
Marko Martin, einmal klingeln
„Marko Martin, einmal klingeln“ ist ein Podcast der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, der ostdeutsche Geschichten neu erzählt – facettenreich, streitbar und einladend. In der ersten Staffel verbinden Schriftsteller Marko Martin, der 1989 als Kriegsdienstverweigerer die DDR verließ, und Eva-Maria Zehrer persönliche Erinnerungen mit gesellschaftlichen und kulturellen Fragen. Sie setzen bewusst auf Dialog statt Monolog und nehmen die Zuhörenden mit auf eine Reise durch Vergangenheit und Gegenwart.
Alle Folgen
Die Stadt der Sehnsucht – und ihre Brüche
Paris – für viele ein Sehnsuchtsort, geprägt von Filmen, Literatur und ästhetischen Bildern. Für Marko Martin wurde die französische Hauptstadt Anfang der 1990er Jahre mehr als das: eine zweite Heimat und ein Erfahrungsraum, der weit über romantische Vorstellungen hinausgeht. In dieser Folge spricht er mit Eva-Maria Zehrer über Erwartungen, Wirklichkeit und darüber, wie prägend der Blick von außen sein kann. Ausgehend von seiner DDR-Sozialisation beschreibt Marko Martin, wie Frankreich zunächst über Filme und Bücher in seine Vorstellung trat – als Ort der Freiheit, der Kritik und der kulturellen Offenheit. Die erste Reise nach Paris wurde dann zur Konfrontation mit einer lebendigen, vielschichtigen Gesellschaft: ästhetisch faszinierend, aber zugleich geprägt von sozialen Spannungen, Migration und politischen Konflikten. Im Zentrum der Folge steht die Frage, wie sich Wahrnehmung verändert, wenn man sich von vorgefertigten Bildern löst. Marko Martin plädiert dafür, ohne starre Erwartungen zu reisen und sich auf das Unbekannte einzulassen. Seine Begegnungen mit französischen Intellektuellen, die sich früh mit totalitären Systemen auseinandergesetzt haben, zeigen zudem, wie eng die Geschichte Westeuropas mit den Erfahrungen Osteuropas verbunden ist. Gleichzeitig richtet sich der Blick auf die Gegenwart: Frankreich erscheint als Land mit großer kultureller Strahlkraft, aber auch mit strukturellen Problemen – etwa einer starken Zentralisierung von Macht und einer wachsenden Distanz zwischen Eliten und Bevölkerung. Im Vergleich dazu wird auch das politische System Deutschlands reflektiert. Diese Folge ist eine Einladung, genauer hinzuschauen: hinter die Fassaden von Paris, hinter nationale Klischees und hinter die eigenen Erwartungen. Sie zeigt, dass Reisen mehr sein kann als Konsum von Bildern – nämlich eine Möglichkeit, die eigene Perspektive zu hinterfragen und Europa in seiner Komplexität neu zu entdecken. Alle Informationen zu dem Projekt unter https://www.slpb.de/publikationen/podcasts/podcast-marko-martin-einmal-klingeln

Jenseits der Schlagworte: Ein Gespräch über Israel und Verantwortung
Der 7. Oktober 2023 markiert eine historische Zäsur für Israel. In dieser Folge sprechen Marko Martin und Eva-Maria Zehrer über ein Land, das sich im Ausnahmezustand befindet – und über die Herausforderungen, inmitten von Terror, Krieg und internationaler Polarisierung differenziert zu bleiben. Ausgangspunkt sind persönliche Eindrücke und Begegnungen vor Ort. Marko Martin schildert Gespräche mit Intellektuellen, Künstlerinnen und Aktivisten, beschreibt die Atmosphäre in Tel Aviv und Jerusalem und reflektiert die tiefe Erschütterung, die das Hamas-Massaker ausgelöst hat. Dabei geht es nicht nur um militärische oder strategische Fragen, sondern um das Lebensgefühl einer Gesellschaft, die zugleich verletzlich und wehrhaft ist. Im Gespräch wird deutlich, wie komplex die Situation ist: Israel als demokratischer Staat, der sich verteidigen muss; eine Bevölkerung, die um die Geiseln bangt; eine Öffentlichkeit, die zwischen Solidarität und Kritik steht. Marko Martin warnt vor vereinfachenden Narrativen und plädiert für eine Haltung, die sowohl das Existenzrecht Israels als auch die Tragik des zivilen Leids in der Region anerkennt. Die Folge thematisiert auch die deutsche Perspektive: historische Verantwortung, Erinnerungskultur und die Frage, was Solidarität konkret bedeutet. Wie spricht man über Israel, ohne in Lagerdenken zu verfallen? Wie bleibt man empathisch, ohne politische Realität auszublenden? Und welche Rolle spielt die Erfahrung autoritärer Systeme für das Verständnis demokratischer Selbstbehauptung? Diese Episode ist ein Plädoyer für differenziertes Denken in aufgewühlten Zeiten. Sie zeigt, dass politische Urteilsfähigkeit mehr braucht als Schlagworte – nämlich Kenntnis, Empathie und die Bereitschaft, Widersprüche auszuhalten. Kapitel: 00:00 Einführung in die Erfahrungen der Vergangenheit01:21 Heimat und Identität02:11 Erfahrungen in Tel Aviv04:04 Heimatlosigkeit und Suche nach Zugehörigkeit10:08 Die Wahrnehmung Israels in Deutschland15:26 Literarische Begegnungen und kulturelle Reflexionen19:35 Dilemmata und Herausforderungen in Israel27:32 Israel als Vorreiter im Kampf gegen Extremismus29:25 Abschluss und Reflexion über Ambivalenz Mehr Informationen zu dem Projekt gibt es unter https://www.slpb.de/publikationen/podcasts/podcast-marko-martin-einmal-klingeln

