekommene Gotteskind, Gottes Menschen zu suchen und zu finden und ihnen leben zu helfen.

Die Aufgabe von Weihnachten

"Auch ich kannte ihn nicht."

In diesen Tagen nach dem Fest der Taufe Jesu, ist die Weihnachtszeit liturgisch zu Ende. Aber dieses schöne Wort von der Weihnachtsnachfreude beschäftigt mich noch. Vorgestern haben wir uns mit einigen Frauen zum Bibelgespräch getroffen. In dem Raum hinter der Kapelle habe ich alles hergerichtet und dann die Heizung hochgedreht. Aber ein Heizkörper ließ sich auch mit allen Tricks und Kniffen nicht dazu bringen zu arbeiten. Und der eine verbliebene Heizkörper hat es nicht geschafft, den Raum benutzbar zu wärmen. Also sind wir zum Gespräch in die gut temperierte Kapelle gegangen, wo noch das hölzerne Krippenkind mit den ausgebreiteten Armen liegt, wo seit dem 24. Dezember ein Sträußchen Christrosen unentwegt blüht, wo der große grüne Tannenstrauß mit kleinen warmen Lichtern glänzt und wo tatsächlich seit einigen Tagen ein großer Strauß mit Barbarazweigen in üppiger Blüte steht.Und im Evangelium vom kommenden Sonntag geht es um das Zeugnis des Johannes der zunächst sagt: "Auch ich kannte ihn nicht." Und dieses Wort hat mich sehr angesprochen. Seit 45 Jahren bin ich im Orden und beschäftige mich mit der Bibel, mit dem Alten und Neuen Testament, lese und bewege jeden Tag die Worte, die uns täglich vorgelegt werden von und über Gott und Jesus Christus. Und trotzdem habe ich manchmal das nicht so tolle Gefühl, "auch ich kenne ihn nicht". Und manche von euch haben das auch schon erlebt.Jetzt gibt es die Möglichkeit zu denken, okay, das wars, wenn das alles so schwierig ist, lasse ich das. Und es gibt auch die andere Möglichkeit: trotzdem immer weiter neugierig zu bleiben auf diesen Gott, der nicht zu begreifen ist, den unser Verstand nicht fassen kann, den wir aber immer neu bitten können, unser Herz, unseren Verstand und unsere Seele zu füllen mit seiner Größe und Nähe und seiner Gegenwart. Und der Täufer Johannes, der von seinem Erleben mit Jesus bei der Taufe am Jordan berichtet, sagt einige Zeilen später, dass ihm gesagt worden ist, dass jener, auf den er den Geist herabkommen sieht, der Erwählte Gottes ist. Und dann wird er sagen: "Und ich habe es gesehen und bezeugt: Dieser ist der Sohn Gottes." Von seinem jahrelangen Suchen und Fragen nach dem, der nach ihm kommen soll und den er nicht kennt, kommt er, durch das Wirken des Geistes zur großen Erkenntnis: Dieser ist der Sohn Gottes. Und so haben auch wir an diesem Abend neue Hoffnung geschöpft.

"Auch ich kannte ihn nicht."

Eine richtig laute Segensrakete

Am Samstag sind hier und in weiten Teilen unseres Landes nochmals die Sternsinger durch die Städte und Dörfer gezogen, um die Botschaft vom guten Stern, der uns auf unseren Wegen leuchtet, weiterzutragen, den Segen über die Türen zu schreiben oder zu kleben und für Projekte weltweit Geld zu sammeln. Es geht in diesem Jahr darum, Kindern zu ermöglichen, statt in der Fabrik zu arbeiten, in die Schule gehen zu können und eine bessere Chance auf Zukunft zu haben.Vor unserer Haustür war die Riesengruppe versammelt, die aus der Kirche kommend sich dann in der Stadt verteilt. Aber eben nicht nur die Kinder, sondern auch die großen Geschwister, Eltern und Engagierte aus den Gemeinden, die den Taxidienst übernehmen, die die Beutel und Dosen leeren, die warme Getränke bereithalten und Schals und warme Jacken, da dieser Tag besonders kalt und schneereich war. Die Begeisterung von Kindern und Jugendlichen ist dann ungebrochen, wenn sie merken, dass sie gebraucht werden, dass ihr Tun Sinn macht und für andere da ist.Am Sonntag war dann der Abschlussgottesdienst der Sternsingeraktion dieses Jahres. Mit dem Einzug der vielen Sternsingerkinder und Jugendlichen, den goldenen Sternen und den vielen schönen Gewändern war es eine Pracht. Kyriegebete und Fürbitten aus dem Mund von Kindern klingen anders, nicht so alltäglich routiniert, sondern irgendwie ernsthafter und gehen ins Herz. Auf die Frage bei der Predigt, was denn ein Kronzeuge ist, hatte niemand zunächst eine Idee. Aber Kinder sind kreativ und so gab es witzige Vorschläge: einer, der eine Krönung beobachtet; einer, der bei der Geburt eines Königskindes dabei ist oder eine, die Kronen bewacht.Die versammelte Gemeinde hatte Spaß und die Kinder waren verblüfft als sie dann hörten, dass sie als Botschafter:innen des Segens Gottes Kronzeugen für diesen Gott sind, der als Kind in die Welt gekommen ist. Eine ziemlich coole Idee fanden das viele Kinder und haben begeistert mit allen in der großen Kirche eine richtig laute Segensrakete gestartet, die mir neu war und die ich wie die ganze Sternsingeraktion einfach göttlich schön finde.

Eine richtig laute Segensrakete

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Wir haben seit Jahren ein interessantes Phänomen in der täglichen Debatte: eine Empörungskultur gegen alles und jedes und jede und jeden. Die Wetterkapriolen am Wochenende haben das nochmal deutlich gezeigt.Die einen empören sich gegen die übertriebenen Vorwarnungen vor dem Wetterchaos, die anderen empören sich, dass viel zu wenig gewarnt wurde in ihrem Bereich, wo es viel schlimmer war, als im ganzen übrigen Land.Die einen empören sich, dass in ihrer Straße wieder nicht geräumt worden ist und die anderen empören sich, dass viel zu viel Salz gestreut wird und die Straßen damit wieder kaputt gehen. Die ein empören sich, dass Kitas und Schulen wegen der Wettervorhersagen geschlossen wurden und die anderen empören sich, dass die Wege und Straßen gerade für Kinder doch viel zu glatt und gefährlich sind.Die einen empören sich über die störanfällige Infrastruktur in Berlin und die anderen nutzen das genüsslich aus um gegen Staat und Politik zu hetzen. Und dann passiert etwas ganz Wunderbares: in vielen Berliner Pfarreien und Gemeinden, den Hilfsorganisationen von Caritas über Diakonie, von Rotem Kreuz und Maltesern, legen die Leute los und organisieren Hilfe für die, die einige Tage weder Strom noch Heizung haben. Sie organisieren Unterkünfte, warme Mahlzeiten, Nachbarschaftshilfe und Handyladestationen, klopfen und rufen nach denen, die vielleicht Hilfe brauchen und sich nicht trauen, sammeln Lebensmittel und verteilen sie und so weiter und so fort. Sich empören ist oft gut und notwendig, damit auf Fehler aufmerksam gemacht wird. Aber Dauerempörung ist nicht das, was uns, den im Moment Hilfsbedürftigen und unserer Gesellschaft hilft. Nicht empören ist angesagt, sondern hören, verstehen, einschätzen und dann handeln. "Was ihr von den anderen erwartet, dass tut ebenso für sie", ist die goldene Regel jeder Religion und jedes menschlichen Zusammenlebens.

