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Must-Read für Anhänger und Kritiker von Verschwörungstheorien
Verschwörungen und Verschwörungstheorien gibt es, seitdem es Politik gibt. In seinem Buch zeigt Michael Butter, warum es wichtig ist, einen differenzierten Blick auf ihre Geschichte und Gegenwart zu werfen.

Peter Handke in Dichterparadiesen
Peter Handke auf Bergeshöhen, in italienischen Parks, im Tegernsee, beim Kicken, im Austausch mit Kollegen - so entspannt wie Isolde Ohlbaum hat den Schriftsteller wohl niemand sonst vor die Linse bekommen.

Alexander Clapp – Der Krieg um unseren Müll. Abgründe eines globalen Milliardengeschäfts
Alexander Clapps Buch „Der Krieg um unseren Müll“ beschreibt in fesselnden Reportagen, dass Abfallentsorgung fast nur Schattenseiten hat und selbst Recycling oft nicht unbedenklich ist.

„Das Selber-Schreiben wird in den Hintergrund treten“
Der Heidelberger Autor belmonte ist technikaffin und experimentierfreudig. In „Was bleibt von uns, wenn das Wasser kommt“ testet er aktuelle KI und präsentiert maschinelle Texte.

Mit neuen Büchern von Tatsuzō Ishikawa, belmonte, Gaspard Kœnig, Ulrike Draesner und Michael Stauffer
Heute schauen wir in die Zukunft. Wir prüfen einen Utopie-Entwurf fürs Jahr 2026 und erfahren mehr über KI-Literatur. Wir suchen Regenwürmer und reisen mit Penelope die Adria hoch.

Leinen los! Ulrike Draesner bereist das Nordmeer
Die Autorin Ulrike Draesner setzt die Segel: Sie reist von Tromsø ins nachtdunkle Nordmeer. Auch ihr neuer Lyrikband erzählt von einer Reise. Er spielt auf „penelopes sch()iff“. Katharina Borchardt im Gespräch mit Ulrike Draesner

Hier ist der Wurm drin
Ausgelaugte Böden und verschwindende Regenwürmer sind eine kaum beachtete ökologische Bedrohung. Gaspard Kœnig hat darüber einen klugen, komischen und fesselnden Gesellschaftsroman geschrieben.

Ein Reich der Frauen
Der Messias wird eine Schwarze Frau sein! Diese Ankündigung löst im Ruanda der 1930er Jahre Euphorie und Unruhen aus. Ein betörender Roman über Glaube, Hoffnung und Widerstandsfähigkeit. Rezension von Sonja Hartl

Krieg – und keiner geht hin? Eine Geschichte der Fahnenflucht
Deserteure – für die einen sind sie mutige Helden der Gewissensfreiheit, für andere Verräter an der Nation. Rolf Cantzen beleuchtet die historische, ethische, juristische und politische Dimension eines Themas, das angesichts der Forderung nach „Kriegstüchtigkeit“ nicht aktueller sein könnte. Rezension von Gerhard Klas

Oskar Fiala – ein unbekannter Autor und das Leid der Psyche
Der letztjährige Georg-Büchner-Preisträger Oswald Egger erzählt von seiner Entdeckung des unbekannten Autors Oskar Fiala. Literarisch begabt und zugleich ein Fall für die Psychiatrie geht er seinen Weg der Kreativität als psychisch Erkrankter. Rezension von Andreas Puff-Trojan

SWR Bestenliste Januar
Stilblüten, Schiffskarten und ein Hund namens Semmel – Daniela Strigl, Beate Tröger und Hubert Winkels diskutierten im Karlsruher Prinz-Max-Palais vier auf der SWR Bestenliste im Januar verzeichnete Werke. Auf dem Programm standen Nava Ebrahimis Roman „Und Federn überall“ (Luchterhand Literaturverlag), der Gedichtband „Portolan“ von Daniela Danz (Wallstein Verlag), Eva Schmidts Roman „Neben Fremden“ (Jung & Jung Verlag) und László Krasznahorkais Roman „Zsömle ist weg“ in der deutschen Fassung von Heike Flemming (S. Fischer Verlage). Die Jurydiskussion beginnt mit einer Kontroverse: Während Hubert Winkels die Konstruktion des Romans „Und Federn überall“ (Platz 4) lobte, war Beate Tröger über die Fülle der Stilblüten im Text verärgert. Daniela Strigl lobte zwar manche Figurenentwicklung und die Dialoge, sprach aber auch von einer inhaltlichen Überfrachtung in Ebrahimis Buch, das von Massentierhaltung, stupiden Arbeitsabläufen, prekären Lohnverhältnissen, zerbrochenen Familien, deutsch-polnischer Vergangenheit, gegenwärtiger Migration und der Erinnerungskultur handelt. Die Jury begab sich mit dem Gedichtband „Portolan“ auf vergangene und neue Seewege (Platz 3). Die anspielungsreiche Lyrik von Daniela Danz beschäftigt sich der globalisierten Frachtschifffahrt genauso wie mit den Möglichkeiten der Zerstreuung und Kontemplation, die das Meer und ihr sprachlicher Echoraum bietet. Auch der neue Roman von Eva Schmidt überzeugte das Podium. Die Geschichte der ehemaligen und inzwischen sehr einsamen Krankpflegerin wird einhellig gelobt – wegen der sprachlichen Präzision und der überraschenden Wendungen, die einen Ausweg aus der geschilderten Trostlosigkeit bieten (Platz 2). Den Spitzenplatz der SWR Bestenliste im Januar nimmt der neue Roman des frisch gekürten Literaturnobelpreisträgers ein. In László Krasznahorkais Roman „Zsömle ist weg“ möchte eine Truppe skurriler Monarchisten einen alten Mann, offenbar der Spross einer jahrhundertealten Adelslinie, zum König von Ungarn ausrufen. Die Jury ist von der sprachmächtigen Parodie auf gegenwärtigen (nicht nur ungarischen) Politpopulismus begeistert. Mit Zsömle ist nicht nur eine Semmel gemeint, sondern auch eine Reihe von dahinsiechenden Hunden. So unterhaltsam und komisch sei Krasznahorkai bislang noch nie gewesen, sagte Daniela Strigl, die ein wenig mit der Übersetzung hadert, weil sie an manchen Stellen etwas „bundesdeutsch“ klinge. Beate Tröger lobt hingegen die einfallsreiche und genaue Übertragung aus dem Ungarischen, für die Heike Flemming verantwortlich ist. Aus den vier Büchern lasen Isabelle Demey und Sebastian Mirow. Durch den Abend führte Carsten Otte.