Angstfreiheit und ihr Verlust: Hongkong, China und wir
Hongkong galt lange als Ausnahme: ein Ort der Offenheit, der Rechtsstaatlichkeit und der Angstfreiheit – mitten im Machtbereich der Volksrepublik China. In der zweiten Folge der zweiten Staffel blickt der Schriftsteller und Essayist Marko Martin gemeinsam mit Eva-Maria Zehrer auf diese besondere Stadt und ihre dramatische Entwicklung zurück. Ausgehend von persönlichen Reisen und Begegnungen beschreibt Marko Martin Hongkong nicht abstrakt als geopolitischen Konflikt, sondern als konkrete Lebenswelt. Er erzählt von Gesprächen mit Oppositionellen, von frei gewählten Abgeordneten, von einer Zivilgesellschaft, die sich lange gegen ihre schrittweise Entmündigung gewehrt hat – und vom schmerzhaften Moment, in dem klar wurde, dass dieses Ringen verloren ist. Die Proteste von 2019/2020, das Sicherheitsgesetz, die Verfolgung zentraler Figuren wie Joshua Wong markieren den Wendepunkt einer Stadt, deren Freiheitsräume systematisch zerstört wurden. Im Gespräch geht es jedoch nicht nur um Hongkong. Marko Martin zieht Parallelen zu anderen autoritären Systemen in Asien, spricht über Angst als Herrschaftsinstrument und über den fundamentalen Unterschied zwischen einer fehlerhaften, aber angstfreien Demokratie und einer Diktatur, in der selbst Details zur Gefahr werden können. Dabei widerspricht er entschieden der Vorstellung, Demokratie sei ein „westliches Luxusproblem“ – Hongkong und Taiwan zeigen, wie universell der Wunsch nach Rechtsstaatlichkeit und Mitsprache ist. Die Folge verbindet politische Analyse mit literarischer Wahrnehmung: Gerüche, Bilder, Erinnerungen an Filme und Stadträume machen deutlich, was verloren gegangen ist – und warum dieser Verlust auch uns betrifft. Denn der Kampf um Freiheit, so wird klar, findet nie nur an einem Ort statt. Hongkong ist Geschichte. Die Fragen, die diese Stadt aufwirft, sind hochaktuell. Kapitel: 00:00 Einführung in die globale Perspektive03:11 Erfahrungen in Asien und Menschenrechte06:12 Hongkong: Freiheit und Repression08:53 Demokratie und ihre Herausforderungen12:08 Die Rolle der Medien und Journalisten14:47 Kulturelle Wahrnehmung und Identität17:51 Solidarität und Dankbarkeit21:06 Hoffnung für Hongkong und TaiwanMehr Informationen zu dem Projekt finden Sie unter https://www.slpb.de/publikationen/podcasts/podcast-marko-martin-einmal-klingeln