Morgenimpuls mit Schwester Katharina

Nachfreude auf Weihnachten

Am Sonntag endet sie offiziell, die diesjährige Weihnachtszeit. Das Fest der Taufe Jesu ist quasi Ende und Anfang für das Feiern dieser göttlichen Geheimnisse rund um die Menschwerdung Gottes. Weihnachten als Gedenken an die Geburt Christi, Epiphanie als die Deutung der Erscheinung der Herrlichkeit Gottes vor aller Welt, die Taufe im Jordan als Startpunkt des öffentlichen Erscheinens Jesu und mit der Ablösung Johannes des Täufers und die Hochzeit in Kanaan als Wunder der Zuwendung Gottes zu seinen Menschen. Dieser Tage habe ich ein schönes Wort gelesen. Es ging um die Nachfreude des Weihnachtsfestes. Vorfreude können schon die Kinder gut und wir fangen schon früh an mit dem Feiern. Aber die Nachfreude? Also die Freude über all diese schönen Zeichen, die wir in den letzten 19 Tagen erlebt haben. Bedenkenswert!In unserer Mutterhauskirche ist nach alter franziskanischer Tradition Krippe, Altar und Kreuz auf einer Linie angelegt: die Krippe vor dem Altar und dahinter das Kreuz. Einen Gottesdienst vor einer schönen Krippe zu feiern, wo auch drei prächtig gekleidete Sterndeuter zu sehen sind, hat etwas sehr Berührendes. Das Kind in der Krippe ist nicht nur lieblich und freundlich und herzig, es ist auch das Versprechen dieses Gottes: ich gehe alle Eure Wege mit. Die Wege derer, die sich und ihr Leben ihm weihen, die Wege derer, denen das völlig egal ist, und auch die Wege derer, die zwar sein Wort im Mund führen und sich mit der Bibel in der Hand fotografieren lassen, denen Gerechtigkeit, Wahrhaftigkeit, Respekt und Liebe aber völlig unwichtig sind. Das ist das große Wagnis dieses Gottes. Er hat uns die Freiheit der Kinder Gottes gegeben und die Zusage, bei uns zu bleiben in allen unseren Haupt- und Neben- und Irrwegen. Ein ziemlich guter Grund für noch viel Nachfreude in diesen Tagen.

Nachfreude auf Weihnachten

Suchen wir den unbekannten Gott!

Vorgestern haben wir das Fest der Erscheinung des Herrn, Heilige drei Könige, gefeiert und der Dom in Köln ist zu ihrer Verehrung gebaut worden. Um den größten goldenen Schrein der Geschichte herum wurde diese Kathedrale gebaut. Um Pilgerscharen aus aller Welt anzulocken und die Stadt und die Kirche von Köln noch bekannter zu machen und Handel und Verkehr zu beleben. Die Stadt wurde im späten Mittelalter zum drittgrößten Pilgerort der Christen und Reichtum und Pracht kamen in die Stadt. Den Festgottesdienst in diesem Jahr über die Medien mit zu feiern, war einfach wunderbar, das Evangelium von der Anbetung der Sterndeuter zu hören und wie sie dem Herodes ein Schnippchen geschlagen haben und auf einem anderen Weg nachhause zurückgekehrt sind.Vom verstorbenen Aachener Bischof Klaus Hemmerle habe ich einen Text zu diesem Fest, der auch in eine ganz andere Richtung geht und der mir sehr gefällt. Diese Zeilen möchte ich Dir mit in diesen Tag geben. Sie lauten: „Der Stern hat sich nicht geirrt, als er die Fernsten rief, aufzubrechen zum nahen Gott.Der Stern hat sich nicht geirrt, als er den Wüstenweg wies, den untersten, den härtesten Weg. Der Stern hat sich nicht geirrt, als er stehen blieb über dem Haus der kleinen Leute:Dort ist die große Zukunft geboren.Dein Herz hat sich nicht geirrt, als es sich aufmachte, den Unbekannten zu suchen. Dein Herz hat sich nicht geirrt, als es nicht aufgab in der sichtlosen Ungeduld. Dein Herz hat sich nicht geirrt, als es sich beugte vor dem Kind.“Manche Menschen haben ihr Leben lang nach Gott und dem Sinn ihres Lebens gesucht und ihn dann in einem Weihnachtsgottesdienst gefunden, den sie nur wegen der Stimmung besucht haben. Sich aufmachen um den unbekannten Gott zu suchen, geht immer und das Herz, das immer unruhig bleibt, bis es Ruhe findet in Gott, irrt nie. Und sich beugen vor dem Kind, in der Krippe oder unter den Nachbarskindern, im Flüchtlingslager oder im Kinderhospiz, dazu ist unser Herz geschaffen, vom Schöpfer aller Dinge, dem kleinen großen Gott.Beugen wir also heute und in den kommenden Tagen unsere Knie und unser Herz vor diesem Kind, dass sich nicht gescheut hat, unter den kleinen Leuten auf die Welt zu kommen, damit die kleinen Leute groß werden vor aller Welt.

Suchen wir den unbekannten Gott!

Hat die Bibel eigentlich Humor?

Manchmal frage ich mich, ob die Verfasser der Bibel Humor hatten. Wir wissen ja, dass die Heilige Schrift nicht vom Himmel gefallen ist, sondern die Texte - göttlich inspiriert – nach und nach entstanden sind, erst mündlich weitergegeben und dann irgendwann in schriftliche Form gebracht. Gotteswort in Menschenwort – so nennt das die Bibelwissenschaft. Und bei der heutigen Lesung aus dem Buch Jesaja ist mir aufgefallen: Viel größer können die Gegensätze innerhalb eines kurzen Textabschnittes nicht sein. Da heißt es: Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt – ja klar, wir sind ja noch in der Weihnachtszeit. Aber auf das kleine Kind folgen geradezu hymnische Worte: Starker Gott, Friedensfürst, Vater in Ewigkeit – all das soll ein Baby sein, das irgendwo in einem Stall geboren wurde? Wie war das mit dem Humor in der Bibel? Das Faszinierende für mich an unserem Glauben ist, dass die markigen Sprüche über das Kind und das tatsächliche Leben von Jesus Christus nur scheinbar nicht zusammenpassen. Nach weltlichen Maßstäben ist Jesus am Kreuz gescheitert. Aber Gott hat ihn gerettet, der Tod hat seinen Schrecken verloren. Jesus steht in der Tat für Stärke, aber eben für Glaubensstärke und Frieden. Und seine Auferstehung lässt auch uns hoffen – aber nicht nur auf Ewiges Leben, sondern auch darauf, dass unser persönliches Leben in Gott immer einen Sinn hat. Egal, ob wir nach weltlichen Maßstäben scheitern oder prima vor unseren Mitmenschen dastehen – wir können darauf vertrauen, dass Gott uns immer liebt – weil bei ihm alles möglich ist und alles einen Wert hat. Und so passt auf einmal alles zusammen: ein kleines Kind, das zum Friedensfürsten wird, ein Baby, das Gottes Sohn ist. Jetzt weiß ich zwar immer noch nicht, ob die Männer und Frauen der Bibel Humor hatten – aber die Botschaft vom Kind im Stall, die kann uns auf jeden Fall froh machen – jeden Tag, nicht nur an Weihnachten!