Nava Ebrahimi: Und Federn überall
Eine Kleinstadt im Emsland. Ein trüber Montagmorgen. Sechs Menschen, deren Wege sich kreuzen, deren Biografien sich für einen Tag überlagern. Sie alle kommen aus ihren sozialen Zwängen und den Prägungen ihrer Herkunft nicht heraus.

László Krasznahorkai: Zsömle ist weg
Der neue Roman des ungarischen Literaturnobelpreisträgers von 2025: Onkel Jószi könnte der König von Ungarn sein, will aber nur seine Ruhe haben. Dann entdeckt ihn eine Gruppe von Monarchisten, die Ungarn wieder groß machen will.

Eva Schmidt: Neben Fremden
Die brillanteste Unterschätzte der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur: Eva Schmidts Romane zeichnen sich durch Beobachtungsgabe und Lebensklugheit aus. Die pensionierte Krankenschwester Rosa bricht in einem Campingbus auf, aber das Ziel steht noch nicht fest.

Daniela Danz: Portolan
Daniela Danz lässt in ihren Gedichten die Strömungen der Vergangenheit in die nervöse Gegenwart einfließen. In „Portolan“ fährt Danz die Schifffahrtsrouten der Welt lyrisch nach. Formbewusstsein trifft auf dichterische Freiheit.

Freuden und Leiden zum Fliegen bringen - Virginia Woolf über Krankheit
Die große britische Autorin Virginia Woolf reflektiert, was Kranksein für sie und uns bedeutet: Der Geist wird schwach und der schmerzende Körper schwingt sich zum Herrscher auf; aber Krankheit ist oft auch Katharsis, mithin Inspiration, Ideen kommen, eine neue Sicht auf die Welt beginnt. Rezension von Brigitte Neumann

Sabrina Orah Mark: Happily | Lesung und Diskussion
Wie lebt es sich als Mutter zweier jüdischer schwarzer Kinder in den amerikanischen Südstaaten? Sabrina Orah Mark antwortet mit dem Ernst einer Betroffenen und der Leichtigkeit einer verspielten Satirikerin.

Der unsagbare Krieg: Kamel Daouds neuer Roman „Huris“ | Buchkritik
Mit seinem Roman „Huris“ verleiht der algerische Schriftsteller all denen Stimme, die im algerischen Bürgerkrieg des Schwarzen Jahrzehnts gestorben oder verschwunden sind. Und bricht damit ein Tabu. Rezension von Claudia Kramatschek

Wenn Geschichte durch Literatur erfahrbar wird
Mit einer Sammlung unterschiedlicher Geschichten erweist sich Autor Artur Becker erneut als großartiger Erzähler. Gespräch mit Christoph Schröder

Und weiter geht´s – Eine Vorschau auf Jubiläen und neue Bücher 2026
Das Literaturjahr 2026 setzt die hochkarätigen Jubiläen fort - SWR Literaturchef Frank Hertweck gibt einen ersten Überblick.

Tausendseitige Emily-Brontë-Phantasie: Besuch bei der Autorin Anjet Daanje in Groningen
In ihrem preisgekrönten Roman „Das Lied von Storch und Dromedar“ wendet Anjet Daanje Quantenphysik auf Emily Brontë an. Ein Meisterwerk. Besuch bei der Autorin in Groningen. Reportage von Katharina Borchardt

Neue Bücher von Anjet Daanje, Artur Becker und eine literarische Vorschau auf das Jahr 2026
Der Grenzgänger Artur Becker mit neuen Erzählungen, Anjet Daanjes gigantisches Lied auf Emily Brontë, die Liste verbotener Bücher und die literarischen Highlights im kommenden Jahr

Ein Jahr der Möglichkeiten: Das war das Literaturjahr 2025
Krise, Kriege, Thomas Mann und Deutscher Buchpreis, warum ein Roman im Konjunktiv gewann und Literatur neue Möglichkeiten eröffnet.