Grenzen überwinden, Welten erobern: Freiheit jenseits der Grenze
Mit einem Schulatlas aus der DDR, einem aktuellen Atlas der Zivilgesellschaft und einem Gedichtband von Reiner Kunze beginnt die zweite Staffel von „Marko Martin, einmal klingeln“. Diese Folge öffnet den Blick auf die große Welt – und auf die Frage, wie man sich Welt aneignet, wenn man in einem geschlossenen System aufgewachsen ist. Marko Martin und Eva-Maria Zehrer sprechen über Postkarten als Projektionsflächen von Sehnsucht, über Weltwissen ohne Reisefreiheit und über Fremdsprachen als Hoffnung auf ein anderes Leben. Erinnerungen an Geografieunterricht, Spiele mit Ländern und Hauptstädten sowie erste Begegnungen mit der Welt nach 1989 verbinden sich mit Erfahrungen aus autoritären Gesellschaften von heute. Im Zentrum steht das „Dazwischen“: zwischen Enge und Weite, Vergangenheit und Gegenwart, Erlebnis und Erkenntnis. Eine Folge über Freiheit, Brüche – und darüber, wie ostdeutsche Erfahrungen den Blick auf die Welt bis heute schärfen. Wenn Sie glauben, alles über die Grenzen und Brüche im Leben zu wissen, werden Sie nach diesem Podcast anders denken. Eva Maria Zehrer und Marko Martin entführen Sie auf eine Reise durch Erinnerungen, geopolitische Grenzen und das menschliche Streben nach Freiheit. Diese Folge durchbricht das Klischee vom starren System und zeigt, wie Menschen selbst aus geschlossenen Gesellschaften eigene Welten erobern. Sie erfahren, warum ein alter DDR-Schulatlas mehr über Träume, Trennung und Durchhaltevermögen verrät als jede politische Analyse. Marko Martin präsentiert seinen „Atlas der Zivilgesellschaft“ und erklärt, warum offener Austausch, verborgene Erinnerungen und Zwischenzeiten im Leben – wie die Zeit zwischen Abitur und Studium – entscheidend sind, um das eigene Ich zu entfalten. Warum Sie das jetzt wissen müssen? Weil Gesellschaften und Menschen nur durch das Verstehen ihrer Brüche wirklich wachsen können. Das Erbe der Vergangenheit prägt unser Handeln heute, und die Bereitschaft, Grenzen zu überwinden, eröffnet ungeahnte Chancen für die Zukunft. Kapitel: 00:00 Einführung in die Themen des Podcasts03:02 Erinnerungen an die DDR und ihre Atlanten05:51 Die Wahrnehmung der Welt im Osten und Westen08:53 Sprachliche Barrieren und ihre Bedeutung11:59 Die Sehnsucht nach Freiheit und Reisen14:59 Zwischenräume und deren Bedeutung im Leben18:00 Erfahrungen von Brüchen in Gesellschaften21:03 Ausblick auf zukünftige Themen und ReisenMehr Informationen zu dem Projekt finden Sie unter https://www.slpb.de/publikationen/podcasts/podcast-marko-martin-einmal-klingeln

Postkarten und Träume: Sehnsuchtsorte der DDR-Zeit
In der letzten Folge dieser Staffel reflektieren Marko Martin und Eva-Maria Zehrer über ihre Urlaubserinnerungen aus der DDR, die Vielfalt der Erfahrungen und die Sehnsucht nach Freiheit. Sie diskutieren die Bedeutung von Beziehungen, die Herausforderungen des Reisens in der DDR und die nostalgischen Erinnerungen an Orte wie die Ostsee und Hiddensee. Die Gespräche sind geprägt von Dankbarkeit für die heutige Reisefreiheit und der Reflexion über die Vergangenheit.

Radio Jerewan und Co.: Der Witz als Überlebensstrategie
In dieser Episode wird die Rolle von Humor und Witzen in der DDR untersucht. Die Gesprächspartner reflektieren über die verschiedenen Funktionen von Witzen in einer Diktatur, die Risiken des Witze-Erzählens und die Entwicklung des DDR-Humors bis in die Gegenwart. Es wird diskutiert, wie Humor als Widerstand gegen die Unterdrückung diente und welche Rolle Kabarett und Medien dabei spielten. Der Vergleich zwischen DDR-Humor und heutigem Witz zeigt, wie sich gesellschaftliche Normen und Freiheiten verändert haben.