Hat die Bibel eigentlich Humor?

Machen wir die Welt ein Stückchen heller!

Heute feiert die Kirche das (Hoch-)Fest "Epiphani". "Epiphanias" kommt aus dem Griechischen und bedeutet Erscheinung, Offenbarwerdung. An diesem Tag wird die Offenbarwerdung der Göttlichkeit Jesu vor aller Welt gefeiert. Erst ab dem 4. Jahrhundert wurde der Tag auch "Dreikönigstag" bzw. "Heilige Drei Könige" genannt.Neben der hohen Theologie, die sich dahinter verbirgt, hat mich immer am meisten daran fasziniert, dass sich um diesen 6. Januar herum zigtausende Kinder in ganz Deutschland auf den Weg machen – so wie damals die drei Sterndeuter. Sie ziehen von Haustür zu Haustür für die gute Sache. Sie sammeln Geld für Kinder, denen es nicht so gut geht, die dringend unsere Hilfe brauchen. Ihre Geschenke sind also nicht Gold, Weihrauch und Myrre, die sie dem Kind von Bethlehem geben. Ihr Geschenk ist das „auf den Weg machen“ und damit die Botschaft dieses göttlichen Kindes lebendig halten! Denn das spätere Leben dieses Jesuskindes hat so deutlich gemacht, dass auch darum geht: sich für den Nächsten einsetzen, seine materielle und seelische Not wahrnehmen und sich auf den Weg machen, um diesem Nächsten wirklich liebend zu begegnen. Wer das tut, kommt dem Kind von Bethlehem automatisch ganz nah – so nah wie damals die drei Sterndeuter. Wer das tut, kommt dem göttlichen Licht ganz nah und macht unsere Welt dadurch ein Stück heller. Also nehmen wir uns doch an Sternsingern ein Beispiel, die trotz der herausfordernden Zeiten munter und mutig losgehen.Herausfordernde Zeiten gab es in den letzten zwei Jahrtausenden immer und auch wir Christen müssen immer wieder neu schauen, dass wir dem richtigen Stern und nicht irgendwelchen Herrschern, Königen oder Präsidenten folgen, statt nach dem göttlichen Kind zu suchen, das zu uns in die reale Welt gekommen ist um unser Leben hell zu machen und die göttlichen Gaben an alle Menschen weiter zu geben.

Machen wir die Welt ein Stückchen heller!

Religion heißt Unterbrechung

In den letzten Tagen habe ich mich manchmal dabei erlebt, ganz lange am Fenster zu stehen und dem Schnee zuzuschauen und dem wie verzaubert wirkenden Städtchen.Eine dicke weiße Decke liegt über dem Land und macht alles heller, weicher und sehr viel leiser. Hier in Nordrheinwestfalen sind noch zwei Tage Ferien und das verstärkt dieses wunderbare Gefühl noch einmal. Nur die Ski- und Rodelhänge sind voll und laut und trubelig und voller sehr vergnügter Kinder, Jugendlicher und Familien, die den Schnee und seine Schönheiten genießen. Und dann sind da die Mitarbeiter des Winterdienstes der Städte und Kreise, die unentwegt unterwegs sind und die Straßen vom Schnee und Eis räumen und versuchen, dass die Einwohner sicher zur Arbeit kommen und unterwegs sein können. Und wir denken manchmal: Ach, die Armen, müssen ganze Nächte durcharbeiten, damit die Straßen frei sein können. Seit einem Interview mit einem jungen Mitarbeiter denke ich das nicht mehr. Er hat mit einer solchen Begeisterung von seiner Arbeit erzählt und dass es genau sein Ding ist, das zu tun und anderen quasi die Wege freizumachen. Da denke ich dann, dass das vielleicht eine gute Idee für dieses neue und noch ganz junge Jahr ist: zu schauen, was ist denn an dem, was ich so jeden Tag zu tun habe, genau mein Ding und was kann ich mit Begeisterung tun. An jeder Arbeitsstelle und in jedem Tagewerk außerhalb oder zuhause gibt es Dinge, die man mag und Dinge, die man nicht mag. Dann ist es eine gute Idee, dass was man mag mit Begeisterung zu tun und dann gehen die anderen Dinge tatsächlich auch leichter. Und dann, wie ich in den letzten Tagen, immer mal am Fenster stehenbleiben und rausschauen und durchatmen und mich freuen und die Stille draußen genießen, die auch der Stille in meinem Inneren guttut. Religion heißt Unterbrechung, hat ein kluger Mensch mal gesagt. Das Rennen unterbrechen und die Arbeit und das geschäftige Tun, nur für einen Augenblich. Damit sich ein Fenster öffnet innen und außen für den, der diese Welt und mich erschaffen hat und der will, dass wir in seiner Gegenwart leben. Glücklich leben.

Religion heißt Unterbrechung

Mutschwester

Wahrscheinlich kennst du das auch. Man tippt eine WhatsApp-Nachricht ein und das System ist schnell und schreibt aus meinen ersten Buchstaben schon einmal seine Vorschläge. Und wenn man nicht aufpasst, hat man Unfug geschrieben und merkt es nicht einmal. So ist es mir vorhin ergangen.Bei uns in der Ordensgemeinschaft benennen wir uns mit "Schwester" und dem Vornamen. Und wenn wir über unsere Schwestern reden oder schreiben, dann sagen wir Mitschwester, also Schwestern, die mit mir zur Gemeinschaft gehören und mit mir leben. Als ich vorhin etwas schreiben wollte, hat das System nicht Mitschwester geschrieben, sondern Mutschwester. Erst war ich verwirrt, aber dann habe ich laut gelacht und finde diese Bezeichnung einfach herrlich.Mutschwester. Eine Schwester, die mir Mut macht in all dem, was nicht so einfach, nicht so leicht, nicht so fix und auch mal danebengeht. Und so wünsche ich dir für heute und für das begonnene neue Jahr immer wieder Mutschwestern und Mutbrüder, Muteltern und Mutkollegen, Mutkinder und Mutlehrer, Mutengel und Mutheilige und irgendeinen davon möglichst immer zur rechten Zeit.Eines meiner Weihnachtsgeschenke, die ich bekommen habe, ist ein Heiligen-Wochenkalender der etwas anderen Art. Es werden jede Woche heilige oder selige Menschen vorgestellt, die nicht so bekannt sind und eher regionale Bezüge haben. Ich habe erstaunt Blatt um Blatt gewendet und schon manches gelesen und war begeistert von den Notizen über diese Leute, die in ihrer Zeit Mutmacher waren vor Gott und für die Menschen gelebt haben.Einige von ihnen werde ich dir im Laufe dieses Jahres sicher vorstellen und davon erzählen, weil es immer guttut Beispiele zu haben und Geschichten zu hören von Menschen, die es versucht haben wie du und ich in diesem neuen Jahr auch.