Aussortiert und gebannt – immer mehr Bücher stehen auf der „schwarzen Liste“
Die Verbannung von Büchern aus Schulen und öffentlichen Bibliotheken hat in den USA ein extremes Ausmaß angenommen. Vor allem Titel, die sich mit LQBTQ+-Themen, mit Feminismus oder Rassismus beschäftigen, landen auf dem Index. Aber auch Bücher namhafter Autorinnen wie Margaret Atwood oder Toni Morrison sind betroffen. Der Kulturkampf rechter und ultrakonservativer Gruppierungen hat längst auch Deutschland erreicht. Bibliotheken berichten über zerstörte Bücher, Übergriffe und Shitstorms. Doch der Widerstand gegen die Book Bans wächst. Eine Reportage von Nadine Kreuzahler

Liebe, Ehr‘ und „water closet“ – Der Anglist Manfred Pfister erforscht die Englische Renaissance
Anglist Manfred Pfister liefert mit dem Roman „Englische Renaissance“ eine umfangreiche und reich bebilderte Darstellung dieser Epoche, die an die Antike erinnert.

Eva Baltasar – Mammut | Buchkritik
Eine lesbische Frau will schwanger werden und aufs Land ziehen. Eva Baltasar erzählt von inneren Widersprüchen: drastisch, mit schwarzem Humor und bewegend.

David Szalay – Was nicht gesagt werden kann
David Szalay wurde in Montreal geboren, wuchs in London auf und lebt in Wien. Seine Bücher erzählen von globalisierten Schicksalen. Für „Was nicht gesagt werden kann“ erhielt Szalay nun den Booker Prize. Weihnachtstipp von Christoph Schröder

Zwischen Liederrausch und Maschinenliebe: Tatsuzō Ishikawas „Die letzte Utopie“
Wie dachte man sich einst das Jahr 2026? Mit „Die letzte Utopie“ schrieb Tatsuzō Ishikawa 1953 einen überraschend aktuellen Roman über das Zerbrechen einer robotergesteuerten Welt. Rezension von Oliver Pfohlmann

Mona Awad – Bunny
Ein düsterer BookTok-Hit voller Groteske und Wahnsinn: „Bunny“ zieht in den Bann – und die Fortsetzung kommt im Januar auf Deutsch. Weihnachtstipp von Elisabeth Bold

Mit neuen Büchern von Anthony Burgess, László Krasznahorkai, Tarjei Vesaas und Jon Fosse, mit Weihnachtstipps und einem neuen Lexikon
Heute geht es um große Männer: um den Sohn Gottes, einen Möchtegern-König und die Autoritäten des 20. Jahrhunderts. Und zwei Literaturnobelpreisträger sind auch in der Sendung.

Giovanni Boccaccio — Decameron
Ein literarisches Meisterwerk, ein Klassiker der Weltliteratur – Boccaccios Decameron: die Geburt der modernen Literatur aus den Erfahrungen der Pest im 14. Jahrhundert. Weihnachtstipp von Frank Hertweck

Francesca Melandri – Eva schläft
Mit „Eva schläft” feierte die italienische Autorin Francesca Melandri 2010 ihr Debüt. Eeva Aichner ist von der Lektüre im Jahr 2025 begeistert. Weihnachtstipp von Eeva Aichner

Diego Rodriguez-Robredo — Legendäre Tiere
Weltgeschichte mal anders: auf vier Beinen, mit Flossen oder Federn. Ein reich illustriertes Kindersachbuch zum Staunen und gemeinsamen Blättern an den Feiertagen. Weihnachtstipp von Theresa Hübner

Das Evangelium nach Burgess
Anthony Burgess‘ „Mann aus Nazareth“ ist ein Jesus, der mit mächtiger Stimme, starken Muskeln und der Kraft der Nächstenliebe wirkt. Ein Jesus-Roman mit vielen neuen und ungewohnten Details. Rezension von Wolfgang Schneider

Berit Glanz – Unter weitem Himmel
Ein Roman, der ins Island heute und Anfang des 20. Jahrhunderts führt: Berit Glanz‘ „Unter weitem Himmel“. Weihnachtstipp von Nina Wolf

Onkel Józsi soll König von Ungarn werden. Der neue Roman des Literaturnobelpreisträgers László Krasznahorkai
In diesem Jahr erhielt László Krasznahorkai den Literaturnobelpreis. „Zsömle ist weg“ heißt sein neuer Roman. Darin möchte ein gewisser Onkel Józsi König von Ungarn werden. Katharina Borchardt im Gespräch mit Jörg Magenau

Wer braucht heute noch ein Lexikon?
Ein neues Lexikon entsteht: „Das 20. Jahrhundert in Grundbegriffen“. 30 Artikel stehen schon online. Der Historiker Kristoffer Klammer hat zum Stichwort „Autorität“ geschrieben. Katharina Borchardt im Gespräch mit Kristoffer Klammer

Anjet Daanje – Das Lied von Storch und Dromedar
Hauptfigur Eliza ist tot und trotzdem lebendig. In ihrem neuen Roman „Das Lied von Storch und Dromedar“ hebelt Anjet Daanje die Zeit aus. Weihnachtstipp von Katharina Borchardt

Katerina Poladjan empfiehlt Tarjei Vesaas‘ Roman „Frühlingsnacht“
Katerina Poladjan empfiehlt den Roman „Frühlingsnacht“ von Tarjei Vesaas. Poetische Verdichtung und Offenheit zugleich: „Für mich ist Vesaas ein großes Vorbild“, sagt Poladjan.

