Torsten Lieberknecht ist seit vielen Jahren eine feste Größe im deutschen Profifußball. Mit Eintracht Braunschweig und dem SV Darmstadt 98 führte er zwei Vereine bis in die Bundesliga – jeweils mit Mannschaften, die nicht zu den natürlichen Aufstiegskandidaten zählten. Heute ist er Cheftrainer des 1.FC Kaiserslautern, jenes Klubs, bei dem er selbst den Schritt in den Profibereich gemacht hat und zu dem er bis heute eine enge persönliche Bindung hat. Im Gespräch geht es weniger um einzelne Spiele oder Systeme als um die Fragen hinter dem Beruf: Wie bleibt man unter dauerhaftem Erwartungsdruck handlungsfähig? Wie geht man mit Nähe um, ohne sich darin zu verlieren? Und was bedeutet Verantwortung, wenn ein Verein für viele Menschen weit mehr ist als Fußball? Lieberknecht spricht über Selbsthinterfragung, über Abnutzung im Trainerberuf und über Analyse als Mittel, um Distanz zu gewinnen und Klarheit zu behalten. Ein zentrales Thema im neuen LEADERTALK mit Host Mounir Zitouni ist dabei sein Verständnis von Identifikation. Lieberknecht beschreibt Führung als bewusstes Sich-Verschreiben auf Zeit: sich einem Verein, einer Mannschaft und einer Region mit voller Konsequenz anzunähern – ohne die professionelle Distanz aus den Augen zu verlieren. Gerade am Beispiel Kaiserslautern wird deutlich, wie eng für ihn persönliche Herkunft, emotionale Bindung und berufliche Verantwortung miteinander verbunden sind. Dabei wird auch sichtbar, dass sein Weg nicht im luftleeren Raum entstanden ist. Lieberknecht benennt die Trainer, die ihn geprägt haben – darunter Karl-Heinz Feldkamp und Wolfgang Frank – nicht als Vorbilder im klassischen Sinn, sondern als Wegmarken einer Entwicklung, aus der er ein eigenes Führungsverständnis geformt hat.
























