Märchenpott
Märchenpott

Märchenpott

Christian, Jenny und Elena


Podcast

Es waren einmal der Christian, die Jenny und die Elena. Die drei kennen sich schon sehr lange und sie haben eine Gemeinsamkeit: ihre Begeisterung für Märchen. Diese Begeisterung möchten sie hier mit euch teilen. Doch Märchen einfach nur zu erzählen, reicht ihnen nicht. Sie wollen darüber reden und zeigen, wie vielschichtig, komplex und zeitlos Märchen sind. Dazu unterteilen sie ihre Folgen in Märchenstunde und Märchenkunde. In der Märchenstunde sprechen sie euch ein Hörspiel ein. In der darauf folgenden Märchenkunde tauschen sie sich dann darüber aus und analysieren und diskutieren Aspekte zu einem bestimmten Oberthema. Dazu betrachten sie Märchenklassiker von ganz neuen Seiten und nehmen euch mit in (un-)bekannte Märchenwelten. Das ist mal lustig, mal nostalgisch, mal blutrünstig und auch mal kitschig – aber niemals altmodisch oder Kinderkram. Vielmehr geht es um Geschichte, Literatur, Popkultur samt Film und Fernsehen sowie die großen Themen der Menschheit – eben um all das, was in der scheinbar so simplen Textsorte Märchen steckt.

Alle Folgen

  • Folge 129 – Märchenkunde: Von Biedermeier, Struwwelpeter und zwei Schwestern

    06.09.20261:50:49

    Es war einmal... zwei Brüder, die die Idee verfolgten, altes Volksgut zu bewahren. Dazu wollten sie durchs Land ziehen und sich diese Geschichten direkt von den Menschen selbst erzählen lassen. Heute wissen: Dieser Plan der Brüder Grimm hat nicht funktioniert. Und auch sonst sah es erstmal gar nicht danach aus, dass die Kinder- und Hausmärchen ein weltweiter Erfolg werden würden. Ganz im Gegenteil: Die erste Ausgabe des Grimmschen Märchenbuchs war sogar ein ziemlicher Flop. Die Brüder machten sich an die Überarbeitung und passten die Märchen dem Zeitgeist an. Das bedeutete: Sie schnitten die Geschichten auf ein kindlichen Publikum zu und stellten die pädagogische Aussage der Märchen besonders heraus. Und damit trafen sie einen Nerv, denn zur Zeit des Biedermeier entwickelte sich eine Kinder- und Jugendliteratur, die Kinder bilden und erziehen sollte. Obwohl Märchen ursprünglich nicht für Kinder gedacht waren, vollzieht sich hier also die Verknüpfung zwischen Märchen, Kindheit und Erziehung. Bis heute haben Märchen einen Platz in vielen Kinderzimmern, allerdings nicht mehr so selbstverständlich wie früher. Denn Märchen sind umstritten, vor allem wegen veralteter Geschlechterrollen und ihrer Grausamkeit. Aber haben Märchen deswegen wirklich keinen bildenden Wert mehr? Und ist die Pädagogik, die Märchen wirklich so schwarz, wie oft dargestellt? Diesen Fragen gehen wir in der heutigen Folge nach. Dazu schauen wir uns den zeitgeschichtlichen Kontext genauer an und tauchen ein in die Zeit des Biedermeier, der auch für unser heutiges Verständnis von Kindheit von Bedeutung ist. Außerdem analysieren und interpretieren wir das wohl pädagogischste und zugleich biedermeiserlichste Märchen in der Sammlung der Grimms: "Schneeweißchen und Rosenrot." Zum Vergleich zu der im Märchen dargestellten Tugendhaftigkeit und Harmonie ziehen wir das Paradewerk der Schwarzen Pädagogik heran: "Der Struwwelpeter". Und wir zeigen, wie Märchen in der NS-Zeit missbraucht werden, um Kindern die nationalsozialistische Ideologie einzuimpfen.

  • Folge 128 – Märchenstunde: Schneeweißchen und Rosenrot

    23.08.202613:19

    Es war einmal... Eine arme Witwe, die lebte einsam in einem Hüttchen, und vor dem Hüttchen war ein Garten, darin standen zwei Rosenbäumchen, davon trug das eine weiße, das andere rote Rosen; und sie hatte zwei Kinder, die glichen den beiden Rosenbäumchen, und das eine hieß Schneeweißchen, das andere Rosenrot. Sie waren aber so fromm und gut, so arbeitsam und unverdrossen, als je zwei Kinder auf der Welt gewesen sind – ein Vorbild an Tugendhaftigkeit, Frömmigkeit und Liebreiz eben. Bedroht werden die guten Mädchen durch einen raffgierigen Zwerg, der ihre Hilfbereitschaft nicht zu schätzen weiß. Der gute Bär dafür umso mehr... Viel Spaß bei Hören!