Liebe, Lügen, Lampenladen: Wie ein queerer Junge die Berliner Mauer überwand
Ein junger Schwuler in der DDR, eine sture Mutter, ein misstrauischer Staat – und doch: Humor, Hoffnung, Musik und Mut. Victor Schefés „Zwei, drei blaue Augen“ erzählt ein Leben zwischen Stasi-Akten und Tanzfläche. Rezension von Oliver Pfohlmann

Kapitalismuskritik im Popmodus „Wir werden alle ganz schön viel ausgehalten haben müssen"
Wenn PeterLicht über die Gegenwart nachdenkt, kommt es ihm so vor, als würde er mit den Fingern durch Schaum fahren. Dass daraus trotzdem tolle Texte entstehen können, zeigt sein neues Buch. Rezension von Eberhard Falcke

Make Nostalgie Great Again - Historikerin Agnes Arnold-Forsters „Geschichte eines gefährlichen Gefühls“
Nostalgie ist auch nicht mehr das, was sie mal war. In ihrem neuen Buch begibt sich die Historikerin Agnes Arnold-Forster auf Spurensuche eines allzu präsenten Gefühls. Rezension von Johanna Tambe-Ebot

Tezer Özlüs Roman „Die kalten Nächte der Kindheit“: Der Schmerz des Stillstands | Buchkritik
Vor 50 Jahren veröffentlicht, aber von großer Gegenwärtigkeit: Tezer Özlüs Roman „Die kalten Nächte der Kindheit“ zeigt den Kampf einer Frau gegen Zuschreibungen und Normen inmitten einer politisch brisanten Zeit. Rezension von Ulrich Rüdenauer

László Krasznahorkais neuer Roman „Zsömle ist weg“: Vom Wahnsinn der Herrscher und herrschendem Wahnsinn
László Krasznahorkai erfindet in „Zsömle ist weg“ eine Gruppe von Verschwörungstheoretikern, die in Ungarn die Monarchie wiederherstellen wollen. Ihren König haben sie schon gefunden. Rezension von Jörg Magenau

Verteidigung der Freiheit gegen Denkverbote
Im Zeitalter multipler Krisen, die die Freiheit des Denkens und die Grundlagen der Demokratie bedrohen, verteidigt der österreichische Philosoph Konrad Paul Liessmann in seinem neuen Buch „Was nun?“ eigensinnig die Idee der menschlichen Mündigkeit. Rezension von Jochen Rack

Hanif Kureishi ‒ Als meine Welt zerbrach
2022 stürzt Hanif Kureishi und ist fortan größtenteils gelähmt. In „Als meine Welt zerbrach“ berichtet er von seiner langsamen Genesung und seinem Leben. Ein berührendes Zeugnis über die Kraft des Erzählens. Rezension von Tino Dallmann

SWR Bestenliste Dezember bei den Stuttgarter Buchwochen im Haus der Wirtschaft
Eine Feier der Übersetzungen, aber Kritik am Lektorat – Shirin Sojitrawalla, Helmut Böttiger und Klaus Nüchtern diskutieren auf den Stuttgarter Buchwochen vier auf der SWR Bestenliste im Dezember verzeichnete Werke: Peter Schneiders Roman „Die Frau an der Bushaltestelle“ (Verlag Kiepenheuer & Witsch), Sabrina Orah Marks eigenwilliges Memoir „Happily“ in der kongenialen Übersetzung von Esther Kinsky (Residenz Verlag), Hanif Kureishis sehr persönliches Krankentagebuch „Als meine Welt zerbrach“ in der deutschen Fassung von Cornelius Reiber (Luchterhand Literaturverlag) und die Wiederentdeckung eines skandalösen Klassikers: Sidonie-Gabrielle Colettes „Chéri“, angemessen modern übersetzt von Renate Haen und Patricia Klobusiczky und mit einem Nachwort von Dana Grigorcea (Manesse). Schon beim ersten Roman des Abends ist sich die Jury uneins: Während Helmut Böttiger (Literaturkritiker u.a. für den „Deutschlandfunk“) und Shirin Sojitrawalla (Literaturkritikerin u.a. für die „taz“) die insbesondere die deutsch-deutschen Szenen in „Die Frau an der Bushaltestelle“ (Platz 5 der Dezember-Bestenliste) lobten, hält Klaus Nüchtern den Text sowohl in sprachlicher als auch in inhaltlicher Hinsicht für misslungen. Insbesondere die vielen historischen Fehler stoßen ihm übel auf. „Wo war denn hier das Lektorat?“, beschwert er sich. Durchweg positiv besprochen wird Sabrina Orah Marks Familienaufstellung mit Märchen, was zum einen an ihrem kunstfertigen Umgang mit Märchen in „Happily“ (Platz 3) und laut der Jury nicht zuletzt an Übersetzerin Esther Kinsky liegt. Bei Hanif Kureishis Versuch, in „Als meine Welt zerbrach“ (Platz 2) die fatalen Folgen eines schweren Unfalls sprachlich zu fixieren, wird die humoristische Tonlage des nunmehr gelähmten Schriftstellers und Drehbuchautors gelobt. Eine Wiederentdeckung zum Schluss: Colettes 1920 erstmals veröffentlichter Roman „Chéri“ (Platz 1), der die damals skandalöse Geschichte einer alternden Kurtisane mit ihrem deutlich jüngeren Liebhaber erzählt, begeistert die Jury durchweg. Die höflich-galligen Dialoge der Figuren, eine turbulente Anti-Ehe-Liebesgeschichte, aber auch der Einblick in die nahezu aristokratische Halbwelt machen die Lektüre lohnend. Aus den vier Büchern lesen Antje Keil und Dominik Eisele. Durch den Abend führte Carsten Otte.