Mutschwester

Menschen des Jetzt und der Zukunft

Eigentlich ist es nur eine Sekunde, die das Alte vom Neuen getrennt hat.Eigentlich ist es nur eine Zahl, die am Ende von 5 auf 6 springt.Eigentlich ist es nur eine neue Bezeichnung, die von Dezember auf Januar geschrieben wird.Eigentlich ist es nur eine menschengemachte Zählung, die unsere Tage ordnet.Eigentlich ist es nur ein neuer Morgen, so wie viele Millionen vorher und hoffentlich auch nachher.Es sind auch in dieser Nacht Menschen gestorben, eigentlich wie sonst immer auch.Es sind auch in dieser Nacht Menschen geboren, eigentlich wie sonst immer auch.Aber wir Menschen sind nicht Menschen des EIGENTLICH – sondern Menschen des Jetzt und Menschen der Zukunft, ob wir leben oder ob wir sterben.Im Buch Numeri steht der schöne Text, der im neuen Jahr als Lesungstext in der Eucharistiefeier gelesen wird: "Der HERR sprach zu Mose: Sag zu Aaron und seinen Söhnen: So sollt ihr die Israeliten segnen; sprecht zu ihnen: Der HERR segne dich und behüte dich. Der HERR lasse sein Angesicht über dich leuchten und sei dir gnädig. Der HERR wende sein Angesicht dir zu und schenke dir Frieden. So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen und ich werde sie segnen."Vertrauen wir im neuen Jahr auf diesen Segen Gottes mit der Bitte, dass er gebe, dass es gut wird, was wir beginnen und mit Tatendrang anfangen und auch das gut wird, was uns nicht gelingt, was in die Brüche geht und was wir einander schuldig bleiben, obwohl wir es eigentlich gut machen wollten. Aber wir sind nicht Menschen des EIGENTLICH, sondern Menschen des Jetzt und der Zukunft mit dem Vertrauen auf diesen Gott, der mit uns geht und unter dessen gutem Segen wir stehen.

Menschen des Jetzt und der Zukunft

"Die letzte Stunde ist da"

In der Lesung für die Heilige Messe heute Abend aus dem ersten Johannesbrief heißt es sehr eindrücklich: "Meine Kinder, die letzte Stunde ist da." Mir war gar nicht bewusst, dass es solch einen Vers im neuen Testament gibt, den wir am letzten Tag des Jahres nochmal irgendwie anders hören. Und dann ermahnt Johannes die Christen, dass sie nicht erstaunt sein sollen, dass es so viele Antichristen gibt, die jetzt am Ende der Zeiten vermehrt auftreten. Diese Mahnung ist 2000 Jahre alt und daran hat sich nichts geändert. Es gab und gibt immer Menschen, die sich vom Christsein abgewandt haben und sich nun gegen die Christen wenden mit Lügen und Kämpfen gegen die göttliche Wahrheit, die sie selbst von Jesus Christus empfangen haben.Was mich andererseits zurzeit echt erschüttert, ist die so missbräuchliche Nutzung des christlichen Glaubens durch Präsidenten verschiedenster Ausprägungen. Wenn Christus immer wieder zur Nächstenliebe aufruft und ein Präsident mit viel religiösem Tamtam seine Amtszeit bebeten und segnen lässt, dann aber alles andere als christlich Jagd auf Menschen machen lässt, die nur irgendwie ausländisch aussehen, dann ist das antichristlich. Und wenn ein anderer mit dem Segen seines hörigen Patriarchen Krieg gegen das Nachbarland führt und betont, dass er aber ein gläubiger Christ sei, dann wird mir übel.Und wenn unser Kanzler betont "mit christlicher Nächstenliebe können wir nicht jedes politische Problem lösen" ist das genauso falsch. Nächstenliebe besteht aus den Elementen Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit und der Kapuziner Bruder Paulus macht in seiner Gegenrede sehr deutlich, dass Nächstenliebe bedeutet die Augen zu öffnen, Grenzen erkennen und Verantwortung übernehmen und niemandem mehr aufbürden, als er tragen kann – weder einem Land, noch einer Person und auch nicht sich selbst.Vielleicht findest Du ja heute zwischen letzten Einkäufen und Vorbereitungen für die Silvesterparty ein bisschen Zeit, auf Dein eigenes Jahr zurück zu schauen, weil Dein ganz persönliches Jahr das Jahr ist, das Gott mit Dir gegangen ist. Und ich und Du können fest darauf vertrauen, dass Gott auch im neuen Jahr mit uns geht, durch alle Höhen und Tiefen, Rennstrecken und Slalomläufe, Abstürze und Comebacks, von denen wir heute noch nichts ahnen. Und dass wir Christen bleiben.

"Die letzte Stunde ist da"

