Ruhrtal - Biografische Geschichten aus dem Pflegeheim
Ruhrtal - Biografische Geschichten aus dem Pflegeheim

Ruhrtal - Biografische Geschichten aus dem Pflegeheim

Hans Schwichow


Podcast

Hier könnt ihr Bewohner*innen von Pflegeheimen zuhören, die aus ihrem Leben erzählen.

Alle Folgen

  • #81 - manchmal muss ich was sagen

    Gestern1:11:09

    Diesmal erzählt eine Bewohnerin, die gerade, nämlich am 26.6. 2026 90 Jahre alt geworden ist. Geboren 1936 und zwar in der Kaiserstadt Aachen. Da ihr Vater als Regierungsrat häufig umziehen musste, verbrachte sie ihre Kindheit in 16 verschiedenen Wohnungen im Dreieck Aachen, Eifel, Köln. Phasenweise musste die Familie jede Nacht in den Luftschutzbunker. So richtig Schule gab es erst mal auch nicht. In der Nachkriegszeit erinnert sie Hunger, eine Schaukel, ein Stoßgebet und Jungen, die sie auf dem langen Weg zum Kommunionsunterricht ärgerten. An die frühe Kindheit hat sie keine schönen Erinnerungen. – Aber, mittlerweile lebt die Familie wieder in der Eifel, auf dem Gymnasium in Prüm machte sie dann erste gute Erfahrungen mit fähigen Lehrer*innen. – Sie habe gerne den Mund aufgemacht und wurde so schnell Klassensprecherin. Sie berichtet von den zeit- und klassentypischen Vorstellungen der Mutter, von deren wachsender Depression, von der Schwester, die mit 6 Jahren an Kinderlähmung erkrankte, als Erwachsene arbeitet die Schwester unter anderem am Frankfurter Städelmuseum, sie sei immer die intelligentere gewesen. Meine Gästin wollte Lehrerin werden, lernte beim Studium ihren Mann kennen, für den sie schon zu Schulzeiten geschwärmt hatte. Er war auch in Prüm zur Schule gegangen. Sie berichtet von dem zeittypisch holperigen Beginn der Beziehung. Sie bezweifelt eine gute Mutter gewesen zu sein. Erzählt von den drei Kindern, verrät ein Geheimnis ihrer guten Ehe. Es ist die Rede von der wichtigen Rolle, der Religion und der Mitarbeit bei einem katholischen Frauenkreis in ihrem Leben. Das Thema geschlechtergerechte Sprache liegt ihr am Herzen. Sie berichtet über ihre kleine, große Schwester, ihre Tochter, ein großes Unglück. Mitgestaltungsmöglichkeiten im Heim, Urlaube und die Depression ihrer Mutter sind weitere Themen.

  • #80 - Libero

    03.07.202651:38

    Geboren im Schwarzwald, aber nach dem Krieg ging es sofort wieder nach Witten. Wegen eines Gussstahlwerkes, in dem Waffen produziert worden waren, viel Zerstörung dort, was aber auch gute Spielplätze zur Folge hatte. Die Ruine der Gedächtniskirche, etwa. Der Vater, im Krieg bei der SS, kommt erst 52 aus der Kriegsgefangenschaft, er bleibt ein Fremder, auch wenn mein Gast die Kindheit trotzdem als eine Gute bezeichnet, berichtet er auch davon, wie er im Leben immer wieder Ersatz gesucht hat. Speditionskaufmann gelernt, und dann die meiste Zeit bei Karstadt in der Zollabteilung gearbeitet. Er hat die guten Jahre erlebt. Verwunderung, dass dieser weltweit operierende Konzern pleitegehen konnte, da war er aber schon in Frührente. Er erzählt vom Feiern, seiner Frau, seinen Beziehungen, seinem Bedauern, dass er seine Frau immer wieder betrogen hat, vom Fußball, den Sportverletzungen, seiner jetzigen Lebenspartnerin und von den Problemen, die es ihm bereitet, sich mit dem Leben im Heim ab zu finden.