Sidonie-Gabrielle Colette: Chéri | Lesung und Diskussion
Der bekannteste Roman der 1873 im Burgund geborenen Autorin in neuer Übersetzung. 1920 war der Roman im konservativen Frankreich eine Provokation: Ältere Frau begehrt jungen Mann. Quel scandale!

Peter Schneider: Die Frau an der Bushaltestelle | Lesung und Diskussion
Im April ist Peter Schneider 85 Jahre alt geworden. Er gilt als eine der intellektuellen Symbolfiguren der 1968er-Bewegung. In seinem neuen Buch kehrt er noch einmal zurück in die wilden, politisch aufgepeitschten 1960er.

Hanif Kureishi: Als meine Welt zerbrach | Lesung und Diskussion
An Weihnachten 2022 verliert Hanif Kureishi das Bewusstsein, stürzt und wacht im Krankenhaus wieder auf, vom Hals abwärts gelähmt. Sein Leben danach beschreibt er mit Gnadenlosigkeit, aber auch erstaunlichem Witz.

Short-Story-Sammlung von Joyce Carol Oates: „Nullsumme“
Joyce Carol Oates zeigt in ihrer Short-Story-Sammlung „Nullsumme“, wie trügerisch die Hoffnung sein kann, das eigene Leben jederzeit kontrollieren und berechnen zu können. Rezension von Claudia Fuchs

Willi Winkler – Hannah Arendt. Ein Leben
Vom Rilke-Mädchen zum intellektuellen Medienstar: Willi Winker erzählt Hannah Arendts Biographie in den Wirren des 20. Jahrhunderts. Voller Kontexte und jenem Sarkasmus, den Arendt liebte.

Der elfte Finger der Hand
Kein Schreibgerät ist so unscheinbar, keines so vielseitig – und keines so oft von der Literatur besungen: Der Schauspieler Hanns Zischler widmet dem Bleistift einen Essay, der auch als Liebeserklärung gelesen werden darf. Rezension von Ulrich Rüdenauer

Requiem für Harlem
Drei Menschen hat der Drogendealer-König Viper ermordet – und er ist überzeugt: Nun muss er selbst dranglauben. Zuvor aber erinnert er sich an seinen Aufstieg in Harlem seit den 1930er Jahren. Gangsterroman trifft Stadtgeschichte. Rezension von Sonja Hartl

Fluch und Segen – die Geschichte des World Wide Web
Es sollte ein Portal zur Welt des Wissens werden. Inzwischen breiten sich jedoch auch Fake News, Propaganda, Hass, Hetze und Lüge im World Wide Web aus. Tim Berners-Lee über die Geschichte seiner Erfindung. Rezension von Brigitte Neumann

50 Jahre SWR Bestenliste – Was sagen die Autorinnen und Autoren?
50 Jahre Bestenliste – Autorinnen und Autoren feiern die Literaturkritik

Pistolenschüsse, Petticoats und Philosophie – Alessandro Baricco hat einen metaphysischen Wild-West-Roman verfasst
Alessandro Baricco hat sich einem klassischen Genre auf ungewohnte Weise herangewagt. Er verbindet Wild-West-Romantik mit Philosophie und Mystik.

Runter vom Sofa! Demokratie-Training mit Satirikerin Sarah Bosetti
Die aktuelle Weltlage kann man nur kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen, oder? Nein, findet Satirikerin Sarah Bosetti, die in ihrem Essay „Make Democracy Great again“ die Verrücktheiten unserer Gegenwart provokant und zugespitzt kommentiert. Sprachgewandt und das Potential des Satirischen ausschöpfend macht sie deutlich, dass wir alle zum Erhalt unser Demokratie beitragen können – und müssen. Rezension von Judith Reinbold

Martin Oesch – Fleischeslust
Albträume von Schlachttieren lassen einen Metzger sein Leben und Beruf hinterfragen. In „Fleischeslust" thematisiert Martin Oesch in viel Schweinchenrosa Tierwohl und die Suche nach einem guten Leben.

Wenn die KI die Kontrolle übernimmt
Seit drei Bänden verbindet Tom Hillenbrand Science Fiction mit Krimi – und stellt eine Frage in den Mittelpunkt: Ist die KI Freund oder Feind?

Vom Leben in einem Erdloch
András Visky erzählt in seinem autobiografischen Roman von einer Familie, die im kommunistischen Rumänien in die Steppe deportiert wird und in Erdlöchern hausen muss.

Mit neuen Büchern von Helga Schubert, András Visky und Tom Hillenbrand. Mit einem Gespräch über die Aktualität von Jane Austens Romanen und mit einer Hommage an Martin Walser.
Helga Schubert zieht die Bilanz ihres Lebens, András Visky hat ein gewaltiges Buch über die stalinistischen Lager in Rumänien geschrieben, und die Autorin Eva Pramschüfer erzählt von ihrer Leidenschaft für Jane Austen.

Beschleunigung und Alkohol
Vor rund zwei Jahren ist Martin Walser gestorben. Die Edition Isele hat nun drei Bücher für Liebhaber veröffentlicht.