Ein Zettel mit zwei Worten

Die Weihnachtstage und die Tage zwischen den Jahren sind immer ein bisschen ruhiger und entspannter. Und so konnte ich auch mal wieder in Ruhe um den Obersee hier in Olpe laufen und meinem verheilten Fuß zumuten, dass das doch gar nicht so schlimm ist. Viele Leute hatten die gleiche gute Idee und so waren wir mit vielen Leuten unterwegs und ich habe Grüße und Gespräche in vielen Sprachen vernommen. Tobende Kinder mit ihren Laufrädchen oder Rollern, größere Kinder mit dem wohl neuen Fahrrad und ganz kleine im Kinderwagen dick eingepackt mit staunenden Augen.Der See war zugefroren, was nicht allzu oft in den letzten Jahren der Fall war und viele Steine und Stöcke und Äste liegen auf dem Eis, weil viele versucht haben zu testen, ob das Eis bricht oder tatsächlich stabil ist. Und dann bin ich wie immer auf dem Rundweg, zur Valentinskapelle gekommen. Und ich habe mich sehr gewundert, wieso da plötzlich ein Kommen und Gehen in der kleinen Kapelle war.Und dann habe ich den Grund gesehen: Am Zaun auf beiden Seiten war ein laminiertes Blatt angebracht mit lediglich zwei Worten und einem Pfeil. ZUR KRIPPE heißt es da. Und ganz viele Leute, die sonst gemächlich weiterspaziert wären, ließen sich verlocken und zur Kapelle gehen und die kleine, schöne Krippe anschauen und bewundern. Drin war nur ein Meter Platz bis zum sichernden Gitter und so gab es ein Gedränge, um einen kurzen Blick auf die Szene zu werfen, um die es an Weihnachten immer geht: der Krippenstall mit Ochs und Esel, die Schafe und die Hirten und Maria und Josef mit dem Kind, dem Gotteskind, das zur Erde gekommen war, um uns Erdlinge wieder mit dem göttlichen Funken zu beseelen. Und alle konnten es sehen, weil zwei einfache Worte sie verlockt hatten, von ihrem gemütlichen Weg abzubiegen, sich ins enge Gedränge zu begeben und zu staunen und sich an der Schönheit der Szene zu erfreuen.Da wurde mir wieder einmal klar, wie Gott in die Welt kommt. Er verlockt einen Menschen, einen Zettel mit zwei Worten zu beschriften und mit einem Pfeil die Richtung anzugeben. Und schon kommen viele und schauen und staunen. Vielleicht können Du und ich auch im kommenden Jahr diese Zettelschreiber sein, die auf etwas hinweisen, dass uns selbst wichtig und wertvoll ist und das mit einem einfachen Pfeil die Richtung angibt.

Ein Zettel mit zwei Worten

Vertrauen in Gott trotz aller Katastrophen

Im Wohnzimmer meiner Tante hing ein großes Bild mit dickem, goldenem Rahmen. Und auf dem Bild war die Gottesmutter Maria zu sehen, die den kleinen Jesus auf dem Schoß hatte und der von der Arbeit nach Hause kommenden Nährvater Josef mit der Axt über der Schulter, der dem Kind einen Teller mit wunderbaren Früchten hinhält: Weintrauben, Pfirsiche, Äpfel. Es war ein typisches Bild der Heiligen Familie von Nazareth.Dieses Fest wurde von der Kirche schon im 17. Jahrhundert eingeführt und im 19. Jahrhundert nochmals stärker betont, weil man gespürt hat, dass die Menschen ein Vorbild brauchten, wie man christliches Familienleben in den damaligen Problemen leben könnte. Und wie ist das heute bei unseren vielfältigen Familienkonstellationen? Eigentlich brauchen wir nur in die Bibel zu schauen und das schmückende, später dazu gedachte Beiwerk weglassen. Da ist eine junge Frau, die nicht verheiratet, aber schwanger ist. Da ist der Verlobte, der nicht der Vater des Kindes ist, seine Partnerin aber nicht wegschickt und sie somit vor dem sicheren Tod rettet. Da ist der Kaiser, der mehr Steuern eintreiben will und somit alle Leute im Reich quer durchs Land schickt, damit seine Steuerlisten perfekt sind. Da sind die überfüllten Herbergen und die geldgierigen Vermieter, die das Pärchen in den Stall abschieben.Dann wird das Kind nach der Tradition in den Tempel gebracht und der armen Mutter verheißen, dass ihr ein Schwert durch die Seele dringen wird. Da ist ein König, der vom neugeborenen König hört und in Panik alle Neugeborenen in der Umgebung töten lässt. Da ist der Josef, der durch dubiose Träume rechtzeitig gewarnt wird und auf die Flucht muss. Da ist die Familie als Flüchtlinge im fremden Land und muss sich so durchschlagen. Da stirbt der alte König endlich und sie können nach Hause, müssen aber völlig neu anfangen. Da nehmen sie den Sohn mit auf Wallfahrt und müssen ihn drei Tage lang suchen, weil er einen eigenen Kopf hat und neue Wege geht und völlig unverständliche Dinge erzählt. Und immer so weiter.Ich denke, wenn Familien spüren können: diese Familie von Nazareth hat so viel Trabbel und Chaos und Katastrophen im Leben gehabt und sie haben es trotzdem geschafft auf Gott zu vertrauen und ihr Leben auf ihn zu setzen, dann kann es tatsächlich Vorbild für uns und unser heutiges Leben in all seinem Chaos und Durcheinander sein. Denn nicht die scheinbar heile Welt auf dem Gemälde mit dem goldenen Rahmen und den köstlichen Früchten stellt die heilige Familie dar, sondern ihr Vertrauen in Gott trotz aller Katastrophen.

Vertrauen in Gott trotz aller Katastrophen

Ein Weihnachtswunder

Viele Leute schauen in diesen Weihnachtstagen gerne Filme und Serien. Und Weihnachtsfilme und Märchen stehen besonders hoch im Kurs. Da geht es von den drei Haselnüssen für Aschenbrödel, über Sissi, den Kleinen Lord und Kevin allein zu Haus bis zu Serien, die in diesen Tagen rauf und runter gestreamt werden und ein wohliges Weihnachtsgefühl erzeugen. Ein Film, der mich letztes Jahr sehr berührt hat, war "Bach – ein Weihnachtswunder" und erzählt von Johann Sebastian Bach, der 1734 in Leipzig als Thomaskantor mit seiner Familie lebt und arbeitet und an einem großen Werk schreibt, dass zum Weihnachtsfest fertig und aufgeführt werden soll.Und der Film nimmt uns mit in eine bewegte Zeit, in die Abhängigkeit vom Geldgeber der Stadt, in die Eifersucht der Pastöre, die Musik nur als liebliches Beiwerk und nur ihre Worte als Verkündigung gelten lassen wollen. Aber er zeigt uns auch die Probleme und Katastrophen in der eigenen Familie um den Tod seiner ersten Frau, um die Verzweiflung seiner Maria Magdalena um den Tod von sieben Kindern in wenigen Jahren, um die Vaterkonflikte mit seinen so verschiedenen Söhnen und um seinen wirklich schwierigen Charakter.Und dazwischen die Komposition und die tausende von Notenblättern, die überall zum trocknen im Haus hängen, um die üblichen Weihnachtsvorbereitungen für einen großen Haushalt, um die Flucht des sensiblen Sohnes in der Winterkälte und die Rettung in letzter Sekunde, damit nicht der Vorwurf bleibt, er, der Vater, habe an einem Tag zwei Söhne aus dem Haus getrieben, weil er nur an sein Werk und nicht mehr an die Menschen in seiner Nähe denken kann. Und dazwischen Chorproben, Stimmübungen, Orchesterproben und Zoff mit der Tochter, die unbedingt im Chor mitsingen will, was aber damals für Mädchen nicht erlaubt ist.Und dann wird es doch fertig und kommt und bricht heraus mit Chor und Orchester und Pauken und Trompeten erklingt das fulminante "Jauchzet frohlocket, hochpreiset die Tage, rühmet was heute der Höchste getan" und ich konnte mit einem tiefen Seufzer all die Spannung und Tragik, all die Schwierigkeiten und Sorgen in dieser Familie und Zeit, herauslassen und war mit allen glücklich, dass dieses unglaubliche Werk doch noch zustande gekommen ist. Und ich werde es heute anders hören als noch vor Jahren und finde ganz viele Parallelen zum Tun und Rennen und Jagen der letzten Wochen und freue mich ganz neu und jauchze und frohlocke und preise die Tage und rühme was heute der Höchste getan.