Starke Ostfrauen: Realität jenseits des Klischees
In dieser Podcast-Folge wird die Rolle und Realität vonFrauen in der DDR thematisiert. Es wird diskutiert, wie Frauen in der DDR arbeiteten, ihre Doppelbelastung durch Beruf und Haushalt erlebten und welche gesellschaftlichen Zwänge sie erdulden mussten. Die Resilienz der Ostfrauen wird hervorgehoben, ebenso wie ihre kulturelle Repräsentation in Literatur und Film. Abschließend wird die Bedeutung von individuellen Erinnerungen und Erzählungen betont.

Macht und Medizin: Gesundheitswesen zwischen Kontrolle und Fürsorge
In dieser Podcast-Folge wird die Entwicklung der Gesundheitsversorgung in der DDR thematisiert, insbesondere die Rolle der Gemeindeschwestern und die Polikliniken. Es wird diskutiert, wie ideologische Hintergründe die medizinische Versorgung beeinflussten und wie die Psychologie in der DDR pervertiert wurde. Zudem wird die Bedeutung von Literatur und Medien im Kontext der DDR-Gesundheitspolitik beleuchtet. Kapitel 00:00 Die Entwicklung der Gesundheitsversorgungin der DDR05:00 Die Rolle der Gemeindeschwestern undmoderne Ansätze10:31 Polikliniken: Ideologie und Realität18:05 Psychologie und Staatssicherheit in derDDR25:01 Literatur und Medien im Kontext derDDR-Gesundheitspolitik Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie unter https://www.slpb.de/publikationen/podcasts/podcast-marko-martin-einmal-klingeln

Zwischen Karl May und Gojko Mitić: Helden des Ostens
In diesem Gespräch reflektieren Marko Martin und Dr. Eva-Maria Zehrer über ihre Kindheitserinnerungen in der DDR, insbesondere über die Faszination für Indianerfiguren und die Bedeutung von Karl May. Sie diskutieren die Wiederentdeckung von Karl May in der DDR und die Werke von Liselotte Welskopf-Henrich. Zudem wird das Thema Gerechtigkeit und Unrecht in der DDR angesprochen, sowie die Rolle von Kunst und Literatur als Inspirationsquelle. Kapitel 00:00 Einführung in die Kindheitserinnerungen02:59 Die Faszination der Indianerfiguren06:03 Karl May und seine Bedeutung in der DDR08:48 Die Wiederentdeckung von Karl May12:04 Liselotte Welskopf-Henrich und ihre Werke14:50 Gerechtigkeit und Unrecht in der DDR18:01 Kunst und Literatur als Inspirationsquelle20:52 Schlussfolgerungen und Ausblick auf zukünftige Themen Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie unter https://www.slpb.de/publikationen/podcasts/podcast-marko-martin-einmal-klingeln

„Gittersee“ und die Kraft der Erinnerung
In der ersten Folge von "Marko Martin, einmal klingeln" erkunden Schriftsteller Marko Martin und Moderatorin Dr. Eva-Maria Zehrer die Geschichten des Ostens – ihre Brüche, Chancen und Verbindungen zur Gegenwart. Mit einem Buch als Ausgangspunkt, Charlotte Gneuß’ „Gittersee“, diskutieren sie, wie sich junge Generationen der DDR-Geschichte nähern können. Sie sprechen über kulturelle Aneignung, die Rolle der Literatur und die Bedeutung des Dialogs, um Erlebtes und Geprägtes zu verstehen und weiterzugeben. Ein Podcast, der zum Nachdenken einlädt und Vergangenheit, Gegenwart sowie Zukunft miteinander verknüpft. Kapitel: 00:00 Einführung in den Podcast und die Gesprächspartner03:03 Die Relevanz der Geschichten des Ostens05:55 Das Buch "Gittersee" und seine Bedeutung08:45 Literarische Perspektiven auf die DDR-Erfahrungen12:02 Wahrnehmung von Brüchen und Herausforderungen15:12 Kulturelle Aneignung und ihre Chancen17:47 Abschluss und Ausblick auf zukünftige Themen Mehr Informationen zu dem Projekt finden Sie unter https://www.slpb.de/publikationen/podcasts/podcast-marko-martin-einmal-klingeln

Teaser: Marko Martin, einmal klingeln.
„Marko Martin, einmal Klingeln“ ist eine profunde Podcast-Reihe der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, die Erinnerungen an den Osten neu erzählt. Keine nostalgische Anekdotensammlung, sondern ein Format, das aufzeigt, wie Geschichte auch heute prägt. Es verbindet Privates und Politisches, ermöglicht neue Blickwinkel und will zum Gespräch über prägende Erfahrungen anregen – zwischen Familienmitgliedern, Generationen und Regionen.
