„Viel mehr als Liebesgeschichten“: Eva Pramschüfer über Jane Austen
Ihre Romane sind ironisch, hochintelligent und unterhaltsam: Die Leserinnengemeinde von Jane Austen ist bis heute riesengroß und heterogen.

Die Schatten der Franco-Vergangenheit in Spanien
In ihrem Band „Wohin mit Franco? Das Unbehagen in der spanischen Erinnerungskultur“ unternimmt Julia Schulz-Dornburg eine Reise zu kuriosen Erbstücken des Franquismus: den Reiterdenkmälern, mit denen dem Diktator Francisco Franco zu seinem Tod 1975 gehuldigt wurde. Sie sind längst aus der Öffentlichkeit verschwunden, doch ihre Reste wurden an diversen Orten Spaniens eingelagert. Rezension von Peter B. Schumann

Auch Nachahmung kann originell sein: Anne Serres Roman „Einer reist mit“
Eine literarische Verführungskünstlerin par excellence: In ihrem Roman „Einer reist mit“ kommt Anne Serre dem Wesen des Schreibens auf die Schliche. Rezension von Leander Berger

Mit aktuellen Büchern von Salman Rushdie, John Banville und Sigrid Nunez
Prag, Venedig, Märchenwelten – Literatur in Bewegung

Die Drehung der Schraube
Venedig im Winter, ein alter Palazzo und eine junge Ehefrau voller Geheimnisse – John Banvilles neues Epos hat alles, was zu einem Schauerroman gehört. Große Vorbilder inklusive.

Das Pinseläffchen Mitz – und wie es die Welt sah
Sigrid Nunez‘ „Mitz, das Pinseläffchen“ ist ein Roman über die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Vor allem aber erzählt es vom Leben des Autorenpaars Virginia und Leonard Woolf – und vom Schrecken, der sich Mitte der 1930er Jahre schon abzeichnet. Rezension von Ulrich Rüdenauer

Berliner Märchentage: Alte Sagen, neue Fragen
Bei den Berliner Märchentagen treffen live erzählte Geschichten aus Ovids Metamorphosen auf ein neugieriges Publikum – und zeigen, wie aktuell die alten Mythen klingen. Von Willkommenskultur über Grenzziehungen bis hin zu der Frage, was gutes Handeln eigentlich bedeutet - ein Abend, der die Gegenwart im Spiegel der Antike sichtbar macht. Reportage von Grit Eggerichs

Auf Dan Browns Spuren in Prag
Prag ist Schauplatz des neuen Dan-Brown-Thrillers. Das Interesse der Fans ist groß und die Stadt reagiert prompt: Neue Dan-Brown-Touren sind ausverkauft. Marianne Allweiss ist mitgelaufen und versucht, das Erfolgsrezept des Autors zu entschlüsseln.

„Wer erzählt, der lebt noch.“- Salman Rushdie meldet sich mit Kurzgeschichten zurück
„Die elfte Stunde“ ist Salman Rushdies erstes literarisches Buch nach der Messerattacke: fünf Erzählungen über Leben, Tod und die Kunst weiterzuerzählen. Theresa Hübner im Gespräch mit Christoph Schröder

Helga Schuberts „Luft zum Leben": Lebensnahe Erzählungen von 1960 bis heute | Buchkritik
Helga Schubert erzählt lebensnah von Diktatur und Freiheit, Schmerz und Hoffnung. Texte von 1960 bis heute – bewegende Geschichten von den Übergängen des Lebens. Rezension von Theresa Hübner

Fake News, die die Welt verändern: „Historische Fälschungen“ von Emanuela Lucchetti | Buchkritik
Unglaublich, aber wahr – oder umgekehrt? Wie wirkungsvoll Propagandalügen und großangelegte Fälschungen in der Geschichte waren, schildert ein schmales Buch nicht nur für junge Leser. Rezension von Julia Schröder

Peter Schneider – Die Frau an der Bushaltestelle | Buchkritik
Wie politisch ist das Private und wie privat darf das Politische sein? Peter Schneider erzählt von einer Liebe in den 1968ern und einer Frau, die sich radikalisiert und in den Terrorismus abgleitet.

Unbekannte Marilyn – Sam Shaws Fotos zeigen die Monroe in einem neuen Licht
Sam Shaw war Starfotograf und langjähriger Begleiter Marilyn Monroes. Sein Buch „Dear Marilyn“ gibt wunderbare und auch unbekannte Einblicke in die Welt der Diva.

Natascha Wodin – Die späten Tage
Wenn der Körper schmerzt und die Tage kürzer werden – Natascha Wodin erzählt in „Die späten Tage“ von Liebe im Alter, Vergänglichkeit und einem letzten großen Glück. Rezension von Theresa Hübner

Mit neuen Büchern von Ursula K. Le Guin, Hannah Lühmann, Caroline Schmitt, Clara Heinrich, Natascha Wodin und Christoph Wagner
Von Ursula K. Le Guin bis Clara Heinrich: Geschichten über Freiheit, Fürsorge und Erinnerung. Und: Ein Blick auf die Rockjahre im Südwesten.

Forschungsreise in die Unwirklichkeit
Wie Humboldt und Darwin reist auch der Engländer Clarke nach Südamerika – doch die Erlebnisse, die César Aira in „Der Hase" schildert, trotzen jeder wissenschaftlichen Vernunft.