Ein Weihnachtswunder

Gott kommt selbst in diese Welt

"Moment, ich verbinde", höre ich manchmal am anderen Ende der Telefonleitung, wenn ich jemanden sprechen möchte und im Vorzimmer gelandet bin. Wichtige Leute haben meist ein Vorzimmer, das die Korrespondenz führt, Anfragen bearbeitet und auch unliebsame Kontaktanfragen abwimmelt. Und wenn ich Pech habe, dann bekomme ich diese wichtige Person gar nicht selbst zu sprechen, sondern nach einer Weile in der Warteschleife meldet sich das Vorzimmer wieder zurück und dann heißt es: "Der Herr Doktor lässt ausrichten, dass …".Ich gebe zu, dass mich das manchmal ganz schön nervt, weil es auch manchmal etwas wichtigtuerisch daherkommt. Andererseits denke ich aber, dass manche Leute ganz gut ein Vorzimmer gebrauchen können, das ihnen den Rücken freihält. Und was hat das nun mit Weihnachten zu tun? Der Apostel Paulus schreibt in seinem Brief an die Hebräer, dass Gott viele Male und auf vielerlei Weise zu den Menschen gesprochen hat, allerdings meist durch die Propheten. Sie waren also ein solches Vorzimmer, das als Stimme Gottes gewirkt und seine Botschaft den Menschen gebracht hat.Doch jetzt spricht Gott selbst zu uns – ohne ein Vorzimmer, das ausrichten lässt "Gott wünscht, dass und das sollt ihr tun …". Er kommt nämlich selbst in diese Welt, indem er einer von uns wird. Das Vorzimmer wird plötzlich aufgelöst. Er kommt in seine Welt und wird in einem Stall in einem unbedeutenden Kaff am Ende der Welt geboren. Ganz normal, wie Tausende heute in armen, unbehausten, kriegerischen Situationen in der Ukraine, in Gaza und noch vielen weiteren Ländern.Ein Gott, der so unmittelbar ist, dass er in unser Chaos kommt als ein kleines, verwundbares Kind, das zeigt, wie solidarisch er mit uns ist. Zeigen wir diese Solidarität allen Menschen, indem wir auch ihnen ganz nahe sind – live und in Farbe und in der Freude der Weihnacht.

Gott kommt selbst in diese Welt

Wie verbringen eigentlich Ordensleute Heiligabend?

Immer wieder werde ich gefragt, was wir Schwestern denn so am Heiligen Abend machen. Also, wir werden nach den Laudes nachher noch ein paar kleine Vorbereitungen machen und die Kapelle im Haus und in der Pfarrkirche weihnachtlich gestalten. Dann den normalen Haushalt und die Habite und Schleier festtäglich parat machen, Tischdecken nochmal kurz überbügeln und alle Zimmer, die in den nächsten Tagen für Gäste gebraucht werden noch schön dekorieren. Und heute Abend werden wir ins Nachbarstädtchen fahren und mit unseren älteren und alten Schwestern im Altenheim den Heiligen Abend feiern. Wir werden das wunderbare Evangelium lesen, das davon berichtet, dass Kaiser Augustus den ganzen Erdkreis in Steuerlisten eintragen zu lassen befohlen hat und deshalb auch Josef mit Maria nach Bethlehem ziehen musste, weil er aus dem Geschlecht und Haus Davids stammte. Und das mit den Hirten und den Engeln mit der Botschaft vom Frieden auf Erden. Und wir werden zusammen singen, Musik machen, plaudern und ausdeutenden Gedichten und Geschichten lauschen. Dann fahren wir zurück in unseren Konvent, werden ein bisschen zu Abend essen und dann zur Christmette um 22.00 Uhr in ein Nachbardorf fahren. Und wenn wir davon nachhause kommen, dann gibt es bei uns seit vielen Jahren mein Lieblingsritual. Wir gehen in unsere Hauskapelle und singen „zu Bethlehem geboren ist uns ein Kindelein“ und legen das hölzerne Christkind in die Krippe. Soweit das äußere, sichtbare Geschehen. Aber die Dinge, die dazwischen geschehen, die man nicht machen, nicht planen, nicht vorbesprechen kann, auf diese Dinge bin ich gespannt. Wird mein Herz angerührt werden, oder absolviere ich nur, wie immer, wird der göttliche Funke überspringen oder bleibt es eine schöne Feier, wie immer, wird das Kind in der Krippe in mir lebendig oder bleibt es aus schön geschnitztem Holz, wie immer? Ich denke, auch Dir und vielen anderen von uns geht es so. Und so bitte ich mit Dir und euch diesen, zu uns heruntergekommenen Gott, um seine Nähe und seinen Weg mit uns durch diese besonderen Tage und Nächte.

Wie verbringen eigentlich Ordensleute Heiligabend?

Wie kann man Weihnachten fühlen, spüren und neu glauben?

Der Glaube der Menschen an den menschgewordenen Sohn Gottes war immer mehr zurückgegangen und wurde von vielen gläubigen Christen und hochgelehrten Theologen vehement abgelehnt. Und genau in dieser Zeit will Franziskus von Assisi das Weihnachtsgeschehen so feiern, dass man es fühlen, spüren und neu glauben kann. Johannes von Greccio berichtet aus dem Winter 1223: Franziskus habe den Wunsch gehabt, das Gedächtnis an jenes Kind [...], das in Bethlehem geboren wurde, und [...] die bittere Not, die es schon als kleines Kind zu leiden hatte, wie es in eine Krippe gelegt, an der Ochs und Esel standen, und wie es auf Heu gebettet wurde, so greifbar als möglich darstellen zu lassen. Und so haben die Leute ringsum alles dahingebracht: Ochs und Esel, Schafe und Heu und Stroh. Und die Brüder der umliegenden Klöster und die Menschen der umliegenden Dörfer sind gekommen, um mit Fackeln und Kerzen zu sehen, zu singen und zu beten. Und später wird berichtet: während der Predigt des Franziskus, der unentwegt davon gesprochen hat: „Das das heiligste und geliebte Kind uns geschenkt, für uns geboren am Weg und in eine Krippe gelegt worden ist, weil in der Herberge kein Platz gewesen ist“ da habe man gesehen, dass das leblos daliegende Kind in der Krippe lebendig wurde. Soll heißen: dass das Krippenspiel die Herzen der Menschen [...], die im Glauben an Christus erkaltet waren, wieder aufgeweckt hat. Nach der Prozession, der Lesung des Evangeliums und der Predigt wurde das Krippenspiel beendet und die Menschen kehrten in seliger Freude nach Hause zurück. In vielen Gemeinden werden in diesen Tagen Krippenspiele gespielt. Manchmal von Kindern, oft auch von Erwachsenen. Und wir, sonst so nüchterne Verstandesmenschen, fühlen uns im Inneren angerührt wegen der Geschichte der Geburt dieses Gotteskindes in Armut und Not. Wenn dieses Weihnachtsgeschehen mit seinen Krippenspielen, den alten, oft so romantischen Liedern und dem so bekannten Evangelium es schaffen kann, den Glauben an diesen menschgewordenen Sohn Gottes in uns wieder ein bisschen lebendiger zu machen, dann gibt es kein schöneres Geschenk in den nächsten Tagen für jeden von uns.