  • Folge 127 – Märchenkunde: Alles in Ordnung

    09.08.20261:37:39

    Es war einmal... die große Frage danach, was eigentlich gerecht ist. Sie prägt politische Debatten ebenso wie unser alltägliches Miteinander: Wie können Chancen fair verteilt werden? Was ist eine angemessene Strafe? Wann ist eine Ungleichbehandlung gerechtfertigt? Ob es um soziale Gerechtigkeit, Steuergerechtigkeit, Klimagerechtigkeit oder Generationengerechtigkeit geht – kaum ein Begriff ist so präsent und zugleich so unterschiedlich interpretierbar wie der der Gerechtigkeit. Die Auseinandersetzung mit Gerechtigkeit ist keineswegs ein modernes Phänomen. Schon lange bevor Philosophinnen und Philosophen, Juristinnen und Juristen oder Politikerinnen und Politiker darüber stritten, verhandelten Menschen Fragen von Recht, Unrecht, Schuld und Vergeltung in ihren Geschichten. Hier kommen die Märchen ins Spiel. Märchen erzählen von der Hoffnung, dass am Ende eine gerechte Ordnung hergestellt wird – dass das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Eine simple Gleichung, die in der Realität oft nicht aufgeht. Und auch die Märchengerechtigkeit ist häufig weitaus komplexer, zumal sie mit unseren heutigen Vorstellungen von Fairness nicht immer vereinbar scheint. In dieser Folge werfen wir einen Blick auf die unterschiedlichen Formen von Gerechtigkeit im Märchen. Warum erscheinen manche Strafen aus heutiger Sicht unverhältnismäßig? Weshalb werden Tugenden wie Fleiß, Bescheidenheit oder Mitgefühl so häufig belohnt? Und welche Werte spiegeln diese Geschichten über die Gesellschaft wider, aus der sie stammen? Anhand des Märchens “Die ungleichen Kinder Evas, das ihr euch in unserer letzten Folge (Nr. 126) anhören könnt, betrachten wir, wie moralische Ordnung hergestellt wird, welche Rolle Schicksal, Eigenverantwortung und Zufall spielen und welche Funktion Gerechtigkeit im Märchen erfüllt. Dabei geht es auch um die Frage: Sind Märchen wirklich gerecht oder erzählen sie vielmehr von dem Wunsch nach einer gerechten Welt? Wir wünschen euch viel Spaß beim Hören!

  • Folge 126 – Märchenstunde: Die ungleichen Kinder Evas

    26.07.20266:02

    Es waren einmal... Adam und Eva, die, nachdem sie aus dem Paradies vertrieben waren, sich auf unfruchtbarer Erde ein Haus bauen und im Schweiße ihres Angesichts ihr Brot essen mussten. Adam hackte das Feld und Eva spann Wolle. Eva brachte jedes Jahr ein Kind zur Welt, die Kinder waren aber ungleich, einige schön, andere häßlich. Nachdem eine geraume Zeit verlaufen war, sendete Gott einen Engel an die beiden und ließ ihnen entbieten, daß er kommen und ihren Haushalt schauen wollte. Eva, freudig, daß der Herr so gnädig war, säuberte emsig ihr Haus, schmückte es mit Blumen und streute Binsen auf den Estrich. Dann holte sie ihre Kinder herbei, aber nur die schönen – und diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen für ihre Kinder, vor allem für die hässlichen ... Dieses Legendenmärchen ist deutlich kürzer als das Märchen in unserer letzen Märchenstunde, hat es aber in sich. Das werdet ihr in der nächsten Folge hören, wenn wir uns näher damit beschäftigen. Das Thema ist ernst, beim Einlesen haben wir uns aber so beömmelt wie selten.Deswegen gibt es diesmal ein paar Outtakes hinten dran. Das entspannt vielleicht auch ein wenig das Gemüt, Elena zum Beispiel hat sich über das Märchen etwas aufgeregt. Viel Spaß beim Hören!

  • Folge 125 – Märchenkunde: Von Quersummen, Lebenszahlen und dem bösen Blick

    12.07.20261:32:27

    Es waren einmal… zwei Brüder, drei Federn, sieben Raben, zwölf Feen… Ist euch schon mal aufgefallen, dass in fast jedem Märchen Zahlen auftauchen? Und dass manche Zahlen uns immer wieder begegnen? Doch warum gibt es ausgerechnet drei Wünsche, sieben Zwerge und die böse dreizehnte Fee? Handelt es sich dabei um zufällige Mengenangaben oder erzählen uns Zahlen etwas, das weit über die eigentliche Handlung hinausgeht? Genau diesen Fragen gehen wir in dieser Folge nach. Grundlage dafür ist das Märchen unserer letzten Märchenstunde (Folge 124): “Die zwei Brüder”. Es ist nicht nur eine der komplexesten Geschichten (oder vielleicht sogar die komplexeste?) der Kinder- und Hausmärchen, sondern steckt voller Zahlen. Und die sind weit mehr als dekoratives Beiwerk. Deswegen bilden wir Queersummen, errechnen unsere Lebenszahl, lernen, wie Zahlen den bösen Blick heraufbeschwören und müssen mal wieder feststellen: Auch nach einhundertfünfundzwanzig Folgen Märchenpott gibt es sie noch, die neuen und großen Erkenntnisse über Märchen.

  • Folge 124 – Märchenstunde: Die zwei Brüder

    28.06.202644:50

    Es war einmal... zwei Brüder, ein reicher und ein armer. Der Reiche war ein Goldschmied und bös von Herzen; der Arme nährte sich davon, dass er Besen band, und war gut und redlich. Der arme hatte zwei Kinder, das waren Zwillingsbrüder und sich so ähnlich wie ein Tropfen Wasser dem andern. Die zwei Knaben gingen in des Reichen Haus ab und zu und erhielten von dem Abfall manchmal etwas zu essen. Es trug sich zu, dass der arme Mann, als er in den Wald ging, Reisig zu holen, einen Vogel sah, der ganz golden war und so schön, wie ihm noch niemals einer vor Augen gekommen war. Ja, und damit nimmt eines der komplexesten Grimm-Märchen seinen Lauf. Und an manchen Stellen fühlt man sich fast schon wie in einer Fantasy-Geschichte. Viel Spaß beim Hören!