„Die Macht der Radikalisierung aus dem Zuhause heraus“: Wie zwei Romane zeigen, warum einfache Wahrheiten so gefährlich sind
Zwei Romane, zwei Parallelwelten: Hannah Lühmann und Caroline Schmitt erzählen in „Heimat“ und „Monstergott“ von Figuren, die zwischen Ideologien und Sinnsuche ins Wanken geraten.

„Von ABBA bis Zappa“: Buch über die Popjahre im wilden Süden
In seinem neuen Buch zeigt Christoph Wagner, wie Böblingen und Sindelfingen in den 70ern und 80ern zum Zentrum der internationalen Rock- und Popmusik wurden.

Dieses Buch ist ein Wunderwerk: „Pusztagold“ von Clara Heinrich
In ihrem faszinierenden Buch erzählt Clara Heinrich von der Rückkehr ins Dorf ihrer Kindheit und von der Verantwortung für Mensch und Natur. Rezension von Christoph Schröder

„Geschichten, die den Blick auf die Welt verändern“: Ursula K. Le Guins Erzählband „Der Tag vor der Revolution“
Übersetzerin Karen Nölle über Ursula K. Le Guin: Eine Autorin, die zeigt, dass die Welt nicht so sein muss, wie sie ist.

Elisa Hoven – Das Ende der Wahrheit? | Buchkritik
Desinformation in der Politik und in Medien, Verschwörungstheorien um den Klimawandel oder Corona, Betrügereien am Telefon und im Netz – die Verfassungsrichterin Elisa Hoven geht in zehn Kapiteln den Lügen und Fake News in unserer Gesellschaft nach und fragt besorgt: „Das Ende der Wahrheit?“ Rezension von Stefan Berkholz

Ersi Sotiropoulos – Was bleibt von der Nacht
Ein Dichter streift durch das Paris der Belle Époque, grübelt über Verse, gibt sich erotischen Träumereien hin. 1897 besuchte der griechische Lyriker Konstantinos Kavafis die französische Hauptstadt – berühmt war er da noch nicht. Über jene drei Tage in Paris ist nun ein Roman erschienen: Was bleibt von der Nacht. Rezension von Victoria Eglau

Norbert Elias neu gelesen: Einsamkeit der Sterbenden im 21. Jahrhundert
Ist der Tod immer noch ein Tabu oder nicht längst allgegenwärtig? Zwischen Medienbildern, KI-Trost und Hospizbewegung stellt die Neuausgabe von Norbert Elias’ Essay „Über die Einsamkeit der Sterbenden in unseren Tagen“ die Frage, wie wir heute mit Sterben und Verlust umgehen. Rezension von Oliver Pfohlmann

Thomas Pynchon: Schattennummer
Da ist er wieder, der große Unbekannte, mittlerweile 88 Jahre alt. Mit einer Hommage an die schwarzen Krimis. Milwaukee, 1932: Ein Privatdetektiv sucht die Erbin einer Käsefabrik und landet in Europa zwischen Nazis und Agenten. Pynchon eben.

SWR Bestenliste November mit Büchern von Ian McEwans, Anja Kampmann u.a.
Dissens auf hohem Niveau - Martina Läubli, Martin Ebel und Dirk Knipphals diskutierten im ausverkauften Heilbronner Schießhaus vier auf der SWR Bestenliste im November verzeichneten Romane: Martina Clavadetschers „Die Schrecken der anderen“ (C.H. Beck), Thomas Pynchons „Schattennummer“ (Rowohlt), Ian McEwans „Was wir wissen können (Diogenes Verlag) und Anja Kampmanns „Die Wut ist ein heller Stern“ (Hanser Verlag). Schon beim ersten Roman, der besprochen wurde, war sich die Jury uneins. Während Martina Läubli (NZZ) die Genrevielfalt und den Einfallsreichtum von Clavadetschers Roman lobte, kritisierte Dirk Knipphals (taz) nicht nur die skurrilen Figuren, sondern vor allem die betont unernste Tonlage der Prosa, die nicht zum Thema passen würde: vergangene und gegenwärtige NS-Verstrickungen in der Schweiz. „Die Schrecken der anderen“ steht auf Platz 7 der November-Bestenliste. Martin Ebel (Tages-Anzeiger) gestand, mit „Schattennummer“ den ersten Roman von Thomas Pynchon gelesen zu haben. Er sei so befremdet wie beeindruckt von dem unberechenbaren Text, der sich psychologischen Lesarten verweigere. Knipphals sah in der Doppelbödigkeit die eigentliche Qualität dieser Literatur: Pynchons Romane seien immer beides, Pulp und hohe Sprachkunst, die sich nicht zuletzt im Spiel mit musikalischen Themen und auch in politischen Spitzen zeige. Für Martina Läubli, die sich zwar über viele Ideen des Autors amüsieren konnte, war Pynchons Roman (Platz 3) aber schlichtweg 200 Seiten zu lang. Bei Ian McEwan (Platz 2) wurde es nahezu religiös. Dirk Knipphals nannte den Autor einen „Hohepriester“, Martin Ebel sogar einen „gnädigen Literaturgott“, der Nachsicht mit seinen fehlgeleiteten Figuren habe. Was Martina Läubli nicht davon abhielt, das ihrer Meinung nach etwas zu routinierte Konstruieren und Erzählen zu hinterfragen. Vor allem der zweite Teil des Romans, der sich in einer erwartbaren Kriminal- und Liebesgeschichte verläppere, habe sie weniger überzeugt. Große Einigkeit zum Abschluss bei Anja Kampmann. In poetischer Prosa erzähle die Autorin, wie die Nazis auch das proletarische Milieu der Hamburger Reeperbahn ab 1933 zu kontrollieren beginnen. Der in kurzen Szenen „hingetupfte“ Roman sei zwar eindeutig historisch verortet, gleichwohl gehe die Autorin auch der aktuellen Frage nach, warum eine Diktatur mit aller Gewalt auch die Herrschaft über den weiblichen Körper durchsetze. „Die Wut ist ein heller Stern“ (Platz 1) gehörte zu den herausragenden Romanen dieser Saison, befand die Jury. Aus den vier Büchern lasen Antje Keil und Dominik Eisele. Durch den Abend – eine Kooperation mit dem Literaturhaus Heilbronn – führte Carsten Otte.