Wie kann man Weihnachten fühlen, spüren und neu glauben?

In welche Richtung zeigt der Weihnachtsbaum?

Schon am Freitag hat unser Hausmeister den Baum gebracht und in unser Wohnzimmer gestellt. Anders wäre es nicht zu schaffen gewesen in den letzten arbeitsreichen Tagen vor dem Fest. Jetzt steht er also da, wunderbar dunkelgrün und tatsächlich duftend nach Wald und Harz und Kühle. Und wir haben die Heizung ein bisschen runtergedreht und ihm Wasser in den Christbaumständer gegeben, dass er lange durchhält und uns Freude macht. Und morgen werden wir ihn schmücken, mit Strohsternen und Holzfiguren und kleinen geschenkten Dingen, die ihn dann so wunderschön machen. Und mit elektrischen Kerzen und mit echten Wachskerzen. Mir gefällt die Lichtersymbolik der Adventszeit auf Weihnachten hin so gut. Jeden Adventssonntag eine Kerze mehr am Kranz. Ein kleines Licht mehr, dass das Ankommen Gottes ankündigt und die Sehnsucht danach heller erscheinen lässt. Und dann am Weihnachtsfest der hell erleuchtete Baum mit ganz vielen Lichtern, der zeigt: Gott ist im Kommen. In einer der vielen Geschichten im Advent hatte ich gelesen, dass in vorigen Jahrhunderten der Christbaum tatsächlich unter die Decke gehängt worden ist, mit dem Stamm nach oben und der Spitze nach unten. Und die Deutung dazu war, dass den Leuten deutlich wurde, dass der Baum wie ein Pfeil die Richtung zeigt, weil Gott herunterkommt und unter uns in unserem Alltag und Kleinkram und Sorge und Leid bleiben will. Und dann könnte ja der Baum, wie wir ihn heute sehen, eher unsere Richtung zeigen: den Pfeil nach oben, dorthin wo wir, da wir es weder zeitlich noch räumlich anders denken können, Gottes Gegenwart verorten, in seinem Himmel. Und das ist nicht nur ein frommes Gedanken- und Deutungsspiel. In der heutigen Lesung aus dem Buch Jesaja heißt es unmissverständlich: Ich der Herr will es vollbringen. Und das war viele Jahrhunderte vor Christus. Und im Jakobusbrief, aus dem ersten Jahrhundert nach Christus heißt es: „Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus, bis zur Ankunft des Herrn!“ Allein diese Zeitdimension macht uns Heutigen zu schaffen, denen Geduld nicht die bevorzugte Tugend ist. Der leuchtende Baum ist vielleicht eine Gedanken- und Hoffnungsstütze.

In welche Richtung zeigt der Weihnachtsbaum?

Zehntausende Menschen singen die christliche Botschaft

Es gibt einen wunderbaren neuen Liturgietrend: Im Jahr 2003 fing alles an. 89 Verrückte trafen sich "halblegal" mit Glühwein und Gebäck auf Höhe der Mittellinie im Stadion An der Alten Försterei in Berlin zum Weihnachtsliedersingen.Von Jahr zu Jahr wuchs die Schar der Sänger. Seit Weihnachten 2015 erfüllen die Stimmen von über 28.000 Menschen das "eiserne Wohnzimmer“, das Stadion von Union Berlin. Das Weihnachtssingen ist inzwischen ein generations- und vereinsübergreifendes Ereignis. Pfarrer Kastner trägt die Weihnachtsgeschichte vor, der Chor des Gymnasiums gibt Tonart und Takt vor und eine kleine Bläsergruppe sorgt für festlich-fröhliche Klänge. Liederbuch und Kerze gibt es gratis - eine kleine Spende für die Nachwuchsarbeit des Vereins ist jedoch immer willkommen. Und das Ganze hat Schule gemacht. Weihnachtssingen im Stadion gibt es mittlerweile in vielen Städten: in Dortmund mit mehr als 70 000 Menschen, in Köln, erstmals in Paderborn und in Leverkusen und noch mehr. Wenn die Menschen nicht mehr in die Kirche kommen, dann finden sich andere Möglichkeiten, die wundervolle Botschaft von der Geburt des Gotteskindes in die Welt, an den Mann, an die Frau und zu den Kindern zu bringen. Dass Menschen in den Stadien bei den Fußballspielen singen, ist ja nichts Neues und dass dort beim Zusammensingen ein Zusammengehörigkeitsgefühl entsteht, dass man sonst nicht mehr findet, ist auch nichts Neues. Aber wenn im Stadion zehntausende Menschen die Christliche Botschaft mit ihren Liedern verkünden, das ist wunderbar und einmalig. Auch wenn es vielen Menschen gar nicht bewusst ist: die alten und neuen Lieder verkünden auf ihre Weise, dass Gott die Menschen liebt und Ihnen nahe sein will. Keine Sorge: Ich will die festlichen Weihnachtsgottesdienste in den geschmückten Kirchen und Kapellen, mit mehrstimmigen Chorgesängen und Trompetenklang nicht abschaffen und schön gefeierte Liturgien in ihren strengen, festen Formen nicht missen. Aber so ein Gesang von „Alle Jahre wieder kommt das Christuskind“ aus zehntausenden Kehlen geht mir mehr unter die Haut und ins Herz.