  • #79 - vorgestern fertig

    05.06.202647:31

    Geboren wurde die Bewohnerin, die in dieser Folge erzählt, am 1.1.1933. Der Großvater kommt aus Amelunxen; in dem bis heute sehr kleinen Dorf bei Höxter wurde sie im Krieg zeitweise bei Verwandten in Sicherheit gebracht. Ohne viel dafür zu tun, war sie eine gute Schülerin. Sie benutzt das schöne Wort: “naturgut“. Zum Lernen war keine Zeit, denn sie war ein Straßen-, ja ein „Schlägerkind“, das sich nichts gefallen ließ; aber sie war auch ein „Kontaktkind“. Als Einzelkind hatte sie alles, sagt sie. - Im Beruf ging es flott voran, zuletzt war sie Direktionsassistentin bei der Ruhrkohle AG, sie war schnell und präzise, verdiente gut - mit drei Kolleginnen machte sie selbstorganisierte Reisen mit dem Wohnmobil, etwa eine Tour durch Australien. Es gibt wenig Länder, die sie nicht gesehen habe, berichtet sie. „Wir haben es gemacht!“ Ist ihr Resümee. Verheiratet war sie nicht, aber mit ihrem langjährigen Lebenspartner hatte sie die schönste Zeit. Er hatte ihr zur Kontaktaufnahme im Treppenhaus hinterher gepfiffen. „Wir waren ein Ei und ein Pfannkuchen.“ Sie habe sich nie bemühen müssen, habe immer alles gekriegt. Sie beschreibt wie sie sich erfolgreich um ihre Altersvorsorge gekümmert hat. „Da geh ich nicht mehr raus!“ sagt sie von ihrem Zimmer im Pflegeheim.

  • #78 - Kung Fu auf dem sinkenden Schiff

    01.05.202637:37

    Es ist die Rede von Umwegen zur Pflege hin, einer Ausbildung zur Köchin, die sie abbrechen musste, Kindheit in Gelsenkirchen, und den vielen Hobbys: Kung Fu, Inliner, Skaten, früher mal Fußball spielen und Schalke, sie erzählt von ihrer Schulzeit, vom Kochen, sich bekochen lassen und vom Essen gehen, davon was sie an der Pflege mag, was ihr gegen den Strich geht. Aktuelle Freizeitbeschäftigungen: Schlafen, mit dem Hund, einer Chihuahua namens Bella, unterwegs sein und - gerne auch schnell – Auto fahren. Bevorzugte Urlaubsziele: das Hotel des Vertrauens in der Türkei und Greetsiel.

  • #77 - 175 Mark

    03.04.202650:00

    Die Gästin dieser Folge erzählt von ihrer Kindheit in Salzbergen, von Bombenangriffen im Krieg, einem Schutzraum, dem Postkeller, in dem sie sich befand als dieser von einer Bombe getroffen wurde. Sie berichtet über die Schule in der Zeit; davon wie sie beruflich auf dem Land ausgenutzt wurde – die Hochzeit mit einem Maurermeister aus der Nachbarschaft befreit sie. Er baut in Essen Werden ihr gemeinsames Haus und von da ab, kann ihr niemand mehr was sagen. Sie spricht von den zwei Kindern, ihrer späteren Tätigkeit als Schwesternhelferin, den Urlauben, in Bayern etwa, das Skifahren ist sie mit 40 angefangen, aber auch sonst sind sie rumgekommen. Angeregt durch das Interesse des Mannes, äußert sie sich zum Bauen früher und heute. Sie berichtet von den vielen Geschwistern, ihren und denen des Mannes, man hat viel miteinander unternommen. Eine Etappenfahrt mit dem Fahrrad rund um Deutschland findet Erwähnung. Mittlerweile, die Erzählende wird bald 92, lebt kaum noch jemand aus diesem großen Kreis. Der Umzug ins Heim und die Probleme, die sie damit hat, werden thematisiert.

  • #76 - polterig

    06.03.202631:14

    Eine Mutter und ihr Sohn berichten über eine Straße; sie erzählt, was sie als Kind dort erlebt hat; er berichtet davon, wie es sich heute dort lebt.