Martina Clavadetscher: Die Schrecken der anderen
Es beginnt wie ein klassischer Krimi: Eine Leiche auf einem zugefrorenen See in der Innerschweiz. Daraus wird ein Panorama, das 100 Jahre zurückreicht; eine Geschichte um Nazi-Verstrickungen und die Ausbreitung des Populismus.

Ian McEwan: Was wir wissen können
England im Jahr 2119. Kriege und Flutkatastrophen haben die Welt verändert. Ein Literaturwissenschaftler macht sich auf die Suche nach einem verschollenen Gedicht. Ein Gegenwartsroman, der aus der Zukunft kommt.

Anja Kampmann: Die Wut ist ein heller Stern
Hedda ist Seiltänzerin im Alkazar auf der Reeperbahn. Als die Nazis die Macht im Staate übernehmen, verändert sich der Kiez gravierend. Kampmann verbindet die Not ihrer Figuren eng mit den politischen Verhältnissen.

Roman über den Klimawandel: Wenn das Land, das niemals schmilzt, sein Eis verliert
Unni ist Gletscherforscherin. Sie verliebt sich in Jon, der wie sie indigene Wurzeln hat. Ein poetischer Roman über die Suche nach der eigenen Herkunft, die Klimakrise und die Liebe. Rezension von Tino Dallmann

„Aufrecht“ von Lea Ypi: Eine Biografie so spannend wie ein Thriller
Die albanische Starautorin Lea Ypi rekonstruiert in ihrer literarischen Biografie „Aufrecht. Überleben im Zeitalter der Extreme“ die abenteuerliche Lebensgeschichte ihrer aus Griechenland stammenden Großmutter. Ein faszinierendes und erschütterndes Buch. Rezension von Holger Heimann

Sten Nadolny – Herbstgeschichte
Zwei alte Schulfreunde in einem Zugabteil und eine geheimnisvolle junge Frau. Sten Nadolny lässt einen fiktiven Autor von einer schicksalhaften Begegnung und von der Notwendigkeit zu helfen erzählen – und von den Schwierigkeiten des Schreibens. Rezension von Jörg Magenau

Katriona O’Sullivans Lebensgeschichte „Working Class Girl“
Katriona O’Sullivan erinnert sich in „Working Class Girl“, wie sie mit Mut, staatlicher Unterstützung und zugewandten Menschen aus prekären Verhältnissen zur Universitätsprofessorin aufstieg.

Ein beeindruckendes Buch: Peter Wawerzineks „Rom sehen und nicht sterben“
Qual und Komik, Glück und Schmerz – das sind die weit ausschlagenden Amplituden der autobiographischen Romane Peter Wawerzineks. In „Rom sehen und nicht sterben“ wird er in der Ewigen Stadt mit der eigenen Vergänglichkeit konfrontiert. Rezension von Wolfgang Schneider

Wütend, aber wiederholend: Tara-Louise Wittwers „Nemesis’ Töchter" bleibt an der Oberfläche
Die Autorin und Influencerin Tara-Louise Wittwer hat ein Buch über Female Rage - weibliche Wut – geschrieben mit wenig Lösungen für den Ausbruch aus patriarchaler Ungerechtigkeit. Rezension von Eva Marburg

Neue Bücher von Joy Williams, Thomas Pynchon, Jegana Dschabbarowa, Yavuz Ekinci, ein Paul Auster Comic und ukrainische Klassiker
Eigentlich längst überfällig: Ukrainische Klassiker in moderner deutscher Übersetzung. Die erscheinen nun als „Ukrainische Bibliothek“ im Wallstein Verlag. Neu entdecken kann man auch Paul Austers „New-York-Trilogie“ – jetzt als Comic.

„Die Abwesenheit ukrainischer Kultur passt gut in die russische Propaganda“
Ein längst überfälliges Projekt: Eine „Ukrainische Bibliothek“ mit Klassikern, die noch nicht ins Deutsche übersetzt wurden. Der Wallstein Verlag startet jetzt eine solche Reihe. Kristine Harthauer im Gespräch mit Tanja Maljartschuk

Magische Bilder - Paul Austers New-York-Trilogie als Comic-Adaption
Auch Comics können sich auf beeindruckende Weise mit menschlicher Komplexität und seelischen Abgründen auseinandersetzen. Das beweist die großartige Comic-Adaption von Paul Austers New-York-Trilogie, die unter der kreativen Leitung des Cartoonisten Paul Karasik jetzt nach mehr als 30 Jahren abgeschlossen werden konnte. Rezension von Silke Arning
