Zehntausende Menschen singen die christliche Botschaft

"Last christmas" und Weihnachten

In meiner Kinderzeit im real existierenden Sozialismus gab es natürlich auch Winter-, Advents- und Weihnachtslieder, die nach 1949 entstanden sind und einen tollen Spagat hinbekommen haben. Da wurden also der Advent und die Weihnachtszeit besungen mit wirklich schönen Melodien und Texten, die ich bis heute kann. Aber nirgendwo in den ganzen Texten kommt auch nur andeutungsweise vor, worum es im Advent und an Weihnachten wirklich geht – um die Vorfreude auf das Geburtstagsfest Jesu Christi und auf das Kommen Christi am Ende der Zeit. Kein Wunder, da sich die DDR ja als sozialistisches und atheistisches Land verstanden hat. Worauf also "Vorfreude, schönste Freude, Freude im Advent?“ Es geht um die schöne Stimmung beim Kerzenschein, um schöne kleine Heimlichkeiten beim Basteln und Handarbeiten, es geht um schöne Düfte beim Backen und Kochen und um schöne Lieder und Melodien und Stimmen, die gerade in dieser Zeit erklingen. Und das kam allen entgegen, die nicht an Gott glaubten und ja trotzdem Advent und Weihnachten feiern wollten. Wenn heute "Last Christmas" und "I am dreaming of a white Christmas" so populär sind und seit November rauf und runtergespielt werden, ist das so ähnlich, nur ohne staatliche Verordnung. Und dann bin ich trotzdem sehr guter Hoffnung auf ein Weihnachtsfest, an dem Menschen zusammen feiern und vielleicht an irgendeinem Punkt spüren, dass an diesem Fest doch mehr dran sein muss: mehr als Geschenke und festliches Essen, mehr als einmal im Jahr Familie aushalten, mehr als freie Tage und schöne Stimmung. Und ich bin so hoffnungsvoll, weil ich glaube, dass Gott da ist und er diese Sehnsucht nach mehr als alles in uns Menschen hineingelegt hat. Und selbst Christen, die an diesen Gott glauben und sich trotzdem mit vielem an seiner Botschaft schwertun, selbst wir leben in dieser Hoffnung und Vorfreude des Advents, auch wenn es scheinbar immer weniger sind, die das spüren und wirklich ersehnen. Die Botschaft bleibt immer die gleiche und wird verkündet, ob in "Last Christmas“ oder im strengen "Herr send herab uns Deinen Sohn, die Völker warten lange schon".

"Last christmas" und Weihnachten

Was für ein Jesus kommt da auf uns zu?

Die letzten sieben Tage des Advents stehen unter besonderen Vorzeichen. In den Abendgebeten werden in den besonderen Antiphonen die Sehnsucht des Volkes Israel nach Erlösung besungen. Sie sind in ihrem Inhalt also sehr viel älter als das Christentum.Da wird die Weisheit besungen und der Herr angerufen, an die Wurzel aus dem Baumstumpf Isais erinnert, der Schlüssel Davids, der im Buch Jesaja beschrieben ist, wird bestaunt, der Morgenstern herbeigesehnt und der König aller Völker. Und erst in der siebten Antiphon "O Immanuel" taucht ganz vorsichtig eine Bezeichnung für den ersehnten Erlöser auf. Wenn wir ab heute also in die letzte Phase des Advents hineingehen, in die Zeit des Erwartens, könnte es vielleicht eine Zeit werden, mal selbst nach zu denken, wer dieser kommende Gott für mich eigentlich ist. Ist es der ersehnte Erlöser und Immanuel, oder eher der unnahbare Herr, eher etwas so Altes, das schon die Völker des Alten Bundes verehrt haben oder der Jesus von Nazareth, der Bruder aller Menschen? Der unsere Menschenwege mitgegangen ist und sich nicht zu schade war, Leid und Tod auf sich zu nehmen um Menschenleid und Tod zu wenden. In einem Lied, dass während der ersten Coronawelle im Frühjahr 2020, also vor 5 Jahren, entstanden ist, lässt der Texter Franz Thomas Sonka Gott sagen: 1. In dieser schweren Zeit, versinkt die Welt in Dunkelheit. Hab keine Angst, trotz aller Fragen so spricht Dein Gott in diesen Tagen: "Ich bin bei Dir alle Tage, glaube und vertraue mir. Höre was ich zu Dir sage, meinen Segen schenk ich Dir. Niemals lass ich Dich im Stich. Du hast mein Wort: Fürchte Dich nicht"2. In dieser schweren Zeit, herrscht menschenleere Einsamkeit. Hab keine Angst, die bist getragen, so spricht Dein Gott in diesen Tagen:"Ich bin bei Dir alle Tage, glaube und vertraue mir. Höre was ich zu Dir sage, meinen Segen schenk ich Dir. Niemals lass ich Dich im Stich. Du hast mein Wort: Fürchte Dich nicht"

Was für ein Jesus kommt da auf uns zu?

Der Advent zwischen Gottvertrauen und Verzweiflung

Eines der bewegendsten Adventslieder unserer Zeit ist das Lied von Jochen Klepper: "Die Nacht ist vorgedrungen". Dieses Lied hat er 1937 geschrieben. In der Nazizeit lebend, ist ihm und seiner Familie das Leben zur Hölle gemacht worden, weil er eine jüdische Frau geheiratet hatte und sich nicht dazu hinreißen lassen wollte, sich scheiden zu lassen. Seine ältere Tochter konnte noch rechtzeitig ins Exil gehen, aber er, seine Frau und die jüngere Tochter, sind 1942 freiwillig aus dem Leben gegangen. Mit diesem Wissen klingt der Text seines Liedes noch einmal völlig anders in unseren Ohren:"Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern. So sei nun Lob gesungen dem hellen Morgenstern. Auch wer zur Nacht geweinet, der stimme froh mit ein. Der Morgenstern bescheinet auch deine Angst und Pein.Dem alle Engel dienen, wird nun ein Kind und Knecht. Gott selber ist erschienenzur Sühne für sein Recht. Wer schuldig ist auf Erden, verhüll nicht mehr sein Haupt.Er soll errettet werden, wenn er dem Kinde glaubt.Die Nacht ist schon im Schwinden, macht euch zum Stalle auf! Ihr sollt das Heil dort finden,das aller Zeiten Lauf von Anfang an verkündet, seit eure Schuld geschah.Nun hat sich euch verbündet, den Gott selbst ausersah.Noch manche Nacht wird fallen auf Menschenleid und -schuld. Doch wandert nun mit allender Stern der Gotteshuld. Beglänzt von seinem Lichte, hält euch kein Dunkel mehr.Von Gottes Angesichte kam euch die Rettung her.Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt. Als wollte er belohnen, so richtet er die Welt. Der sich den Erdkreis baute, der lässt den Sünder nicht. Wer hier dem Sohn vertraute, kommt dort aus dem Gericht."Vertrauen wir dem Sohn Gottes, dessen Geburt wir jedes Jahr so freudig feiern und denken wir aber auch daran, alles zu tun, dass nicht wieder in und von Deutschland aus eine Ideologie hochkommt, die Menschen in Leid und Tod stürzt.

Der Advent zwischen Gottvertrauen und Verzweiflung

Sich von Gott "ankreuzen" lassen - Impuls von Schwester Katharina

Heute am Aschermittwoch lassen wir uns, lasse ich mich "ankreuzen". Mit Asche lasse ich mir ein Kreuz auf die Stirn zeichnen und mir wird aufgetragen: „Kehr um und glaub an das Evangelium!“

Sich von Gott "ankreuzen" lassen - Impuls von Schwester Katharina